Corona-Impfung in den Arm
Die Impfstoffforschung kurz erklärt

Wie der Zeitfaktor die Corona-Impfstoffforschung pusht

In Zeiten von Corona hat der omnipräsente Zeitfaktor die Vorstellung von wissenschaftlichen Vorgehensweisen auf den Kopf gestellt. Die Suche nach einem rettenden Impfstoff hat bis dato noch nie da gewesene Dimensionen erreicht.

Weltweit fürchten die Menschen einen weiteren Lockdown. Einen Shutdown wie im Frühjahr wünschen sich weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber. Darum wird weltweit förmlich ein Impfstoffwettlauf betrieben.

Zeit, die wir wegen CoVid-19 nicht haben

Viele Bürger haben bis vor dem Ausbruch der verheerenden Pandemie noch die Auffassung vertreten, dass ernsthafte Impfstoffforscher mehrere Jahre benötigen, bevor ein wirksamer Impfstoff auf den Markt gelangen kann. Der Unmut der Bevölkerung ist erklärbar, sehnt sich doch der Großteil der Menschen nach Sicherheit und nach dem ganz normalen Leben. Wissenschaftler und Politiker pochen unentwegt darauf, es müsse erst der richtige Impfstoff gefunden werden, um wieder die Normalität einkehren zu lassen.

Das wirklich Bedenkliche ist hierbei jedoch nicht die Tatsache, dass die führenden Politiker und ihre medizinischen Berater auf das Finden eines geeigneten Medikamentes oder eines Impfstoffes gegen das Coronavirus insistieren. Vielmehr ist es der Faktor Zeit, der einige Fragen aufwirft. Man bedenke, dass es 15 Jahre gedauert hat, bis ein Impfstoff gegen die Rotaviren entwickelt wurde.

Der Schritt zur Lösung des Corona-Problems ist steinig und schwer

Seit Monaten sprechen geistige Eliten davon, dass ein Corona-Impfstoff in absehbarer Zeit erhältlich sein wird. Doch von der menschlichen Logik ausgehend, was die dafür notwendigen Testphasen anbelangt, wird im Diskurs der Politiker meist immanent abgesehen. Da stellt sich der Bürger wohl oder übel die Frage: Wahrheit oder Pflicht? Der Versuch, die global verbreitete Paranoia der Menschen dadurch dämpfen zu wollen, indem mit Spekulationen, statistischen Imaginationen und schlichten Wunschvorstellungen jongliert wird, ist auf die Würde des Menschen bezogen überaus fragwürdig. In Notfällen wie der Corona-Pandemie kann der Prozess der Zulassung von Impfstoffen zwar beschleunigt werden. Doch ist es realistisch, dass in derart kurzer Zeit ein Impfstoff entwickelt werden kann, der auf lange Sicht bezogen wirksam und zugleich sicher ist?

Was braucht es zur Erstellung eines Impfstoffes und eines Impfstoffplans?

Im Folgenden soll primär das allgemeine Prozedere beschrieben werden, wie es letztendlich zu einer Impfung kommt und was es zur Erstellung eines Impfstoffplans bedarf. Des Weiteren wird deutlich, warum die Impfstoffforschung Zeit braucht und welche Testphasen für die Erforschung eins funktionierenden Impfmittels vonnöten sind. Beim Thema Impfstoff spielt zudem auch die Verteilung desselben eine tragende Rolle.

Wie wird üblicherweise ein Impfstoff erforscht und entwickelt?

Die Historie der Impfstoffforschung ist noch nicht allzu alt. Dennoch konnten Wissenschaftler im Zusammenhang mit unterschiedlichsten Viren bereits mit Erfolg Impfstoffe erforschen und entwickeln. In der Forschung wird zum einen versucht, das Virus zu verstehen. Zum anderen wird daran gearbeitet, dem Virus Paroli zu bieten.

Der eigentliche Zweck einer Impfung ist die Vorbeugung und nicht die Therapie einer Erkrankung. Darum unterliegt jegliche Entwicklung eines Impfstoffes äußerst strengen Grundsätzen. Objektiv betrachtet ist somit das Herstellen eines sicheren und wirksamen Impfstoffes gegen ein neu auftretendes Virus ein aufwendiger und zugleich langwieriger Prozess. Denn es wird hier einer Akzeptanz von Nebenwirkungen klare Grenzen gesetzt.

Der Weg also bis zu dem Zeitpunkt, an dem alle verfügbaren Daten für eine Zulassung bei den entsprechenden Behörden eingereicht werden, ist für alle Beteiligten eine mühselige und an der Geduld zehrende Angelegenheit. Erst nach der erfolgreichen Zulassung durch die verantwortliche Gesundheitsbehörde kann der Impfstoff an die Bevölkerung verteilt und verkauft werden.

Im Detail lässt sich die Entwicklung eines Impfstoffes in fünf Schritte unterteilen:

  • Filteruntersuchungsphase,
  • präklinische Entwicklung,
  • klinische Entwicklung,
  • Zulassung,
  • Überwachung und Verteilung.

Welche Testphasen gibt es bei der Impfstoffentwicklung?

Das Ziel der einzelnen Testphasen ist es, innerhalb der Erforschung des Impfstoffes Erkenntnisse zu gewinnen über ein Impfstoffschema, über eine möglichst erfolgversprechende Verabreichungsart und die geeignete Dosis. Darüber hinaus verfolgen die Forscher im Labor das hehre Ziel, erste Gewissheiten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes zu erlangen. Dafür sind mehrere Phasen angedacht. Der Faktor Zeit nimmt hierbei eine maßgebende Rolle ein und entscheidet auch über den Erfolg oder Misserfolg eines Präparates.

