Bergern im Dunkelsteinerwald freut sich über sein buntes Vereinsleben.
Bergern im Dunkelsteinerwald freut sich über sein buntes Vereinsleben. Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe wird großgeschrieben. Die Auszeichnung „Vereinsfreundlichste Gemeinde Niederösterreichs 2025“ ist das Sahnehäubchen.
© Imre Antal

Vereine

Freiwilligenarbeit sichtbar machen

Sie organisieren Feste, fördern Kinder und Jugendliche, pflegen Traditionen, helfen in Notlagen und schaffen Orte der Begegnung. Vereine sind weit mehr als Freizeitangebote, die die Gemeinden bunt und lebenswert machen. Es ist daher nur recht und billig, den Ehrenamtlichen für ihr Engagement Respekt und echte Wertschätzung entgegenzubringen. Denn ihre Arbeit ist kein „Nice To Have“, sondern eine tragende Säule des Gemeindelebens.

Nahversorger, Tanzabende, Besuchsinitiativen, Fahrtendienste, Brauchtumspflege, Blasmusik, Fußball, Tierschutz, Nachbarschaftshilfe, Lernhilfe, Freiwillige Feuerwehr … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was bewegt Menschen dazu, sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich zu engagieren? 

Laut Freiwilligenbericht 2026, in Auftrag gegeben vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, stehen ganz oben auf der Liste der Motivationsfaktoren die Freude an der Tätigkeit, gefolgt von den Wünschen, etwas Nützliches zum Gemeinwohl beitragen zu wollen sowie anderen Menschen zu helfen. 

Viele suchen auch Gemeinschaft und Zugehörigkeit oder engagieren sich aus Dankbarkeit, weil sie selbst Hilfe erfahren haben. Wieder andere finden im Vereinsleben die Möglichkeit, ihre Talente einzusetzen oder haben einfach Freude an der gemeinsamen Sache wie etwa am Sport, an der Kultur oder im sozialen Bereich.

Das Ehrenamt – unbezahlbarer Kitt der Gesellschaft

Ohne Vereine würde Vieles keinen Bestand haben. Sie verbinden Generationen, schaffen Integration und fördern den Zusammenhalt in der Gemeinde. Zuzügler beispielsweise finden über Vereine schneller Anschluss im Ort als über formelle Strukturen. Die Kinder sind im Sportverein, die Eltern engagieren sich bei der Freiwilligen Feuerwehr oder für die Gesunde Gemeinde. Schnell sind Anknüpfungspunkte durch gemeinsame Interessen gefunden, die Ankommen und Zugehörigkeit leichter machen. Eine vielfältige, funktionierende Vereinskultur ist quasi der Kitt der Gesellschaft.

Freiwillige Arbeit steht jedoch zunehmend im Spannungsfeld zwischen Beruf, Familie und individueller Freizeitgestaltung. Zudem wird ein großer Teil der Arbeit im Hintergrund erledigt: Organisation, Planung und Verantwortung werden oft als selbstverständlich wahrgenommen, obwohl sie viel Zeit und Einsatz erfordern. Die Menschen engagieren sich trotzdem, weil sie Sinn, Gemeinschaft und Wirkung erleben wollen. Doch Vereine und Ehrenamtliche sind kein „Nice To Have“. Ohne sie würde vielen Orten das kommunale Herz fehlen.

Hinzu kommt, dass das Ehrenamt unbezahlbar ist, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ohne Freiwilligkeit in Vereinen würden viele Bereiche wie Kultur, Sport, Rettungsdienste oder Pflege nur schwer funktionieren. Die freiwillig geleistete Arbeit stellt eine enorme volkswirtschaftliche Größe dar, die für das öffentliche Leben von unschätzbarem Wert ist. Ohne Ehrenamt wären diese Leistungen von öffentlicher Seite allein weder organisatorisch noch finanziell in diesem Ausmaß abdeckbar.

Wertschätzung ist kein Bonus, sondern Ehrensache

Anerkennung und ehrliches Lob motivieren zum Weitermachen. Direkte Wertschätzung kommt am besten an: Ein Handschlag, persönliche Worte und ein ehrliches „Danke“ machen sichtbar, wie sehr die geleistete Arbeit geschätzt wird. Ein konkretes „Dein Einsatz beim letzten Starkregen war enorm wichtig“ tut gut und stärkt die Motivation. Selbstdarstellung und politische Floskeln sind hier fehl am Platz. Gefragt sind Empathie, eine ehrliche Sprache und echtes Interesse.

