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Kommunikation
Das kommunale Kanal-Orchester
Abstract
Kommunale Bürgerkommunikation steht im Spannungsfeld von Rechtsstaatlichkeit, Echtzeit-Erwartung und begrenzten Ressourcen. Der Beitrag zeigt, warum Modernität nicht über Kanalanzahl entsteht, sondern über Medienlogik: Integration, Funktion und organisatorische Einbettung.
Anhand österreichischer Entwicklungen werden Status quo, Herausforderungen, gemeindespezifische Stärken und Schwächen sowie Szenarien skizziert. Leitidee ist das „Kanal-Orchester“: single source of truth, orchestrierte Ausspielung, Automatisierung und Barrierefreiheit als Standard.
Kommunale Bürgerkommunikation ist heute keine Nebenaufgabe, sondern eine infrastrukturelle Funktion demokratischer Alltagsorganisation. Gemeinden kommunizieren im Spannungsfeld zwischen rechtlicher Verpflichtung, gesellschaftlicher Erwartungshaltung und technologischer Machbarkeit.
In einer Öffentlichkeit, die sich über Plattformen, Mobilgeräte und situative Aufmerksamkeit organisiert, wird Kommunikation nicht nur als Transport von Information wahrgenommen, sondern als Orientierung, Teilhabe und Vertrauensangebot. Damit wird die Leitthese dieses Kapitels greifbar: Kommunale Kommunikation ist kein Kanalproblem, sondern eine Medienlogik-Frage. Nicht die Anzahl der Kanäle entscheidet über Modernität, sondern Integration, Funktion und organisatorische Einbettung (vgl. Riedl/Maurer/Mühl 2018: 2).
Status quo-Beschreibung
Österreich startet dabei aus einer relativ starken Ausgangslage. Der nationale Fahrplan zur Digitalen Dekade verweist auf einen ausgebauten Portalverbund, hohe Mobilfreundlichkeit digitaler Dienste und eine breite Nutzung, sofern Angebote leicht zugänglich, barrierefrei und intuitiv sind (Bundeskanzleramt 2025b: 8). Auch internationale Benchmarks werden als Rückkopplung für die Weiterentwicklung verstanden; im eGovernment Benchmark werden etwa Bestwerte in Teilbereichen wie mobiler Nutzer:innenfreundlichkeit ausgewiesen (Bundeskanzleramt 2025b: 8). Für Gemeinden ist das zentral, weil Erwartungen nicht mehr am „Nachbarort-Standard“, sondern an Alltagserfahrungen mit Bank-Apps oder Paket-Tracking gemessen werden: Usability wird zum Legitimationsfaktor.
Vier Entwicklungen prägen den Status quo besonders stark.
- Mobile first wird zur Normalform. Im eGovernment-Kontext nutzen in Österreich zwei Drittel jener Menschen, die E-Government bereits verwendet haben und ein Smartphone oder Tablet besitzen, diese Dienste auch mobil (Bundeskanzleramt 2025a).
- Digitale Identität wird zur Basistechnologie. Die ID Austria ist in Österreich nahezu flächendeckend bekannt, und eine Mehrheit nutzt sie aktiv (Initiative D21/TU München 2025: 35). Das verändert kommunale Logik: Wo Identität und Signatur als „gegeben“ erlebt werden, wächst die Erwartung, dass Prozesse medienbruchfrei funktionieren – und dass Kommunikation stärker personalisiert und situationsbezogen ist.
- Transparenz wird zu einem dauerhaften Publikationsauftrag. Mit dem Informationsfreiheitsgesetz trat mit 1. September 2025 eine zweisäulige Logik in Kraft: proaktive Veröffentlichung im Informationsregister und ein Grundrecht auf Zugang zu Informationen (Bundeskanzleramt 2025c). Für Gemeinden bedeutet das: Veröffentlichung ist nicht mehr Ausnahme, sondern Standardprozess – inklusive Dokumentation, Versionierung und Nachvollziehbarkeit.
