Kommunikation
Gegenöffentlichkeiten auf regionaler Ebene? Chancen und Risiken lokaler Alternativmedien
Die Digitalisierung hat zu einem Aufschwung sogenannter Alternativmedien geführt. Auch im lokalen und regionalen Bereich gibt es viele Angebote, die sich von der etablierten Medienlandschaft bewusst abgrenzen. In Österreich reicht das Feld von Straßenzeitungen in den Bundesländern und regionalen Community-Sendern, über parteinahe Publikationen bis hin zu lokal ausgerichteten Medien-Startups. Letztere existieren bislang aber bloß in geringem Ausmaß, weshalb der österreichische Lokaljournalismus aus Sicht der Forschung sein Potenzial nicht ausschöpft.
Dieser Beitrag bietet einen Überblick zur historischen Entwicklung und aktuellen Situation lokal ausgerichteter „Alternativmedien“ in Österreich. Zudem werden die Herausforderungen analysiert, die solche Medienprojekte für die Gemeinden mit sich bringen.
Infolge des digitalen Wandels steht der Lokaljournalismus weltweit unter Druck. Schon seit vielen Jahren kämpfen regional oder lokal ausgerichtete Medienunternehmen mit rückläufigen Werbeerlösen, sinkenden Auflagen und mangelnden personellen Ressourcen. In den USA haben seit 2005 rund 40 Prozent der Lokalzeitungen ihren Betrieb eingestellt (vgl. Metzger 2025); bei einigen US-Regionen spricht man mittlerweile gar von „Nachrichtenwüsten“ (z.B. Abernathy 2023). Aber auch in EU-Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland ist ein erheblicher Rückgang von Zeitungen in ländlichen Gebieten feststellbar (vgl. Wellbrock/Maaß 2024). Mit dem Erstarken autoritärer Kräfte sind außerdem vor allem Lokaljournalist:innen bei ihrer Arbeit zunehmend (körperlichen) Angriffen ausgesetzt, wie das derzeit etwa in ostdeutschen Bundesländern der Fall ist (vgl. Krell et al. 2025).
In Österreich erweist sich die aktuelle Situation von Lokalmedien als differenzierter. Obwohl auch hier mittlerweile zahlreiche Titel eingestellt wurden, existieren nach wie vor verhältnismäßig viele Publikationen mit regionaler Ausrichtung. Ein wesentlicher Grund dafür liegt am Gratiszeitungswochenkonzern RegionalMedien Austria, der aktuell über 100 lokale Zeitungs- und Online-Ausgaben herausbringt (vgl. Vonbun-Feldbauer et al. 2020: 84 f.). Der seit 2009 bestehende Medienkonzern hat die Digitalisierung bislang wohl auch deshalb überstanden, weil er neben Werbegeldern staatliche Fördermittel erhält (vgl. Kaltenbrunner et al. 2025). Dennoch mussten auch die RegionalMedien erst im vergangenen Jahr ein Sparprogramm schnüren, was mit einem Personalabbau einherging (vgl. Binder 2025).
Abgesehen davon existieren in Österreich bislang nur wenige Lokalmedien, die auf neue Geschäftsmodelle und damit innovative Lösungen setzen, etwa durch serviceorientierte Inhalte, partizipative Formate oder Membership-Konzepte (vgl. Roither et al. 2022: 65–70). Die geringe Anzahl solcher Projekte ist insofern paradox, als gerade dem innovativen Lokaljournalismus in Zeiten der Medienkrise ein Wachstumspotenzial nachgesagt wird (vgl. Malik/Sharma 2025; García-Avilés/Lugschitz 2022). Stattdessen nutzen politische Parteien hierzulande vermehrt eigene Kanäle, um ihre Positionen ungefiltert bzw. ohne journalistische Einordnung an die Bevölkerung zu vermitteln (vgl. Plaikner 2025). Werfen wir daher einen Blick auf die Entwicklung und Herausforderungen lokaler „Alternativmedien“ in Österreich.
Was sind lokale Alternativmedien?
In der Regel beanspruchen neue Lokalmedien für sich, eine fehlende Berichterstattung vor Ort abzudecken oder zu ergänzen, weshalb sie eine Art Gegenöffentlichkeit schaffen (vgl. Möhring/Keldenich 2018: 198). Derartige Projekte gelten in der Kommunikationsforschung als Alternativmedien, wobei der Begriff im Laufe der Geschichte auf ganz unterschiedliche Publikationen angewandt wurde.