Wertschätzung zeigt sich aber nicht nur in Worten, sondern vor allem im Umgang miteinander, im Zuhören und im Anerkennen von Leistung. So schafft man Vertrauen, stärkt Beziehungen und bildet die Basis dafür, dass Menschen sich langfristig engagieren. 

„Wenn keine monetären Anreize ausschlaggebend für ein Engagement sind, ist Wertschätzung die zentrale Grundlage im Ehrenamt“, weiß Markus Skorsch, Landesgeschäftsführer der Sportunion Niederösterreich, aus der Praxis zu berichten. „Wir versuchen in der Sportunion Wertschätzung ganz bewusst zu leben: Durch persönliche Gespräche, Auszeichnungen, kleine Gesten im Alltag und indem wir Erfolge sichtbar machen. Entscheidend ist, dass es nicht nur punktuell passiert, sondern Teil unserer Kultur ist.“

Bergern zeigt, wie es geht

Ein „Best Practice“-Beispiel in Sachen Wertschätzung ist die Gemeinde Bergern im Dunkelsteinerwald. Sie holte sich 2025 in einer von einer österreichischen Tageszeitung initiierten Aktion den Titel „vereinsfreundlichste Gemeinde Niederösterreichs“. Wie es dazu kam, schildert der Bürgermeister von Bergern, Roman Janacek: „Einer meiner jungen Gemeinderäte hat mich darauf aufmerksam gemacht und unsere Gemeinde nominiert. Er hat sich wirklich viel Mühe gegeben und eine 60-seitige Präsentation eingereicht. Letztendlich hat es geklappt. 

Durch Votings und einen finalen Jury-Entscheid wurde Bergern auf Platz eins gewählt“. Der Bürgermeister ist natürlich stolz auf die Auszeichnung, aber der Zusammenhalt und das Vereinsleben in „seinem“ Ort haben für ihn einen noch größeren Stellenwert. „Freiwillige Feuerwehr, Musikverein, Fußballverein, Dorferneuerung oder Verschönerungsverein, um nur einige zu nennen. Ohne unsere Freiwilligen wäre das Leben weniger bunt. 

Dazu kommt, dass wir als Gemeinde viele Services ohne unsere Vereine nicht anbieten könnten. Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar, und das sage ich den Freiwilligen auch regelmäßig. Denn direkte, ehrliche Wertschätzung ist das Mindeste, was sie erwarten dürfen!“ 

Beim Neujahrsempfang der Gemeinde werden die Leistungen der Freiwilligen alljährlich vor den Vorhang geholt. Als besondere Wertschätzung hat der Bürgermeister die Vereins-Trophy ins Leben gerufen, die an verdiente Ehrenamtliche vergeben wird. Natürlich unterstützt die Gemeinde ihre Vereine auch mit finanziellen Mitteln, doch die sind – wie überall – rar und oftmals nur der vielzitierte „Tropfen auf den heißen Stein“.

Wer es ehrlich meint, braucht kein Scheinwerferlicht

Für Doris Maurer, Geschäftsführerin des Vereins „NachbarschaftsKultur“, ist echte Wertschätzung das direkte, zeitnahe Aufzeigen einer positiven Leistung, die direkte Ansprache der betreffenden Person. „Ich versuche, in einem persönlichen Gespräch das Geleistete sichtbar zu machen, abseits von jeglicher Inszenierung. Die Reaktionen sind unterschiedlich wie die Menschen, an die die Wertschätzung gerichtet ist, aber sie sind immer positiv.“ 

Maurer berichtet von Wärme, Freude und Dankbarkeit, die sie für ihre ehrliche Anerkennung zurückbekommt. Und manchmal ist es auch Verlegenheit, die sie spürt, vor allem bei Menschen, die Lob schwer annehmen können und versuchen, ihre Leistungen „klein zu reden“. Ein „No-Go“ sind für sie Lobende, die sich mit ihrer „Wertschätzung“ selbst inszenieren. „Für mich sind Blumen auf der Bühne lediglich Show“, sagt sie mit einem Lächeln in der Stimme. „Wer es ehrlich meint, der braucht kein Scheinwerferlicht“.