- Verständlichkeit wird zur neuen Basiserwartung. Wo Dokumente digital publiziert werden, erwarten Bürger:innen zunehmend, dass sie Inhalte auch ohne Vorwissen verstehen – bei Bedarf mehrsprachig und barrierearm. KI-gestützte Dokumentenerklärer und Chatbots verschieben damit den Maßstab von „auffindbar“ zu „verständlich“ – vorausgesetzt, sie arbeiten auf einer verlässlichen, versionierten Wissensbasis.
Gleichzeitig zeigt sich ein zentrales Paradox: Digitale Akzeptanz kann hoch sein, Vertrauen bleibt dennoch eine Daueraufgabe. In Österreich sind 76 Prozent derjenigen, die das Online-Angebot ihrer Stadt/Gemeinde kennen, damit insgesamt zufrieden (Initiative D21/TU München 2025: 16). Dennoch liegt das (sehr) große Vertrauen in den Staat deutlich darunter (Initiative D21/TU München 2025: 12). Die kommunale Schlussfolgerung ist eindeutig: Technische Verfügbarkeit genügt nicht. Kommunale Medienlogik muss Vertrauen als Ergebnis konsistenter, verständlicher und verlässlicher Kommunikation behandeln – nicht als Nebenprodukt „digitaler Präsenz“.
Um dieses Spannungsfeld organisatorisch zu bewältigen, gewinnen integrierte Plattformarchitekturen an Bedeutung. Wenn Website, digitale Amtstafel, App und push-Kommunikation über ein gemeinsames Redaktions- und Datenmodell bespielt werden, entsteht eine single source of truth: Inhalte werden einmal erfasst, geprüft und kanalübergreifend ausgespielt. Der strategische Mehrwert liegt nicht im zusätzlichen Kanal, sondern im Abbau von Mehrfacherfassung, Fehlerquellen und Zeitverlust. Genau hier setzt das Bild des „Kanal-Orchesters“ an: Kanäle sind Instrumente mit klarer Funktion – und die Gemeinde braucht eine Partitur.
Problemstellungen und Herausforderungen
Die zentrale Herausforderung ist nicht die Eröffnung neuer Kanäle, sondern die Auflösung historisch gewachsener Fragmentierung. In vielen Gemeinden existieren parallele Systeme: Content-Management, Dokumentenmanagement, digitale Amtstafel, Newsletter-Tools, Social-Media-Profile, App-Redaktion, Termin- oder Müllkalender-Pflege. Wenn jedes System eigene Datenhaltung und eigene Verantwortlichkeiten hat, entsteht Medienbruch: Inhalte werden mehrfach erfasst, unterschiedlich formuliert, unterschiedlich aktuell gehalten. Die Folge ist nicht mehr Reichweite, sondern Komplexität – und damit ein strategisches Risiko.
Ressourcenknappheit verschärft diese Lage. Kommunale Organisationen können selten „mehr Personal für mehr Kanäle“ aufbauen. Unter Personalknappheit wird jede zusätzliche Redaktionsfläche zur Dauerbelastung. Gerade deshalb ist der Leitsatz entscheidend: Systeme dürfen keine Arbeit erzeugen, sondern müssen Arbeit reduzieren (vgl. Börnard 2022: 41). Medienlogik ist hier Organisationslogik: Wer Kanäle eröffnet, ohne Zuständigkeiten, Vertretungsregeln und Freigabeprozesse zu definieren, produziert strukturelle Überforderung.
Parallel steigen Erwartungen. Ein moderner Staat wird von vielen Menschen direkt über die Qualität digitaler Angebote beurteilt; mangelhafte oder fehlende digitale Angebote wirken reputationsschädigend (Initiative D21/TU München 2025: 16). Das betrifft Gemeinden besonders, weil sie im Alltag „sichtbarer“ sind als abstrakte Institutionen: Mülltermine, Straßensperren, Wasserabschaltungen, Bauverfahren, Kindergartenplätze oder Krisenlagen werden lokal erlebt. Die Erwartung verschiebt sich daher von pull (ich suche) zu push (es erreicht mich). Diese news find me-Logik ist kein Trendbegriff, sondern eine funktionale Erwartung in einer Echtzeitgesellschaft: Information ist nur dann wirksam, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt.
