Podiumsdiskussion über Soziale Kohäsion. Foto: Act.Now/Rishabh Kaul

Gesellschaftlicher Zusammenhalt muss von innen wachsen

Di, 30.01.2018 - 14:04

Die Fluchtbewegung 2015/2016 hat Probleme sichtbar gemacht, die in den Gesellschaften bereits zuvor vorhanden waren: allen voran zunehmende soziale Ungleichheit und Polarisierung. Besonders besorgniserregend ist diese Entwicklung im Hinblick auf Kinder und Jugendliche. Wie gehen Städte und Gemeinde mit diesen Herausforderungen um? Wie kann der gesellschaftliche Zusammenhalt auf kommunaler Ebene gestärkt werden? Diesem Thema mit besonderem Fokus auf die junge Generation widmete sich die 5. Internationale Bürgermeister/innen Konferenz NOW am 29. und 30. Jänner in Wien.

Rund 190 politische Entscheidungsträger, Experten, Vertreter von NGOs, Betroffene und Bürger aus 27 Nationen diskutierten und analysierten, wie die Herausforderungen für unsere Gesellschaft grenzüberschreitend gemeistert werden können.

André Heller, Mitbegründer von Act.Now und einer der Initiatoren der NOW-Konferenzen über das Ziel der Konferenz: „Der Graben quer durch unsere Gesellschaft ist spürbar tiefer geworden und hat Auswirkungen auf jede und jeden einzelnen von uns. Die Politik gibt Rahmenbedingungen vor, aber Zusammenhalt muss dort gelebt werden, wo wir wohnen, arbeiten oder in die Schule gehen. Umso wichtiger ist es, voneinander zu lernen und positive Gegenstrategien sichtbar zu machen. Die Konferenz bietet eine Bühne für jene, die mit viel Energie und Kreativität bereits erfolgreiche Aktivitäten gesetzt haben, die zu einem besseren Zusammenleben in der Gesellschaft beitragen.”

André Heller: „Der Graben quer durch unsere Gesellschaft ist spürbar tiefer geworden und hat Auswirkungen auf jede und jeden einzelnen von uns.” Foto: Act.Now/Rishabh Kaul

Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird auf kommunaler Ebene gestaltet

Der erste Konferenztag stand im Zeichen der Entwicklung neuer politischer Visionen und Maßnahmen, die für die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausschlaggebend sind.

Univ.-Prof. Yuri Kazepov vom Institut für Soziologie an der Universität Wien stellte die Frage in den Raum, ob Städte, deren Rolle in unserer Gesellschaft ständig steigt, grundsätzlich für soziale Innovation geeignet seien. Auch wenn er dies grundsätzlich bejaht, warnt er davor, diese zu überfordern. Trotz dem verständlichen Wunsch nach Subsidiarität könnten nicht alle sozialen Bedürfnisse auf lokaler Ebene besser erfüllt werden. So könnten sie etwa nicht strukturelle globale Probleme alleine lösen. Berücksichtigt werden müssten immer die unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Ausgehend von dieser Erkenntnis folgt, dass man eine funktionierende Lösung eines Landes immer auf die speziellen Kontextbedingungen des übernehmenden Landes anzupassen habe. Und auch das sei noch keine Erfolgsgarantie: „Ein einfaches Copy-Paste funktioniert in diesem Bereich leider nicht”, so Kazepov.

Zivilgesellschaft und NGOs leisten eine sehr wichtige Rolle, jedoch seien sie zumeist auf finanzielle Unterstützung angewiesen und wenn diese versiege, wäre es auch mit der Innovation vorbei. Die größten Chancen für soziale Innovation sieht Kazepov, wenn Menschen grenzüberschreitend agieren und Verantwortungen und Ressourcen klar und gerecht verteilt sind.

Kinder von heute prägen das gesellschaftliche Zusammenleben von morgen

Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen waren Thema des zweiten Konferenztages. Es wurden Good-Practice-Modelle, die sich den umfassenden Schutz und die Implementierung von (Kinder-)Rechten zum Ziel gesetzt und die Rolle von Kindern als soziale Akteure erkannt haben.

Das größte dieser Projekte hat die UNICEF im Jahr 1996 mit der „Child Friendly Cities-Initiative” (CFCI) ins Leben gerufen. Dieser Leitfaden für kinderfreundliche Städte wurde bereits in mehr als 3.000 Städten oder Gemeinden in 38 Ländern weltweit umgesetzt und hat etwa 30 Millionen Kinder erreicht. Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen ist dabei zentraler Dreh- und Angelpunkt.

Dazu UNICEF-Projektleiterin Louise Thivant: „Kinderfreundliche Städte verpflichten sich, Bedürfnisse, Prioritäten und Rechte der Kinder als integraler Bestandteil in ihrer Politik, ihren Programme und ihrer Verwaltung zu verankern und Maßnahmen, die sich international bewährt haben, unter Beteiligung der in der Kommune lebenden Kinder und Jugendlichen umzusetzen.“

Schwedisches Schulmodell bringt bessere Leistung und Integration

Eines der viel beachteten Projekte, die auf der Konferenz vorgestellt wurden, war die Zusammenlegung von Schulen in der Stadt Nyköping in Schweden. Dort besuchten die Kinder in den einzelnen Stadtteilen verschiedene Schulen von unterschiedlicher Qualität. Das verstärkte ethnische und soziale Unterschiede, anstatt sie auszugleichen.

Die Stadtverwaltung Nyköping wählte deshalb einen radikalen Ansatz: Sie löste alle vier Schulen auf und fusionierte sie zu einer einzigen. Veronica Andersson, ehemalige Präsidentin des Kinder- und Jugend-Komitees und derzeit Vorsitzende für Gesundheit und Pflege der Stadtverwaltung Nyköping: „Dieses Modell fördert soziale Kompetenz, die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler – und die Integration. Die Leistungen nahezu aller 1.400 Schülerinnen und Schüler haben sich dadurch deutlich verbessert.“

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