In der sogenannten Filteruntersuchungsphase bzw. Screening-Phase wird im Labor die Identifikation von vielversprechenden Molekülen und Substanzen angestrebt. Dafür müssen in einem allgemeinen Prozedere zur Entwicklung eines Impfstoffes mehrere Impfstoffkandidaten einige Tests durchlaufen.

Die präklinische Entwicklung ist darauf fokussiert, erste Informationen zur Sicherheit, Immunogenität und allen voran zur Wirksamkeit des Impfstoffes zu generieren. Im Tiermodell werden im Zuge dieser Phase identifizierte Impfstoffkandidaten getestet. Das angestrebte Ziel in dieser Testphase ist es, einen geeigneten Impfstoffkandidaten zu finden.

Wurde von den Medizinern und Forschern ein geeigneter Kandidat gefunden, der sich bewährt hat, kann in die nächste Phase übergegangen werden. In der klinischen Entwicklung steht zu Beginn die Planung der klinischen Studien an gesunden und freiwilligen Probanden. Es geht in diesem Schritt darum, einen höchst passenden und effizienten Impfstoff zu entwickeln. Auf diese Weise kann das Risiko für die Probanden minimiert werden. Gesundheitsbehörden und die beteiligten Firmen stehen bereits in dieser Forschungsetappe im engen Austausch. Im Verlauf der klinischen Entwicklung wird zwischen drei Phasen unterschieden.

  • Eine beschränkte Anzahl von freiwilligen Studienteilnehmern erhält das Präparat. Der Sinn dieser ersten Phase beruht darauf, die richtige Dosis ermitteln zu können. Im Normalfall kann sich die erste Phase über mehrere Jahre erstrecken.
  • In der zweiten Phase bekommt eine größere Gruppe von Freiwilligen den Impfstoff verabreicht. Die Intention ist, die finale Konzentration des Impfstoffwirkstoffes zu eruieren. In dieser Phase wird zudem die Anzahl der Impfungen penibel festgehalten. Daraus resultieren die Forscher, wie viele Impfungen per se vonnöten sind, um überhaupt einen adäquaten Schutz gegen das Virus aufbauen zu können. In der Regel dauert auch diese Phase mehrere Jahre.
  • Die entscheidende dritte Phase ist angedacht, um für einen bestimmten Zeitraum den Impfstoff an tausenden Menschen zu testen. Diese müssen gesund sein und sich freiwillig am Testprojekt beteiligen. Es werden mehrere Gesichtspunkte genau unter die Lupe genommen. Zumal nur mit dieser Methode eine Zulassung vonseiten der Gesundheitsbehörde vorstellbar ist.  Zusammenfassend wird in dieser Phase untersucht, ob der neue Impfstoff wirklich vor einer Infektion schützt und ob der Impfstoff den Patienten ausreichend gut versorgt. Außerdem wird beobachtet, ob es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt mit Impfstoffen gegen andere Erkrankungen. Des Weiteren wird genauestens untersucht, ob Nebenwirkungen nur sehr selten oder oft auftreten.

Eine Zulassung des Impfstoffes kann es erst nach der erfolgreichen Beendigung der ersten drei Entwicklungsphasen geben. Selbst der Prozess der Zulassung dauert auf EU-Ebene für gewöhnlich ein gutes Jahr. Die gesammelten Daten der Ärzte und Laboranten belegen im umfassenden Ausmaß die Sicherheit und die Wirksamkeit der verschiedenen Herstellungschargen des neuen Impfstoffes.

Per Gesetz unterliegen Impfstoffe nach der Zulassung regelmäßigen Kontrollen. Außerdem werden die Impfstoffe in Zusammenarbeit mit den zuständigen Gesundheitsbehörden laufend überwacht. Die Sicherheit und das leibliche Wohl der Menschen haben Priorität. Auftretende Nebenwirkungen oder anderweitige Verdachtsfälle in Zusammenhang mit einem Impfstoff sollten sofort den entsprechenden Stellen (Hersteller/Gesundheitsbehörde) gemeldet werden.

Wie erfolgt im Allgemeinen die Verteilung eines neu erforschten Impfstoffes?

Der Verband der österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler PHAGO appelliert bei jedem neu entwickelten Impfstoff auf eine gute und zentral koordinierte Verteilung. Die Impfdosen müssen zudem schnell an die Verbraucher verteilt werden können. Allgemein wurde etwa bei den sogenannten Grippeimpfstoffen die zur Verfügung stehenden Dosen auf unterschiedlichen Wegen garantiert. Die Bestellung von Impfstoffdosen können Apotheken, einzelne Städte, Bundesländer sowie der Bund vornehmen.

Was den aktuellen Stand einer möglichen Verteilung des Impfstoffes gegen das Coronavirus anbelangt, sind sowohl das Kontingent der erforderlichen Impfdosen als auch die konkreten Kriterien für ein faires und sinnvolles Verteilen des Impfstoffpräparates gesetzlich noch nicht festgelegt. Das Gebot der Stunde lautet: Risikogruppen schützen! Doch wer nun letztendlich genau zu den oft erwähnten Risikogruppen gehört, hat laut dem nö. Patientenanwalt Gerald Bachinger selbst bei einer herkömmlichen Grippeimpfung noch keine rechtliche Basis.

In Anbetracht dessen, dass zurzeit rund 200 Impfstoffe gegen das Coronavirus in der Entwicklung sind, haben die Verantwortlichen noch ein wenig Planungszeit, um die Verfügbarkeit eines probaten Impfmittels zu garantieren und um die Logistik bei einer anstehenden Impfstoffdosenverteilung in Österreich auf bestmögliche Weise zu gewährleisten.