Genau hier lauert das Risiko der Kanalinflation. Viele Gemeinden eröffnen Kanäle aus Vergleichsdruck („die anderen haben das auch“). Ohne Redaktionsroutine kippt der Effekt: Inaktive Profile oder veraltete Inhalte signalisieren nicht Modernität, sondern Überforderung. Medienlogisch entsteht ein Vertrauensschaden, weil Verlässlichkeit nicht kanalweise bewertet wird: Bürger:innen übertragen schlechte Erfahrungen auf „die Gemeinde“ als Absender. Daraus folgt eine harte Priorität: Jeder Kanal braucht eine definierte Funktion und eine Mindestpflegequalität – sonst ist Nicht-Bespielung die bessere Strategie.
Hinzu kommt Zielgruppenfragmentierung. Gemeinden kommunizieren gleichzeitig mit Senior:innen (Print/Telefon), Familien (App/push), Pendler:innen (mobil), Vereinen und Betrieben (Newsletter/Website), Jugendlichen (visuell, kurzformatig), Gästen (Web/Social). Eine reine Digitalstrategie kann Exklusion verstärken, eine reine Analogstrategie verliert Dringlichkeit und Auffindbarkeit. In Österreich verfügen 64,7 Prozent der Bevölkerung über digitale Grundkenntnisse. Umgekehrt hat mehr als ein Drittel keine digitalen Grundkenntnisse (Bundeskanzleramt 2025b: 9).
Daraus folgt die Notwendigkeit hybrider Orchestrierung: Information muss aus einer Quelle sowohl digital als auch analog zuverlässig erzeugt werden können – ohne doppelte Arbeit.
Hinzu kommt eine Integrationsaufgabe: Die Wahrnehmung einer Gemeinde entsteht zunehmend auch über Inhalte Dritter – Vereine, Betriebe, lokale Medien und soziale Netzwerke. Eine gebündelte Darstellung kann Orientierung schaffen und lokale Dynamiken sichtbar machen. Damit diese Integration Vertrauen stärkt, braucht es Transparenz: klare Kennzeichnung von Quelle und Status der Inhalte sowie definierte Zuständigkeiten und Rückmeldewege. So wird Bündelung zu Orchestrierung – und nicht zu zusätzlicher Unklarheit.
Schließlich wird Regulatorik selbst zum Kommunikationsfaktor. Datenschutz, Barrierefreiheit, IT-Sicherheit und Dokumentationspflichten wirken nicht „nachgelagert“, sondern prägen Kanalwahl, Prozessdesign und Verantwortung. Mit dem Informationsfreiheitsgesetz steigt der Publikationsdruck strukturell; Veröffentlichung wird zum Standardprozess, nicht zur Einzelfallentscheidung (Bundeskanzleramt 2025c). Je mehr nicht integrierte Einzelsysteme im Einsatz sind, desto höher ist das Risiko inkonsistenter Umsetzung: unterschiedliche Versionen, fehlende Nachweise, unklare Archivlogik, uneinheitliche Barrierefreiheit. In der Praxis bedeutet das: Rechtssicherheit wird wahrscheinlicher, wenn sie in die Systemarchitektur und den Redaktionsprozess eingebaut ist – compliance by design statt nachträglicher Kontrolle.
Eine weitere, oft unterschätzte Herausforderung ist Mehrsprachigkeit. Im Jahresdurchschnitt 2024 lebten in Österreich 2.509.000 Menschen mit Migrationshintergrund (27,8 Prozent der Bevölkerung in Privathaushalten), und der Anteil im Ausland Geborener lag mit Stichtag 01.01.2026 bei 22,9 Prozent.
Daraus entsteht ein legitimer Erwartungsdruck, zentrale Informationen auch für Personen ohne Deutsch als Erstsprache verständlich bereitzustellen – insbesondere bei Servicewegen, Kriseninformation und Pflichtveröffentlichungen. Professionelle Übersetzungen sind kostenintensiv; ohne Standardtexte, klare Priorisierung von Sprachen und eine integrierte Datenbasis drohen Verzögerungen und inkonsistente Versionen über Kanäle hinweg (Statistik Austria 2025: 1; Statistik Austria 2026).
