Auf Metall- und Kunststoffoberflächen hält sich das Coronavirus am längsten. Neben Türklinken, Druckknöpfen und Ähnlichem sollte man aber auch das Handydisplay als möglichen Überträger bedenken und regelmäßig reinigen.
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Wie infektiös ist das Coronavirus?

25. März 2020
Abstand halten & Hände waschen! Das sind die beiden wichtigsten Regeln, die wir verinnerlicht haben und die der allergrößte Teil von uns auch sehr sorgsam befolgt. Es gibt aber noch weitere Regeln, und bei einer davon hapert es mit der Selbstdisziplin ganz besonders – nämlich bei der, sich nicht ins Gesicht zu greifen.

Freilich missachten wir diese Regel nicht bewusst, sondern sind Opfer unserer Automatismen. Dennoch und gerade deshalb ist es umso wichtiger, sich ihre Sinnhaftigkeit vor Augen zu führen, denn neben der Tröpfcheninfektion ist auch eine Schmierinfektion möglich, und die läuft zumeist so ab, dass das Virus von den Händen über eine Eintrittspforte am Kopf (hauptsächlich über den Mund, aber auch über Nase oder Augen) den Weg in den Körper findet.    

Wie lange das Virus auf Oberflächen bleibt, variiert. „Wenn man in die Hand hustet oder niest und dann eine Türklinke oder sein Telefon anfasst und weiterreicht, kann das Virus so übertragen werden“, meint der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Christian Lindmeier.

Der Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in Wien, Christoph Wenisch präzisiert das: Es gehe um die Tenazität, also die Widerstandsfähigkeit eines Mikroorganismus (z. B. eines Virus) gegenüber äußeren Einflüssen. Diese sei abhängig von Material, Temperatur und (Luft-)Feuchtigkeit. Verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, was die Dauer betrifft, die das Virus auf Oberflächen aktiv ist.

Tagelange Corona-Infektionsgefahr auf Metall, Glas oder Kunststoff 

Eine Untersuchung zweier deutscher Universitäten hat im Februar ergeben, dass das neuartige Coronavirus auf Oberflächen aus Metall, Glas oder Kunststoff bis zu neun Tage überleben kann. Eine aktuelle Studie aus den USA hingegen kommt zu dem Schluss, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 auf Kunststoff und Edelstahl bis zu 72 Stunden überlebt- also nur bis zu drei Tage.

Einig sind sich die bisherigen Forschungsergebnisse jedenfalls darin, dass Plastik- und Metalloberflächen das Virus am längsten überleben lassen.

„Wenn sie sich also, nachdem sie eine Türschnalle angegriffen haben, in den Mund fahren, können sie sich infizieren“, warnt Wenisch und empfiehlt dringend, den Mund und das Gesicht in Ruhe zu lassen.

Achtung beim Handydisplay

Übrigens fühlt sich das Coronavirus auch auf Handydisplays sehr wohl. Achten Sie daher besonders darauf, ob Sie das Smartphone auch benutzen, wenn ihre Hände möglicherweise kontaminiert sind und die Viren durch diese Ausweichroute selbst das gründlichste Händewaschen überleben.   

Lange Inkubationszeit bei Corona

Wie leicht man sich den Covid-19-Erreger einfängt, ist umstritten. Anfangs war medial zu vernehmen, er wäre rund 30  Prozent effektiver in der Übertragung als Grippe.

Die Virologen Alexander Kekulé und Martin Hoch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hingegen sagen, das Coronavirus sei nicht so infektiös wie Influenza oder Masern.

Das Perfide an Corona ist jedenfalls die Inkubationszeit, während der die Infizierten, ohne es zu ahnen, das Virus weiterverbreiten. Bei der Grippe dauert diese nur ein bis zwei Tage, während sie bei Covid-19 zwischen zwei und 14 Tagen liegen kann, zumeist aber circa fünf bis acht Tage dauert. Hinzu kommt, dass vier von zehn Infizierten überhaupt keine Symptome zeigen. Sie  erkranken also nicht, dennoch verbreiten auch sie die Viren so lange, bis sie Antikörper dagegen entwickelt haben - etwa sieben bis zehn Tage lang.

Geringe Gefahr in der Luft durch Corona

Eine Übertragung des Virus durch die Luft ist laut Wenisch relativ unwahrscheinlich. „Zwei bis drei Stunden hält sich das Virus maximal in der Luft. Wenn jemand auf der Straße vor Ihnen hustet und Sie laufen genau in dessen Husten hinein, ist eine Infektion möglich, ansonsten aber verbläst es der Wind.“

Einen Mundschutz zu tragen, sei für Infizierte insofern sinnvoll, da dieser die Viren am weiten Ausschleudern hindert, für Gesunde allerdings ergebe es keinen Sinn, einen zu tragen.

Der häufigste Weg einer Infektion bleibt die Weitergabe über Tröpfchen. Deshalb empfiehlt Wenisch, virtuell statt real zu netzwerken und natürlich Abstand zu halten, denn „mehr als zwei Meter hat niemand eine feuchte Aussprache“.