Ursprünglich waren alternative Medien eng mit den sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts verbunden, etwa der Studierenden- oder Anti-AKW-Bewegung, die als Opposition zur bürgerlichen Presselandschaft auftraten. Jene Alternativmedien existierten vor allem im lokalen Bereich, z.B. durch die „Stattzeitungen“ in westdeutschen Hochschulstädten oder illegale Radiosender (vgl. Hooffacker/Lokk 2009: 28–31). Auch in Österreich entstanden viele „Medienprojekte von unten“, die Forschende den Alternativmedien zurechnen (siehe in: Hüttner et al. 2011, S. 198–203).
Österreichische Beispiele auf lokaler Ebene finden wir in Form gesellschaftskritischer Straßenzeitungen in den Bundesländern, die seit den 1990er-Jahren in Hauptstädten von Menschen in sozialer Not verkauft werden, darunter das Megaphon (Graz), der AUGUSTIN (Wien) und die 20er – Tiroler Straßenzeitung (Innsbruck). Mit dem Wegfall des Rundfunkmonopols kam es Ende des 20. Jahrhunderts auch zur offiziellen Errichtung nichtkommerzieller Lokalradios, von denen einige zuvor als „Piratensender“ aktiv gewesen waren.
Im ländlichen Bereich gingen u.a. das Freie Radio Salzkammergut (Bad Ischl), Radio FREEQUENNS (Ennstal), radioYpsilon (Hollabrunn) oder Proton (Dornbirn) auf Sendung. Insgesamt existieren in Österreich heute 14 Freie Radios, die sich primär über den Nichtkommerziellen Rundfunkfonds finanzieren. Zudem starteten ab den 2000er-Jahren in drei Bundesländern sogenannte Community-TVs, deren Inhalte überwiegend von Laien bzw. Bürger:innen produziert werden, konkret OKTO (Wien), DORFTV (Oberösterreich) und FS1 (Salzburg) (vgl. Schwarzwald 2024).
Mit der Digitalisierung und dem Aufstieg von Social Media wurde jedoch der Begriff „Alternativmedium“ schrittweise von extrem rechten Akteur:innen vereinnahmt. Speziell in Oberösterreich entstanden ab 2015 einschlägige Publikationen, die gegen den „Mainstream“ agitierten und zudem in einem Naheverhältnis zur FPÖ standen (vgl. Quatember 2018).
Ein Beispiel hierfür war der Wochenblick, eine Wochenzeitung mit Sitz in Brunnenthal und zunächst regionaler Ausrichtung, die auch in ihrer Aufmachung einen „altbackenen Lokalzeitungsstil“ pflegte (Weidinger 2021: 266). Für den lokalen Bereich ist ebenfalls der oberösterreichische Fernsehkanal RTV anzuführen, der sich vom ursprünglich neutralen Regionalsender während der Corona-Pandemie für verschwörungsideologische Positionen öffnete und heute mit dem rechtsextremen Onlinekanal AUF1 aus Linz kooperiert. Auch in Graz existiert mit Freilich ein einschlägiges Magazin, das sich aber wie viele FPÖ-nahe Medien zusehends auf den deutschen Leser:innenmarkt konzentriert (vgl. DÖW 2025: 120 f.).
Alternative Medien haben im 21. Jahrhundert somit einen gewissen Bedeutungswandel erfahren. Während sie früher noch mit Eigenschaften wie Herrschaftskritik, flachen Hierarchien und Partizipation positiv konnotiert waren, assoziieren viele heute den Begriff mit der radikalen Rechten (vgl. Hooffacker 2020). Die Kommunikationsforschung plädiert inzwischen für ein nicht-ideologisches und relationales Verständnis von Alternativmedien, deren Abgrenzung zu den „Mainstream-Medien“ sich auf verschiedenen Ebenen ausdrücken kann.
