Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle, darf aber kein Selbstzweck werden und stellt gerade kleinere Kommunen vor große Herausforderungen.
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Verwaltungsinnovation als neues Leitbild

Gerade auch Verwaltungen müssen sich angesichts ständig verändernder gesellschaftlicher Ansprüche und Megatrends wie Digitalisierung, demographischem Wandel und budgetärem Druck kontinuierlich anpassen.

Nach einer Phase der Ernüchterung mit stark Management-dominierten Verwaltungsreformen ist in den letzten Jahre der kometenhafte Aufstieg eines neuen Reformleitbildes beobachtbar: Verwaltungsinnovation bzw. „Public Sector Innovation“ gilt heute als besonders erfolgsversprechende Idee für die Lösung von aktuellen Problemen und Herausforderungen und hat international geradezu einen Hype ausgelöst.

Sowohl EU wie auch OECD haben eine Vielzahl entsprechender Initiativen gesetzt, Publikationen und Konferenzen zu der Thematik boomen und es kam zu einem springhaften Anstieg von sogenannten Laboren mit dem Ziel, Verwaltungsinnovation zu fördern und umzusetzen. Bekannteste Beispiele sind das NESTA in Großbritannien, das Mindlab in Dänemark oder La27e Région in Frankreich. Auch die österreichische Bundesverwaltung hat seit kurzem ein eigenes GovLabAustria.

Kommunalverwaltung rückt in den Mittelpunkt

Auffallend ist, dass dabei vielfach auf Entwicklungen, Erfahrungen und Umsetzungsbeispiele der kommunalen Ebene zurückgegriffen wird und die Kommunalverwaltung zunehmend in den Mittelpunkt rückt.

Verwaltungsinnovation verstanden als Prozess zur Generierung und Umsetzung neuer Ideen mit Blick auf Bürger und Gemeinwohl betrifft sowohl interne Prozesse wie auch bürgerzentrierte Dienstleistungen und auf bessere Wirkung abzielende Programme.

Zentrale Idee und wesentlichstes Merkmal gerade auch im Unterschied zu vorangegangenen Reformbewegungen ist der Fokus auf partnerschaftliche Problemlösung mit Bürger, Leistungsempfänger, Zivilgesellschaft und Unternehmen. Innovation verlangt neben einer konsequenten Nutzung der Möglichkeiten der Digitalisierung insbesondere Öffnung, Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch. Und gerade hier besteht die große Chance der kommunalen Ebene.

Kommunen sind die zentrale Arena, in der Politik implementiert, Strategien erprobt und Belange, die den Bürger und Unternehmen unmittelbar berühren, ausgehandelt werden. Es gilt, genau diese Nähe zu Bürgern, Zivilgesellschaft und Unternehmen als Quelle neuer Ideen und Lösungen systematisch und konsequent zu nutzen.

Notwendige Maßnahmen

Trotzdem ist Verwaltungsinnovation auch auf kommunaler Ebene alles andere als eine Selbstverständlichkeit, sondern bedarf besonderer Rahmenbedingungen und einer entsprechenden Haltung. Aus Forschung und Verwaltungspraxis weiß man mittlerweile um die Wichtigkeit folgender Maßnahmen:

  • ein konsequentes Streben, bestehende Politiken und Maßnahmen in Hinblick auf ihre Wirkung und mögliche Verbesserungen systematisch zu hinterfragen und mit Daten zu belegen;
  • Anreize und unterstützende Maßnahmen wie die Vereinfachung von administrativen Abläufen, Budget und die Überwindung von Silos, um die Generierung und Umsetzung von neuen Ideen zu fördern;
  • die Etablierung von Netzwerken für einen lösungsorientierten und partnerschaftlichen Austausch mit anderen Kommunen, Bürgern und lokalen Unternehmen; und am allerwichtigsten:
  • eine neue Verwaltungskultur des Ausprobierens, Experimentierens, Diskutierens und Lernens aus Piloten und Kleinprojekten im Sinne eines „fail early, fail fast, fail cheap“. Eine Führung, die Freiräume erlaubt, Umsetzung ermöglicht und einen konstruktiven Umgang mit Fehler und Risiken ermöglicht (no blame Kultur).

Lösungen für Kindergartenplätze, Nahverkehr und Partizipation

Digitalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle, darf aber kein Selbstzweck werden und stellt gerade kleinere Kommunen vor große Herausforderungen. Aber auch solche können auf innovative Start-Ups zurückgreifen, die vielfältige schnell umsetzbare digitale Lösungen etwa für das Vergabewesen von Kindergärtenplätzen, modulare Nahverkehrslösungen oder auch Bürgerpartizipationsplattformen anbieten.

Ein zentraler Gedanke der Verwaltungsinnovation ist es, erfolgreich erprobte Lösungen auch systematisch auszurollen und auf andere Verwaltungen zu übertragen (scaling up). Spezielle Plattformen wie der Innovator Club des deutschen Deutschen Städte und Gemeindebundes können hier wichtige Impulse leisten.

Dass Verwaltungsinnovation auf kommunaler Ebene nicht nur eine Vision ist, sondern Innovationen dort bereits erfolgreich umgesetzt werden, zeigen ermutigende Beispiele aus Österreich die 2017 mit dem österreichischen Verwaltungspreis aber auch mit dem europäischen Verwaltungspreis ausgezeichnet worden sind. Solche Beispiele gelungener Verwaltungsinnovation machen Hoffnung, dass Kommunen an der Spitze dieses neuen Trends stehen, und es zu einem Erstarken und neuem Selbstbewusstsein der kommunalen Ebene kommt.

Über den Autor

ist Professor of Public and Financial Management an der Hertie School of Governance. Seine Forschungsschwerpunkte liegen bei den Themen Verwaltungsmanagement, vergleichende Verwaltungsforschung, Leistungsmanagement im öffentlichen Sektor und Personalverwaltung.

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