Stärken und Schwächen der Gemeinden
Gemeinden verfügen über eine besondere Vertrauens- und Nähearchitektur. Bürger:innen kennen ihre Gemeinde nicht nur als Behörde, sondern als konkreten Ort mit konkreten Personen. Diese Nähe ist ein strategischer Vorteil: Verständlichkeit, Ansprechbarkeit und soziale Kohärenz können Vertrauen stabilisieren – auch digital. Wo Kommunikation erkennbar lokal verankert ist, wirkt sie weniger abstrakt und oft glaubwürdiger als „staatliche Kommunikation“ im Allgemeinen. Medienlogisch ist das ein Pfund: Authentizität entsteht nicht durch Tonalität, sondern durch nachvollziehbare Zuständigkeit.
Kleine Gemeinden profitieren zudem von kurzen Wegen und informeller Kommunikationsdichte. Entscheidungen können schneller abgestimmt, Inhalte rascher freigegeben werden. Gleichzeitig liegt hier eine zentrale Schwäche: Digitalkompetenz ist oft personengebunden. Fällt eine Schlüsselperson aus, bricht Redaktions- und Systemwissen weg. Strategische Planung wird durch das Tagesgeschäft verdrängt; es entsteht eine reaktive Informationspolitik. Für kleine Gemeinden wird deshalb Automatisierung zur Überlebensstrategie: nicht als „Technikbegeisterung“, sondern als Organisationsschutz – weniger Mehrfacherfassung, klarere Prozesse, verlässliche Aktualität.
Große Gemeinden und Städte haben andere Stärken: Professionalisierung, größere Budgets, spezialisierte Rollen, potenziell datenbasierte Zielgruppenansprache. Gleichzeitig steigt die interne Komplexität. Abteilungen arbeiten in Silos, Tool-Landschaften wachsen historisch, Abstimmungen werden aufwendig. Die Schwäche ist dann nicht „zu wenig Kommunikation“, sondern Informationsüberlastung: zu viele Inhalte, zu viele Schnittstellen, zu wenig Relevanzsteuerung. Medienlogisch wird Personalisierung zur Notwendigkeit: Wenn alles alle erreicht, erreicht am Ende wenig jemanden.
In vielen Gemeinden gibt es eine Governance-Lücke: Wer verantwortet welche Inhalte? Welche Kanäle sind rechtlich relevant? Welche Inhalte müssen archiviert, barrierefrei bereitgestellt oder versioniert werden? Ohne klare Rollen, Vertretungsregeln und Freigabepfade bleibt Kanalmanagement zufällig. Die Konsequenz ist ein strategischer Engpass: Nicht Technik limitiert, sondern Organisation. Deshalb ist die zentrale Kompetenz der nächsten Jahre weniger „mehr posten“, sondern „besser orchestrieren“.
Entwicklungsszenarien
Die nächsten Jahre werden kommunale Kommunikation nicht linear verändern, sondern entlang von drei Treibern: Erwartungsdruck (Echtzeit, mobil, personalisiert), Regulatorik (Transparenz, Barrierefreiheit, Datenschutz) und Ressourcenlage (Personalknappheit). Daraus lassen sich vier Entwicklungsszenarien ableiten, die kombinierbar sind.
- Die orchestrierte Plattformkommune. Gemeinden konsolidieren Kommunikation und Services in einer integrierten Plattformarchitektur. Kern ist eine single source of truth: Inhalte werden zentral erfasst, geprüft, versioniert und automatisch in Website, digitale Amtstafel, App, Newsletter oder push ausgespielt.
Der Mehrwert ist Redundanzabbau: weniger doppelte Arbeit, weniger Fehler, schnellere Aktualität. Digitale Identität (ID Austria) verstärkt diesen Weg, weil Bürger:innen medienbruchfreie Prozesse erwarten und nutzen (Initiative D21/TU München 2025: 35). In solchen Szenarien wird eine Plattformlösung nicht als zusätzlicher Kanal verstanden, sondern als Redaktions- und Ausspielarchitektur, die Kanäle funktional verbindet.