Bei der Lokalberichterstattung umfasst das z.B. abweichende ortsspezifische Themensetzungen (Mikroebene), eine stärkere Einbindung der Bürger:innen in den redaktionellen Prozess (Mesoebene) oder eine oppositionelle Haltung zur etablierten Lokalpresse als Ganzes (Makroebene). Im Ergebnis sind etablierte und alternative Medien kein streng dichotomer Gegensatz, sondern entlang eines dynamischen Kontinuums zu sehen (vgl. Holt et al. 2019).
Innovativer Lokaljournalismus in Österreich?
Regional oder lokal ausgerichtete Alternativmedien, die eine neue Zielgruppe erschließen bzw. erfolgreiche Geschäftsmodelle entwickeln, gelten heute meist als innovativ (vgl. Roither et al. 2022: 60–65). Aber gibt es in Österreich überhaupt diesbezügliche Beispiele?
Das Online-Portal meinbezirk.at der eingangs erwähnten RegionalMedien Austria bietet neben redaktioneller Berichterstattung seinen Leser:innen auch die Möglichkeit, als sogenannte Regionauten eigene Artikel zu publizieren. Diesen partizipativen Ansatz einer „Bürgerjournalismus-Plattform“ finden wir bei vielen Lokalmedien im deutschsprachigen Raum vor (vgl. Möhring/Keldenich 2018: 192 f.). Allerdings handelt es sich bei den RegionalMedien um ein Joint Venture zweier großer Verlagshäuser (Styria Media Group; Moser Holding), das sich hauptsächlich über Anzeigenerlöse finanziert und als Teil der etablierten Medienlandschaft Österreichs gilt. Umso schwieriger erweist sich hierzulande die Suche nach lokalen Medien-Startups, die auf diversifizierte Angebote setzen wie Membership-Pakete, Crowdfunding, multimediale Formate oder Events (vgl. Pollock 2025).
Ein in der Öffentlichkeit häufig genanntes Beispiel ist das 2010 gegründete Dolomitenstadt mit Sitz in Lienz, das mittlerweile ausschließlich online erscheint. Das Magazin berichtet grundsätzlich kostenlos, bietet aber zusätzlich ein kostenpflichtiges Angebot für investigative Recherchen, Videoreportagen u.ä. („Freemium“-Ansatz). Trotz eines regionalen Fokus auf Osttirol erzielt die Website von Dolomitenstadt mit derzeit ca. 163.000 monatlichen User:innen eine beachtliche Reichweite, was auch an der starken Einbeziehung der Community vor Ort liegen dürfte, z.B. durch einen Kleinanzeiger und Event-Kalender für die Region. Von Beginn an betreibt das Magazin einen YouTube-Kanal mit derzeit über 11.000 Abonnent:innen und seit 2021 auch einen eigenen Podcast. Vergangenes Jahr wurde Dolomitenstadt mit dem Walther Rode-Preis ausgezeichnet als „Pionierprojekt für neuen, regionalen Onlinejournalismus, der unabhängig von Politik und den etablierten, starken Mediengruppen Impulse für die Communities setzt“ (Medienhaus Wien 2025).
Ein junges innovatives Projekt ist das Onlinemedium Zwischenbrücken, das seit März 2025 über die Wiener Bezirke Leopoldstadt und Brigittenau informiert und hierfür professionelle Journalist:innen beschäftigt. Neben seiner hyperlokalen Ausrichtung thematisiert Zwischenbrücken auch die Auswirkungen größerer (inter)nationaler Ereignisse auf die Lebenssituation der Bezirksbewohner:innen. Zur Einbindung der Community findet sich auf der Website u.a. ein „Postkasten“ für Anregungen oder Fragen, daneben organisiert das Medium Veranstaltungen zu lokalspezifischen Missständen und Führungen durch die Bezirke für seine Mitglieder. Obwohl die langfristige Finanzierung von Zwischenbrücken noch ungewiss scheint, hat das Medium in verhältnismäßig kurzer Zeit Reichweite auf Social Media aufgebaut und mehrere Investigativ-Recherchen mit lokalem Fokus produziert, die auch von etablierten Massenmedien aufgegriffen wurden.
