Blick in eine Wasserversorgungsanlage
Blick in eine Wasserversorgungsanlage: Über Rohrleitungen und Pumpen wird das geförderte Grundwasser in das kommunale Versorgungsnetz eingespeist.
© Stadtwerke AmstettenGmbH

Vom Brunnen bis zum Wasserhahn

Wir drehen den Wasserhahn auf und klares, sauberes Trinkwasser fließt. Was für uns selbstverständlich ist, setzt eine komplexe Infrastruktur voraus. Lange, bevor das Wasser im Glas landet, wurde es gefördert, teilweise aufbereitet, gespeichert und über ein weit verzweigtes Leitungsnetz transportiert.

Niederösterreich ist in der glücklichen Lage, dass es über ausreichende Wasserreserven verfügt. Der gesamte Trinkwasserbedarf kann – auch zukünftig – aus Grund- und Quellwasser abgedeckt werden. Besonders ergiebig sind die großen Grundwasservorkommen entlang der Donau und der Voralpenflüsse sowie in den Nördlichen Kalkalpen. Aus diesen Gebieten, die rund ein Drittel der Landesfläche umfassen, werden rund 80 Prozent des Trinkwassers gewonnen. 

Der jährliche Gesamtverbrauch an Trink- und Nutzwasser beträgt in Niederösterreich derzeit ca. 260 Millionen Kubikmeter. Zusätzlich werden rund 60 Millionen Quadratmeter nach Wien und in das Burgenland abgegeben. Demgegenüber steht derzeit eine nutzbare Grundwassermenge von ca. 880 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

Das kommunale Wasserwerk

Am Beginn steht die Ressource Wasser selbst. Niederschläge versickern, werden auf natürliche Weise gefiltert und sammeln sich in wasserführenden Bodenschichten. Über Brunnen wird das Grundwasser erschlossen und mithilfe leistungsfähiger Pumpen an die Oberfläche befördert. Je nach natürlicher Beschaffenheit kann es unmittelbar als Trinkwasser geeignet sein, was in Niederösterreich zu 90 Prozent der Fall ist, oder es muss aufbereitet werden. 

Von der Quelle und der Pumpe – dem Wasserwerk – wird das Trinkwasser häufig direkt über das Leitungssystem zu den Verbrauchern transportiert, ein Teil wird in Hochbehältern zwischengespeichert. Neben seiner Speicherfunktion gleicht ein Hochbehälter auch Schwankungen zwischen Förderung und Verbrauch aus. 

Während das Wasser aus den Brunnen gleichmäßig gefördert wird, schwankt der Verbrauch im Tagesverlauf erheblich. Der Hochbehälter übernimmt hier eine Pufferfunktion. Gleichzeitig kann seine erhöhte Lage dafür sorgen, dass das Wasser mit ausreichendem Druck durch das Leitungsnetz fließt. Reicht der Druck nicht aus, werden Drucksteigerungsanlagen in die Leitungssysteme eingebaut.

Der Amstettener Wasserschatz

Wenn es um kommunale Wasserwerke geht, ist Wolfgang Hackl, der gewerberechtliche Geschäftsführer der Wasserwerke Amstetten GmbH, einer von zahlreichen Wasserexperten in Niederösterreich: „In Amstetten sind wir in der glücklichen Lage, dass unsere Grundwasservorkommen Trinkwasserqualität haben“, berichtet der ausgebildete Wassermeister. Am Beispiel der westlichen Bezirkshauptstadt wird klar, welch wertvoller Schatz sich im niederösterreichischen Untergrund befindet: „Die Wasserversorgung von Amstetten wird primär durch drei regionale Trinkwasserfelder gesichert, aus denen rund 85 Prozent des Gesamtwasserbedarfs gewonnen werden. Zusätzlich sind sechs vollautomatische Pumpwerkanlagen im Einsatz, die Grund- bzw. Quellwasser fördern“, berichtet Hackl stolz.

Wolfgang Hackl
Wolfgang Hackl, Gewerberechtlicher Geschäftsführer der Wasserwerke Amstetten GmbH: „Es ist unbestritten, dass sich der Klimawandel auf die Grundwasservorkommen auswirkt.“ Foto: Agentur-und-Punkt

Versorgungsstrukturen: Der Weg des Trinkwassers

Das Trinkwasser legt in Niederösterreich, je nach Region und Herkunft, unterschiedlich viele Kilometer durch Transport- und Ortsleitungen zurück, bevor es aus dem Wasserhahn sprudelt. 

Das öffentliche Leitungsnetz umfasst rund 21.000 Kilometer Rohrleitungen, rund 3.300 Kilometer davon werden von der EVN Wasser, dem größten Wasserversorger Niederösterreichs, betrieben. Die örtliche Wasserversorgung läuft in der Regel direkt über die Gemeinden oder regionale und überregionale Wasserverbände. Ein geringer Teil der Bevölkerung, vor allem im ländlichen Raum, versorgt sich über eigene Brunnen oder Quellfassungen.

Das Beispiel Amstetten beeindruckt mit mächtigen Zahlen: Die Wasserwerke versorgen mit ca. 6.300 Hausanschlüssen rund 25.500 Bewohnerinnen und Bewohner. Dafür ist ein Transport- und Versorgungsnetz von knapp 280 km Länge nötig, Hausanschlüsse nicht mitgerechnet.

Einwandfreies Trinkwasser ist nicht selbstverständlich

Am Ende steht der tägliche Griff zum Wasserhahn. Dass aus ihm jederzeit sauberes Trinkwasser fließt, erscheint selbstverständlich, ist es aber nicht. 

„Es ist unbestritten, dass sich der Klimawandel auf die Grundwasservorkommen auswirkt. Wir sind in unserem Land in der glücklichen Lage, über genügend Kapazitäten zu verfügen, um eine Trockenperiode, wie wir sie derzeit erleben, gut handhaben zu können. Trotzdem müssen wir uns der Tatsache stellen, dass Trinkwasser kein unendliches Gut ist“, wirft Wolfgang Hackl einen abschließenden Blick in die Zukunft. 

Trinkwasser-Notfallversorgung

Die Trinkwasser-Notfallversorgung wird im Krisen- oder Katastrophenfall von den Gemeinden, den Wasserversorgern und den Einsatzorganisationen wie der Feuerwehr koordiniert. 

Wasserreserven werden in den Hochbehältern vorgehalten. Ein flächendeckendes Hydrantennetz sorgt dafür, dass dem öffentlichen Trinkwassernetz rasch und unproblematisch Wasser entnommen werden kann, im Brandfall beispielsweise als Löschwasser. 

Um kurze Trinkwasser-Ausfälle überbrücken zu können, werden auch private Haushalte angehalten, vorzusorgen. 
Empfohlen werden zwei Liter Trinkwasser pro Person und Tag.

Der Beitrag erschien in der NÖ Gemeinde 9/2026.