- Compliance by design. Rechtssicherheit wird nicht nachträglich geprüft, sondern systemisch eingebaut. Veröffentlichungspflichten aus dem Informationsfreiheitsgesetz werden als Workflow gestaltet: Zuständigkeit, Freigabe, Publikation, Archivierung, Nachweis. Barrierefreiheit wird über Templates, Kontrast- und Strukturstandards sowie Qualitätssicherung verankert. Das reduziert nicht nur Rechtsrisiken, sondern erhöht Verständlichkeit – und damit Reichweite. Medienlogisch ist das entscheidend: Verlässlichkeit ist Teil der Botschaft.
- KI-gestützte Redaktionsassistenz. Künstliche Intelligenz wird nicht als Entscheidungsinstanz eingesetzt, sondern als Assistenz für Kapazitätssicherung: Zusammenfassungen von Beschlüssen, Vorschläge für barriereärmere Sprache, automatische Strukturierung, Metadaten-Vorschläge, Varianten für unterschiedliche Zielgruppen. Entscheidend ist dabei das Prinzip human in the loop: Verantwortung bleibt bei der Gemeinde, Routinen werden beschleunigt.
So entsteht ein realistischer Pfad, Personalknappheit abzufedern, ohne demokratische Verantwortlichkeit zu delegieren. Ergänzend entsteht eine bürgerseitige Assistenzlogik: Dokumente werden kontextualisiert und erklärt, Zuständigkeiten und Abläufe können über mehrsprachige Dialogsysteme auffindbar gemacht werden. Strategisch wichtig ist, dass solche Assistenzsysteme auf der single source of truth aufsetzen (Amtstafel, Beschlüsse, Services, Kontaktlogiken) und Auskünfte nachvollziehbar bleiben (Versionierung, Protokollierung, klare Abgrenzung von Rechtsauskünften).
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Adaptive Kommunikation und Beteiligungslogik. Gemeinden entwickeln stärker lebenslagen- und ortsbezogene Informationsräume: nicht „alles für alle“, sondern Relevanzsteuerung. Beteiligung wird dabei als Anschlusslogik verstanden: Kommunikation wird wahrscheinlicher, wenn Rückkopplung möglich ist. „Partizipation ist in diesem Sinn eine Strategie zur Bewältigung der Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation“ (Marent 2011: 52). Praktisch heißt das: niedrigschwellige Feedback-Kanäle, Meldesysteme, Beteiligungsformate – aber eingebettet in klare Regeln (Moderation, Datenschutz, Erwartungsmanagement).
Ein Baustein dieser Logik ist ein kuratiertes lokales Informationsökosystem: Vereine und Betriebe können Inhalte/Einträge selbst pflegen, während die Gemeinde Regeln und Qualitätssicherung vorgibt. Zusätzlich können ausgewählte externe Quellen (z. B. lokale Medien und definierte Social-Media-Kanäle) automatisiert in einem zentralen Feed gebündelt werden – mit klarer Kennzeichnung und Zuständigkeit. Die Gemeinde wird damit weniger „Mehrfach-Redaktion“ und stärker Moderatorin kommunaler Öffentlichkeit
Conclusio mit strategischen Handlungsempfehlungen
- Medienlogik als Führungsaufgabe definieren. Gemeinden sollten nicht mit Kanälen beginnen, sondern mit Funktionen: Dokumentation (rechtssicher), Dringlichkeit (Echtzeit), Bindung (Identität), Dialog (Rückkopplung). Erst daraus folgt die Kanalrolle. Das reduziert Kanalinflation, schafft Prioritäten und macht Kommunikation steuerbar.
- Eine single source of truth organisatorisch und technisch verankern. Inhalte müssen einmal erstellt, geprüft und versioniert werden – und dann konsistent in Website, digitaler Amtstafel, App oder in anderen Kanälen ausspielbar sein. Das senkt Fehler, spart Zeit und erhöht Verlässlichkeit. Integrierte Plattformarchitekturen sind hier nicht „noch ein Kanal“, sondern der Weg, Medienbrüche abzubauen.
- Automatisierung als Überlebensstrategie kleiner Gemeinden einsetzen. Kleine Gemeinden sollten Verteilungsarbeit minimieren: wiederverwendbare Textbausteine, Vorlagen, Terminlogiken, automatisierte Ausspielung, klare Vertretungsregeln. Ziel ist nicht „mehr Output“, sondern stabile Verlässlichkeit bei knappen Ressourcen.