Zudem kooperiert Zwischenbrücken seit kurzem mit dem Podcast Nord.Post, der seit 2020 monatliche Einblicke in das Wiener Nordbahnviertel liefert. Im Vergleich zu Deutschland scheint auch im Bereich von lokal oder regional ausgerichteten Podcasts für Österreich noch viel Luft nach oben (vgl. dazu Wild/Wild 2022). Ein erwähnenswertes Projekt ist hier der Wiener Reportage-Podcast Inselmilieu. Der Wiener Reportage-Podcast, der sich wenig beachteten Orten und Menschen in Wien erzählerisch widmet, etwa der FKK-Szene in der Lobau oder dem Böhmischen Prater. Dabei verfolgt Inselmilieu einen multimedialen Ansatz, indem es neben den Podcast-Folgen auch Fotoreportagen oder Event-Formate anbietet, um seine Community zu erreichen. Im Jahr 2021 wurde Inselmilieu für eine seiner Folgen mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Preis in der Kategorie Online/Multimedia ausgezeichnet.
Schließlich startete in diesem Jahr mit ganzgraz noch ein neues digitales Lokalmedium für Graz. Hinter dem Projekt steht eine größere Anzahl jüngerer Medienschaffender, die derzeit ehrenamtlich arbeiten und eine ebenso junge Zielgruppe wie etwa Studierende ansprechen wollen. Das Angebot von ganzgraz umfasst einen kostenlosen Newsletter, der vier Mal wöchentlich erscheint und relevante Tagesberichterstattung in persönlicher bis verspielter Aufmachung einordnet. Hinzu kommen eigene Veranstaltungsreihen, die erste fand unter dem Titel „Im Lokal der Wahl“ mit den Spitzenkandidat:innen der Gemeinderatswahlen in einem jeweils bevorzugten Gasthaus statt. Die redaktionelle Arbeit scheint vorerst bis Ende 2026 gesichert und soll langfristig über ein von der Community getragenes Spendenmodell finanziert werden. Hierfür ist ganzgraz als erstes österreichisches Medium Teil des Schweizer Netzwerks We Publish, das speziell innovative Lokalmedien im Aufbau unterstützt bzw. ihnen eine digitale Infrastruktur bietet.
Ein weiteres Indiz, dass innovativer Lokaljournalismus in Österreich zurzeit eine Ausnahmeerscheinung darstellt, ist die bisherige Fördervergabe des Media Forward Funds. Es handelt sich dabei um einen 2024 von zahlreichen Stiftungen initiierten Fonds für Journalismusförderung im gesamten DACH-Raum. Unter den ersten acht Partner:innen aus der allgemeinen Förderlinie finden sich gleich fünf Projekte aus Deutschland und der Schweiz mit (hyper)lokaler Ausrichtung, die aus Sicht der Jury auf einem nachhaltigen Geschäftsmodell basieren. Obwohl mit Dossier und anderseits auch schon zwei österreichische Medien gefördert wurden, sind diese überregional ausgerichtet (Stand: März 2026). Da der Media Forward Fund hohe Anforderungen an seine Förderwerbenden stellt, v.a. was deren Organisationsform betrifft, müssen die genauen Gründe für die bloß geringe Anzahl österreichischer Förderprojekte offenbleiben.
Herausforderungen für die Gemeinden?
Eine Zunahme lokaler Alternativmedien birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Denn der Anstieg von (vermeintlichen) Nachrichtenseiten, Blogs oder YouTube-Formaten führt regelmäßig zu Abgrenzungsschwierigkeiten, ob man es mit einem seriösen Angebot zu tun hat oder nicht. Das stellt auch die Bundesländer und Gemeinden vor Herausforderungen, etwa was Interviewanfragen oder Inserate der öffentlichen Hand betrifft. So sorgte es 2018 für Aufsehen, dass die städtische Linz AG rund 7.000 Euro an den umstrittenen Wochenblick überwies und auch ein FPÖ-Landesrat dort mit Steuergeldern inserierte (vgl. Winter 2018). Der frühere Vorsitzende der SPÖ Tirol musste sich öffentlich distanzieren, nachdem er dem rechtsextremen Magazin Info-DIREKT ein Interview gegeben hatte (vgl. Puschautz 2019). Solche Gefahren bestehen speziell für kommunale Einrichtungen und Politiker:innen, die meistens nicht über eine professionelle PR-Abteilung verfügen, welche die Herkunft eines Mediums schon im Vorfeld überprüft.
