Wenn von Vermietern alle Abgaben bezahlt werden, hat kaum eine Gemeinde ein Problem mit Airbnb.
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Airbnb – Segen oder Fluch?

Plattformen für private Zimmervermittlung nehmen den kommerziellen Tourismusbetrieben immer mehr Geschäft weg. Gemeinden leiden vor allem darunter, dass Abgaben nicht bezahlt werden. Aber können Airbnb & Co auch eine Chance sein?

Sie wollen bei Ihrem nächsten Städtetrip in einem gemütlichen Privatquartier wohnen statt in einem teuren Hotel? In den nächsten Sommerferien wollen sie in einer geräumigen Ferienwohnung logieren statt in einer unpersönlichen Bettenburg? Buchungsplattformen wie Airbnb, Wimdu oder Housetrip bieten die Lösung. Dort kann man bequem via Internet Privatunterkünfte mieten.

Alleine Airbnb bietet für die Buchung und Vermietung privater Unterkünfte mehr als vier Millionen Inserate in 191 Ländern an. In Österreich gibt es mehr als 23.000 aktive Inserate von Airbnb-Gastgebern, der Großteil davon in Wien. Dort entfallen bereits mehr als ein Zehntel des Umsatzes mit Nächtigungen auf die 2008 in San Francisco gegründete Plattform.

Plattformen machen Wohnraum teuer

Die Negativseite dieser Entwicklung: Die Buchungsplattformen treiben die Preise für Wohnraum hoch. Betroffen sind vor allem die großen Städte. Eine Studie der Technischen Universität Wien zeigt, dass in der Bundeshauptstadt bereits 2.000 Wohnungen dem Wohnungsmarkt dauerhaft entzogen sind, weil sie via Airbnb an Urlauber vermietet werden. Das entspricht einer von 420 Wohnungen oder 0,24 Prozent.

Laut der TU-Studie hat sich die Website verändert. Die ursprüngliche Idee, wonach Gastgeber ihre Wohnung mit Reisenden teilen, Freunde werden und später selbst günstig woanders unterkommen, spielt eine immer geringere Rolle. Stattdessen nimmt die Zahl professioneller Vermieter zu.

Überdurchschnittliches Wachstum in Tourismusregionen

Nachdem Airbnb zunächst die Städte erobert hat, nimmt das Angebot in letzter Zeit auch in ländlichen Tourismusregionen zu. Bereits jetzt gibt es in Schiregionen und an Badeseen über 10.000 Inserate.

„In Städten und Regionen in den Alpen stellen wir überdurchschnittliche Wachstumsraten hinsichtlich unserer Unterkünfte fest“, hält Airbnb in einem Statement für KOMMUNAL fest. So wuchs man in Paznaun um 777 Prozent, am Achensee um 445 Prozent, im Pitztal um 292 Prozent und im Zillertal um 256 Prozent sowie im Ötztal um 251 Prozent.

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Vermieter zahlen keine Abgaben

Das Problem: Vielfach bezahlen die Airbnb-Vermieter die vorgeschriebenen Steuern und Abgaben nicht. Wien hat daher zuletzt gegen sechs Internetplattformen, auf denen Privatzimmer vermietet werden, Strafverfügungen erlassen.

In der Vorarlberger Region Lech – Zürs werden rund 140 Betten über Airbnb angeboten. Die Gäste, die in diesen Quartieren wohnen, nutzen die gute touristische Infrastruktur der Gemeinde, entrichten aber meist weder Gästetaxe noch Tourismusbeitrag.

„Die Plattform müssen die örtlichen Regeln einhalten und sich bei der Gemeinde bzw. beim Tourismusverband anmelden, sodass man weiß, welche Betriebe über Airbnb vermieten. Es muss sichergestellt sein, dass Steuern und Abgaben bezahlt werden“, fordert Bürgermeister Ludwig Muxel, der auch Vorsitzender des Tourismusausschusses des Österreichischen Gemeindebundes ist.

Ludwig Muxel, Bürgermeister von Lech am Arlberg: „Es muss sichergestellt sein, dass Steuern und Abgaben bezahlt werden.“

Die Tourismuswirtschaft, die unter der Flut an Privatzimmervermietern leidet, sieht das ähnlich. „Wir sind nicht gegen Airbnb, aber es muss einen Wettbewerb auf Augenhöhe geben“, sagt Siegfried Egger, Obmann des Hotellerie-Fachverbandes und Hotelier in Kirchberg in Tirol. Für kleine und kleinste Betriebe könne die Plattform sogar eine Chance sein, um leichter von Interessierten gefunden zu werden, meint er.