- Personalisierung und Relevanzmanagement in größeren Gemeinden priorisieren. Wo Informationsmengen steigen, sinkt Aufmerksamkeit. Themenfilter, Zielgruppen-Segmente und differenzierte push-Logik verhindern Grundrauschen. Kommunikationsqualität zeigt sich dann nicht in Menge, sondern darin, dass Relevantes tatsächlich ankommt.
- Transparenz- und Barrierefreiheitsanforderungen als Prozessstandard behandeln. IFG-Publikationspflichten, Archivierung, Datenschutz und Barrierefreiheit gehören in den Workflow – nicht in eine nachgelagerte Kontrolle. Compliance by design entlastet langfristig und stärkt Vertrauen, weil die Gemeinde als verlässlicher Absender erlebbar bleibt und in verlässlichen Betriebs- und Supportstrukturen mit verwaltungsnaher Fachkompetenz verankert ist.
- KI als Verständlichkeits- und Entlastungsschicht steuern. KI-Anwendungen sollten dort eingesetzt werden, wo sie Kapazität schaffen und Inklusion erhöhen: Zusammenfassungen, Strukturhilfen, barriereärmere Sprache, Dokumentenerklärer und mehrsprachige Auskünfte. Voraussetzung sind definierte Wissensquellen (single source of truth), Protokollierung, klare Verantwortlichkeit und human in the loop.
- Dritt-Content integrieren – aber kuratiert. Wenn Inhalte von Vereinen, Betrieben oder aus ausgewählten Medien/Social Media gebündelt werden, braucht es Regeln (Kennzeichnung, Auswahl, Moderation, Beschwerdewege). Integration wirkt dann als Vertrauensgewinn und nicht als Kontrollverlust.
- Auf Standardsoftware mit Branchenlogik setzen – konfigurieren statt neu entwickeln. Gemeinden sollten Kommunikation und Publikationspflichten nicht „von null“ auf Einzeltools oder Eigenentwicklungen aufbauen. Standardisierte, weiterentwickelte Branchenlösungen mit Schnittstellen, Rollen-/Freigabelogik und Barrierefreiheits-Standards reduzieren Betriebsrisiken und sichern Aktualisierbarkeit bei neuen Vorgaben.
Literatur
Börnard, Frank (2022): Strategische kommunale Kommunikation. Herausforderungen und Chancen beim Systemwechsel von Push- zu Pull-Kommunikation. Masterarbeit. Kaiserslautern: RPTU. URL: https://kluedo.ub.rptu.de/files/7142/_DISC+OK+Masterthesis.pdf [22.02.2026].
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Bundeskanzleramt (2025b): Nationaler strategischer Fahrplan für die Digitale Dekade – Aktualisierung 2024. Wien. URL: https://bundeskanzleramt.gv.at/dam/jcr:798d7b04-de6b-4479-aa76-3b210565725d/nationaler-strategischer-fahrplan-fuer-die-digitale-dekade-3-2025-bf.pdf [22.02.2026].
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Initiative D21/Technische Universität München (2025): eGovernment MONITOR 2025. Nutzung und Akzeptanz digitaler Verwaltungsleistungen aus Sicht der Bürgerinnen.* Berlin/München. URL: https://initiatived21.de/uploads/03_Studien-Publikationen/eGovernment-MONITOR/2025/eGovMon2025_final.pdf [22.02.2026].
Marent, Benjamin (2011): „Partizipation als Strategie der Bewältigung der Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation“. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 36(1), S. 48–64.
Riedl, Andreas/Maurer, Peter/Mühl, Birgit (2018): „Anpassung an die Medienlogik? Eine Untersuchung politischer Kommunikationsstrategien von Akteur:innen aus Deutschland und Österreich“. Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft 47(1), S. 1–16.
Statistik Austria (2025): Österreichs Bevölkerung wächst nur durch Zuwanderung. Pressemitteilung vom 16.07.2025. Wien. Online-Ressource, abgerufen am 23.02.2026.
Statistik Austria (2026): Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit/Geburtsland. Statistische Datenbank/Tabellenansicht, erstellt am 09.02.2026. Wien. Online-Ressource, abgerufen am 23.02.2026.

