„Im digitalen Bereich stellt sich für uns im kommunalen Bereich mehr die Frage, wie man Services besser anbieten kann, und weniger, wie man Risiko besser analysiert.“ Alois Steinbichler im Gespräch mit Michael Zimper.

Kundenvorteil Digitalisierung

Mi, 16.08.2017 - 12:14

Am Rande der Kommunalen Sommergespräche in Bad Aussee sprach Kommunal-Verlagschef Michael Zimper mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kommunalkredit, Alois Steinbichler, darüber, wie sich die Digitalisierung auf den Bankensektor auswirkt.

KOMMUNAL: Herr Mag. Steinbichler, bei den heurigen Kommunalen Sommergesprächen geht es um das Thema Digitalisierung. Wie „denkt man digital und bleibt kommunal“?

Alois Steinbichler: Ich möchte es so formulieren: Ohne digital kein kommunal. Die Digitalisierung bietet große Vorteile, Erleichterungen und Produktivitätsgewinn – egal, ob in der Stadt oder im ländlichen Raum. Es geht meiner Ansicht nach darum, die Chancen so gut wie möglich zu nutzen und die Risiken dabei gut im Blick zu behalten. Ganz entscheidend ist natürlich, die Voraussetzungen für die Nutzung der Digitalisierung zu legen, indem die notwendige Infrastruktur geschaffen wird. Stichwort: Breitband. Und hier sehe ich einen gewissen Widerspruch: Österreich liegt bei der Internetnutzung zwar über dem europäischen Durchschnitt. Gleichzeitig sagt ein aktueller OECD-Bericht, dass wir bei Breitband hinten liegen.

Sie haben in ihrem Vortrag die Digitalisierung der Finanzwelt skizziert. Was hat denn der Kunde davon?

Der Kunde hat sehr viel davon: Dank Digitalisierung kann er jederzeit auch in den meisten internationalen Destinationen Bargeld vom Bankomaten beheben. Er kann sich über seinen PC, sein Tablet oder sein Smartphone jederzeit in sein Online-Banking einloggen und eine umfassende Palette von Bankdienstleistungen nutzen: von der Abfrage des Kontostandes über die Überweisung bis zur Änderung von Daueraufträgen. Und das Ganze unkompliziert und oft gratis.

Eine Kernfunktion jeder Bank ist, Risiken einzuschätzen. Momentan arbeiten Banken in erster Linie mit Finanzkennzahlen. Werden Softwareunternehmen, die Informationen aus der digitalen Welt zusammentragen, in der Einschätzung des Risikos eines Kunden stärker werden als die Banken und sie dadurch ablösen?

Nein, Banken schätzen das Risiko grundsätzlich selbst ein und tun das anhand von eigenen Algorithmen, aber auch zugekaufter Daten. Rating-Agenturen wie Moody‘s, Standard & Poor‘s und Fitch liefern derartige Dienste seit Jahren. Wie objektiv das im Einzelfall ist, kann man diskutieren, aber es hat mit der Digitalisierungsthematik primär nichts zu tun; die Letztentscheidung trifft immer die Bank. Digitale Angebote sind eine wichtige Unterstützung.

Aber bietet das Sammeln von Daten, das durch die Digitalisierung möglich geworden ist, nicht ganz neue Möglichkeiten der Risikoeinschätzung?

Ja, das ist sicher so. Es gibt zum Beispiel ein Start-up, das in Spanien getestet und von einer holländischen Bank erworben wurde. Dieses Tool kann angeblich mit einer Sicherheit von 90 Prozent voraussagen, wer sich in den nächsten sechs Monaten scheiden lässt. Da sind wir im Bereich von Big Data, in dem über Kreditkartennutzung und Einkaufsmuster Rückschlüsse gezogen werden. Solche Auswertungsmethoden sind bereits verfügbar; hier kommt man direkt zum Thema Datenschutz und Datensicherheit.

Welche Daten hätten sie denn gerne von Kommunen, um ein optimales Psychogramm einer Gemeinde zu erstellen und zu sehen, welches Rating man der Gemeinde geben kann?

Wir sind da sehr finanz- und budgetzahlenorientiert. Als Bank betrachten wir, wie bei jeder Kreditvergabe, sehr genau die Cashflow-Stabilität, und die ist für Kommunen relativ gut verfügbar. Im digitalen Bereich stellt sich für uns im kommunalen Bereich mehr die Frage, wie man Services besser anbieten kann, und weniger, wie man Risiko besser analysiert. Mit „KOMMUNALKREDIT DIREKT“ hat die Kommunalkredit ein führendes Cash-Management- und Veranlagungsprodukt. Im Privatkundenbereich allgemein gibt es digitale Monitoringsysteme oder „Verhaltensscoring“, wo beispielsweise aus dem Muster der Kontobewegungen Rückschlüsse auf das Risikobild gezogen werden.

Gerade in Kommunen wechseln die handelnden Personen häufiger, weil gewählt wird. Gibt es Evidenzen, dass es durch einen Bürgermeisterwechsel zu neuen Ratings kommt?

Kaum; dazu müsste es eine extrem geänderte Finanzpolitik geben; aber dass jemand sagt, jetzt hören wir auf, vorsichtig zu sein und bauen X Projekte gleichzeitig, ist unüblich. Zudem gibt es funktionierende Mechanismen, die eventuelle Ausreißer dieser Art gut kontrollieren, wie etwa die Gemeindeaufsicht. Die Risikolage im kommunalen Bereich sehen wir grundsätzlich positiv und stabil.

 Welche Chancen sehen Sie im kommunalen Sektor für Crowdfunding-Projekte?

Crowdfunding kann immer eine Möglichkeit sein, Dinge anzustoßen und einen lokalen Interessensbeitrag zu realisieren. Gerade hier in Aussee wurde für eine Schiliftanlage ein bedeutender Betrag auf dieser Basis aufgebracht. Solche Bürgerbeteiligungsmodelle haben natürlich einen Platz in der Finanzierungsvielfalt. Die Kommunalkredit steht dem grundsätzlich positiv gegenüber. 

Es gibt im ländlichen Raum einen neuerlichen Schwund an Infrastruktur. Banken schließen, Bankomaten beginnen zu verschwinden. Bitcoins kommen auf. Wird es bald nur noch digitales Geld und Kryptowährungen geben?

Das glaube ich nicht. Wir haben eine Entwicklung vom automatisierten zum digitalen Bankprodukt, sehr stark über mobiles Banking. Kryptowährungen und digitalbasierte Tauschkonstrukte wie Bitcoin gibt es, aber mit vielen aufsichtsrechtlichen Fragezeichen, wenn man alleine an die Transparenz der Geldflüsse denkt oder an die Frage, wer über das Währungsprivileg verfügt.

Es handelt sich hier um ein Randsegment der digitalen Welt; vielleicht auch ein wenig ein „Spielzeug“, um Parallelstrukturen zu schaffen. Laut OeNB wird Bargeld Bestand haben; das wird sehr deutlich geäußert. Der Bargeldumlauf wird sich aber einschränken, was im Hinblick auf den manipulativen Aufwand wirtschaftlich sinnvoll ist. Denken wir nur an die Vorteile des Zahlens mit Bankomatkarte beim Einkauf oder bei der Behörde.

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