Innerstädtische Begrünung in Wien: Bäume sorgen für Kühlung und dienen als Wasserspeicher.
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Umwelt
Blau-grüne Infrastruktur: Mehr als nur Bäume und Bäche
Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hitzeperioden und Trockenphasen werden häufiger. Für Städte und Gemeinden steigen damit die Herausforderungen. Klassische technische Infrastrukturen stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Eine Fachtagung des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands (ÖWAV) hat gezeigt, wie blau-grüne Infrastruktur (BGI) konkrete Lösungen bieten kann.
Blau-grüne Infrastruktur kombiniert wasserwirtschaftliche und vegetative Elemente. Ziel ist es, natürliche Prozesse gezielt zu nutzen und die Widerstandsfähigkeit von Siedlungsräumen zu stärken. Konkrete Maßnahmen sind etwa Regenwassergärten, begrünte Dächer, Entsiegelungen und multifunktionale Retentionsflächen. Sie halten Niederschlagswasser zurück, fördern die Versickerung und erzeugen Kühlungseffekte. BGI wirkt aber auch im Verborgenen: Wasser wird unterirdisch gespeichert, um Kanalisationen zu entlasten, Überschwemmungen vorzubeugen und Reserven für Hitzeperioden zu sichern.
Beispiele aus ganz Österreich
Die Tagung unter dem Titel „Blau-grün konkret – Impulse aus der Praxis" rückte realisierte Projekte in den Mittelpunkt. Rund 80 Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Planung, Wissenschaft und Praxis tauschten sich über Umsetzungsstrategien aus. Präsentiert wurden Projekte aus dem urbanen wie auch aus dem ländlichen Raum.
In Wien zeichnet sich die Praterstraße durch einen explizit blau-grünen Ansatz mit Schwammstadt-Elementen aus. Das Neustadtviertel in Linz wurde mit Bäumen, Pflanzbetten und verbesserter Regenwasserversickerung neu gestaltet. In Villach bildet der baumbestandene und unterirdisch nach dem Schwammstadtprinzip umgebaute Hauptplatz eine „Grüne Achse“. Auch in kleineren Gemeinden wie Hohenruppersdorf in Niederösterreich wird das „Schwammdorf“-Prinzip bereits umgesetzt.
Investition statt Schadenskosten
ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch betonte auf der Tagung den Mehrwert von BGI: „Es geht dabei um den Schutz vor Überflutung durch Wasserrückhalt und Versickerung, um die Reduktion von Hitzeeffekten durch Verdunstung und Beschattung, aber auch um die Stabilisierung des Wasserhaushalts in Trockenzeiten sowie die Förderung der Biodiversität und unserer Lebensqualität.“
Resch verwies auch auf die wirtschaftliche Seite: „Die Kosten für Klimaschäden durch Extremwetter übersteigen die Investitionen in präventive Maßnahmen immer öfter.“ BGI sei daher eine vorausschauende Investition in resiliente und lebenswerte Räume.
Was Gemeinden jetzt brauchen
Der ÖWAV forderte im Rahmen der Tagung einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Wasser: weg von der schnellen Ableitung, hin zu Rückhalt, Nutzung und Versickerung. Dafür brauche es die verbindliche Verankerung von BGI in Raumplanung und Bauvorschriften, langfristig gesicherte Finanzierungsmodelle sowie klare rechtliche Rahmenbedingungen. Ebenso notwendig sei die gezielte Bewusstseinsbildung in Politik, Verwaltung und Bevölkerung.