Umso mehr ist es erforderlich, in den Gemeinden ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was seriöser (Lokal-)Journalismus ist. Zentral ist dabei die Einhaltung anerkannter Grundsätze der journalistischen Praxis. Dazu zählen das Prinzip einer sorgfältigen Quellenrecherche, die Trennung von Bericht und Kommentar, die Möglichkeit zur Stellungnahme bei Beschuldigungen, die Wahrung von Persönlichkeitsrechten oder ein Verzicht auf diskriminierende Darstellungen. In Österreich sind diese Grundsätze im Ehrenkodex für die österreichische Presse festgelegt, über deren Einhaltung der Österreichische Presserat als Selbstkontrollorgan der Branche wacht (vgl. Warzilek/Paulitsch 2022). Ein gewichtiger Anhaltspunkt für Gemeinden besteht somit darin, ob sich das konkrete Medium öffentlich gewillt zeigt, die berufsethischen Regeln jenes Ehrenkodex zu befolgen – unabhängig davon, ob es sich um ein Mainstream- oder Alternativmedium handelt.
Weitere Anhaltspunkte dafür, dass man es mit einem journalistischen Medium zu tun hat, ergeben sich anhand seiner Belegschaft und Organisation, beispielsweise was die Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft betrifft (vgl. Paulitsch/Loudon 2025: 26). Für kommunale Institutionen und Politiker:innen besteht insbesondere keine Verpflichtung, mit solchen Medienprojekten zu kooperieren, die erkennbar die Grundwerte einer liberalen Demokratie ablehnen oder im Interesse autoritärer Kräfte im Ausland agieren. In dem Zusammenhang ist noch der Begriff des gemeinwohlorientierten Journalismus zu erwähnen, von dem auch bei innovativen Lokalmedien zusehends die Rede ist. Im Kern geht es dabei um die demokratiepolitische Aufgabe von Journalismus, die das einzelne Medium nachvollziehbar und transparent vor die Absicht etwaiger Gewinne stellt (vgl. Presseclub Concordia 2026: 23–29).
Ausblick
Es steht außer Zweifel, dass unabhängiger Lokaljournalismus essenziell für die liberale Demokratie ist. Internationale Studien zeigen uns, dass ein Verschwinden lokaler Medien zu einer geringeren Wahlbeteiligung (vgl. Hayes/Lawless 2018; Kübler/Goodman 2019) und einer wachsenden Polarisierung auf Gemeindeebene führt (vgl. Darr et al. 2018; Ellger et al. 2024). Auch erhöht sich das Risiko, dass kommunale Politiker:innen oder Unternehmen vor Ort verantwortungslos agieren bzw. korruptionsanfällig werden, was insgesamt dem Gemeinwesen schadet (vgl. Matherly/Greenwood 2021; Heese et al. 2022; Jiang/Kong 2024).
Durch fehlenden Lokaljournalismus entsteht außerdem eine Lücke, die von hyperparteiischen „Alternativmedien“ gefüllt werden kann (vgl. Braun 2025). Ein solches Szenario ist auch für Österreich nicht auszuschließen, wie wir in diesem Kapitel aufgezeigt haben.
In Zukunft muss daher der gesellschaftliche Konsens gestärkt werden, unabhängigen und innovativen Lokaljournalismus in Österreich nachhaltig abzusichern. Das betrifft einerseits die Bereitschaft aller Bürger:innen, für seriösen Journalismus vor Ort zu bezahlen, etwa durch ein Abonnement oder freiwillige Spenden. Anderseits haben auch kommunale Politiker:innen und Unternehmen der jeweiligen Region eine Verantwortung, unabhängigen Lokalmedien den Rücken zu stärken, sei es durch eine Kommunikationsbereitschaft oder gegebenenfalls eine finanzielle Unterstützung durch Werbeschaltungen. Und auf übergeordneter Ebene benötigt es eine Medienpolitik, die neben etablierten Verlagshäusern auch lokalen Medien-Startups eine transparente Fördermöglichkeit bietet. In Wien gibt es mit der Wiener Medieninitiative zumindest ein Förderprogramm, das gezielt journalistische Innovation auf Projektbasis fördert. In den anderen Bundesländern fehlt bis dato eine vergleichbare Journalismusförderung (vgl. Kaltenbrunner et al. 2025).
Literatur
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