Chance für Abwanderungsgemeinden?

Aber wie sieht es in wirtschaftlich schwachen Regionen und Abwanderungsgemeinden aus? Wären die Plattformen eine Möglichkeit, dem Tourismus auf die Sprünge zu helfen und vielleicht sogar leerstehenden Gebäuden wieder neues Leben einzuhauchen?

„Wir wollen, dass Airbnb-Gäste die positiven und authentischen Erfahrungen vor Ort erhalten, die sie von einer Buchung bei einem Gastgeber über Airbnb auch erwarten, unabhängig davon ob sie in einer Großstadt oder einer ländlichen Region Zeit verbringen“, meint man bei Airbnb. Und: „Viele traditionelle Übernachtungsbetriebe wie Ferienwohnungen oder Bed & Breakfasts in strukturschwachen Regionen nutzen Airbnb als Vertriebsweg, um eine jüngere, digitale und internationale Zielgruppe zu erreichen und auch in der Nebensaison eine hohe Auslastung zu erzielen.“

Christine Holzweber, Bürgermeisterin von Eisenerz, eine der am stärksten schrumpfenden Gemeinden Österreichs, ist da deutlich skeptischer. „Wenn die vorgeschriebenen Abgaben abgeliefert werden, können die neuen Vermietungsmodelle eine sinnvolle Möglichkeit sein, neue Gäste anzusprechen. Wenn das aber nicht der Fall ist, halte ich solche Plattformen nicht für unterstützenswert.“ Auch sie kritisiert, dass Infrastruktur genutzt wird, aber vielfach keine Abgaben entrichtet werden.

Wenn leerstehende Wohnungen für touristische Nutzung umgebaut werden, könne das eine gute Chance sein – „Aber es muss korrekt ablaufen. Es kann nicht sein, dass Zweitwohnsitze regelmäßig für einige Tage vermietet werden, ohne dass die Gäste gemeldet werden.“

Christine Holzweber, Bürgermeisterin von Eisenerz: „Es wird Infrastruktur genutzt, aber es werden keine Abgaben entrichtet.“

Tourismus als Mittel, um verwaiste Gebäude neu zu nutzen, hat man in Eisenerz bereits entdeckt. Das sogenannte „Erzberg Alpin Resort“ entstand aus einer früheren Wohnsiedlung. „Von den Betreibern werden alle Abgaben bezahlt. Ob sie auch eine Buchungsplattform nutzen, weiß ich nicht“, Bürgermeisterin Holzweber. (Ein Blick auf die Airbnb-Website zeigt: Ja)

Hotellerie-Obmann Egger sieht kein großes Potential für Airbnb in Abwanderungsgebieten. „Natürlich kann man mit den Privatvermietungsplattformen auch touristisch abgelegener Regionen forcieren. Große Tourismusinitiativen kann man aber dadurch wahrscheinlich nicht starten, denn auch Airbnb-Gäste wollen wohl eher in Gegenden, in denen bereits viel los ist.“

Wenig Entwicklungsmöglichkeiten

Das sieht auch die Raumplanungsexpertin Gerlind Weber so. „Airbnbn ist eher ein Abstaubermodell und in Regionen offensiv, die ohnehin stark sind.“ Für Abwanderungsgemeinden ist der Tourismus als Zugpferd aus ihrer Sicht eher ungeeignet, weil es meist an der Infrastruktur mangelt. „Eine schöne Landschaft alleine reicht nicht“, meint Weber.

Dazu komme noch, dass Regionen, die früher stark im Tourismus waren, aber dann den Anschluss verloren haben, den Anschluss nicht mehr so leicht finden können. „Es gab im Tourismus einen enormen Strukturwandel. Rund 80 Prozent der Gästebetten, die in den 70er Jahren angeboten wurden, stehen jetzt nicht mehr zur Verfügung, weil die Vermieter die Vermischung von Privat- und Erwerbsleben nicht mehr wollen – also dass etwa die Gäste am Küchentisch sitzen“, so Weber. Die Zimmer, die damals angeboten wurden, hatten oft nur eine Dusche am Gang. Um auf zeitgemäße Standards aufzurüsten, wären enorme Investitionen notwendig, fürchtet sie.

Heute gebe es eher professionelle Anbieter, die ohnehin Ortstaxe zahlen, sowie Private, die Apartments anbieten. Weber: „Diese bieten ihre Unterkünfte natürlich zunehmend auch über das Internet an, allerdings erfolgt das meistens eher individuell oder über die Tourismusverbände. Airbnb hat da wenig Entwicklungsmöglichkeiten.“

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