Lob versus Lobhudelei

Man hilft einander, und das ehrenamtlich. Die Mitglieder des Vereins „NachbarschaftsKultur“ packen an, wo Hilfe gebraucht wird.
Man hilft einander, und das ehrenamtlich. Die Mitglieder des Vereins „NachbarschaftsKultur“ packen an, wo Hilfe gebraucht wird. Foto: Verein NachbarschaftsKultur

Da im Ehrenamt der finanzielle Anreiz fehlt, ist Anerkennung die wichtigste „Währung“. Wenn sie unglaubwürdig wirkt, sinkt die Bereitschaft, sich zu engagieren, die Menschen ziehen sich zurück. Umgekehrt kann gutes und ehrliches Lob Engagement langfristig sichern, neue Mitglieder bringen und eine positive Vereinsstruktur schaffen. Anerkennung motiviert, wird sie jedoch falsch formuliert, kann sie das Gegenteil bewirken.

Echtes Lob ist immer konkret, ehrlich und dadurch wirksam. Es stärkt die Menschen, weil es auf realen Fakten basiert. Es ist konkret, nachvollziehbar und erfolgt zeitnah auf Augenhöhe. Die Gelobten fühlen sich gesehen, entwickeln Vertrauen und werden so motiviert, weiterzumachen. Falsches Lob, sogenannte „Lobhudelei“, ist übertrieben, ungenau und kontraproduktiv und ist oft das Gegenteil von Wertschätzung. Es gibt keinen Bezug zur tatsächlichen Leistung, jeder bekommt laufend dasselbe Lob oder die Anerkennung wird eingesetzt, um etwas Konkretes zu erreichen. Die Situationen wirken mitunter peinlich. Besonders bei erfahrenen Vereinsmitgliedern oder Ehrenamtlichen kommt man damit nicht durch. Die Reaktionen sind vielfach Misstrauen oder sogar Demotivation.

Applaus alleine zahlt keine Rechnungen

Der Trend zeigt, dass sich zwar tendenziell mehr Menschen ehrenamtlich engagieren, sie tun es aber weniger umfänglich und sind weniger bereit, Leitungsaufgaben zu übernehmen. Angekommen in einer Zuwanderungsgesellschaft wird auch die Engagement-Landschaft immer bunter, was Motive und Formen betrifft. Organisationen, die weniger stark formal ausgerichtet sind, gewinnen dabei an Bedeutung. 

Jüngere Menschen zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu bewegen, bleibt eine Herausforderung. Hinsichtlich der finanziellen Situation ist keine Entspannung in Sicht, zur Verfügung stehende Budgetmittel sind rar. Obwohl Wertschätzung und echtes Lob einer der wichtigsten Faktoren einer funktionierenden Vereins- und Ehrenamtsstruktur sind, sind Lob und Applaus alleine zu wenig. Sie decken keine Kosten und bezahlen keine Rechnungen. Die Vereine müssen sich in einem gewissen Ausmaß auch in Zukunft auf die Unterstützung der öffentlichen Hand, von Politik und Gemeinde, verlassen können. 

Ehrenamt sichtbar machen

Persönliche Anerkennung: Handschlag, persönliches Gespräch, individuelles Dankeschön. Besuch einer Vereinsveranstaltung. Konkretes Lob statt Floskeln.
Öffentliche Würdigung: Ehrung durch den Gemeinderat. Bericht in der Gemeindezeitung. Social Media-Posting „Verein des Monats“.
Offizielle Auszeichnungen: Ehrennadel, Urkunden, Dankesempfänge, Jubiläumsfeiern
Rahmenbedingungen verbessern: Förderungen und Zuschüsse entbürokratisieren. Bereitstellung von Räumlichkeiten, Infrastruktur oder Ausrüstung. Unterstützung bei Genehmigungen und in der Organisation. 
Zuhören und einbinden: Regelmäßige Gespräche. Einbindung in Entscheidungsprozesse. Offenes Ohr für Probleme und Ideen.
Kontinuität statt Einmal-Aktion: Regelmäßige Besuche. Langfristige Beziehungspflege.
Authentische Kommunikation: Keine Floskeln. Fokus auf das Ehrenamt.
 

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 5/2026.