Kathrin Kühtreiber-Leitner: „Man muss einfach spontan handeln, schnell agieren und dann schauen, dass man das Beste daraus macht. Also nicht zu viel überlegen, denn dadurch wird man viel fehleranfälliger.“

Die Wächterin des Wachstums

Do, 18.01.2018 - 17:06

Kathrin Kühtreiber-Leitner ist Bürgermeisterin von Hagenberg im Mühlkreis. Die Managerin der Zuzugsgemeinde achtet darauf, dass das Wachstum ihres Heimatortes in geordneten Bahnen verläuft.

Frau Bürgermeisterin, wie sind Sie in die Politik gekommen?

Ich war lange Zeit in der Wirtschaftskammer, in der Interessensvertretung. Durch diese Tätigkeit war ich auch immer im Wirtschaftsbund vertreten und bin über diesen Weg - absolut per Zufall - in die Kommunalpolitik gekommen. Ich bin gefragt worden und ins kalte Wasser gesprungen. Ich war vorher eigentlich noch nie in einer Gemeinderatssitzung oder vergleichbarem.

Welche Erfahrung hat Sie in Ihrem Leben geprägt?

Dass man ins kalte Wasser springen muss und dass man nicht zu viel Nachdenken soll. Wenn man über Entscheidungen, die man zu treffen hat, zu viel nachdenkt, kommt nichts dabei raus. Man muss einfach spontan handeln, schnell agieren und dann schauen, dass man das Beste daraus macht. Also nicht zu viel überlegen, denn dadurch wird man viel fehleranfälliger.

Hagenberg besitzt einen riesigen Softwarepark. Sie selbst sind Global Executive MBA, kennen sich aufgrund Ihres Berufslebens mit Selbständigkeit bestens aus und Sie wissen auch um die Bedürfnisse von Unternehmen. Hilft das bei der Ansiedelung neuer Betriebe?

Auf jeden Fall. Ich war Leiterin des Gründerservices, ich war lange Geschäftsführerin von „Junge Wirtschaft“ und „Frauen in der Wirtschaft“, und habe eigentlich mein ganzes Berufsleben lang immer mit dem Unternehmertum zu tun gehabt. Das Thema „Betriebe ansiedeln und weiterentwickeln“ ist mein Steckenpferd.

Ich wäre wahrscheinlich nicht Bürgermeisterin geworden, wenn es nicht genau meine Heimatgemeinde gewesen wäre, denn da habe ich gewusst, dass ich mit meinen Fähigkeiten hinpasse. Hier kann ich mich hineinfühlen.

Ich habe gewusst, dass ich meine Kenntnisse dementsprechend einsetzen kann und auf Augenhöhe mitreden kann. Das ist sehr wichtig, denn da geht es nicht einfach nur um Kommunalsteuer, sondern darum dass man den Wohlstand sichert und Arbeitsplätze schafft.

Wir haben in Hagenberg in Summe 2.000 Arbeitsplätze geschaffen, alleine nur durch den Softwarepark. (bei 2.800 Einwohnern - Anm. d. Red.) Mittlerweile haben wir auch einen Gründungsinkubator in Hagenberg, mit dem sich diejenigen, die noch nicht viel Eigenkapital haben, weiterentwickeln können.

Hinzu kommt der gesamte Lifestyle. Die Leute wollen auch hier wohnen, und die wenigsten haben ein Auto. Wir sind eine Speckgürtelgemeinde und heißbegehrt was Grundstücke und Wohnungen anbelangt. Es gilt nicht nur die Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch zu schauen, dass die Leute hierbleiben und den modernen Lifestyle in Hagenberg finden. Die Gründerszene besteht mitunter aus recht modernen Leuten. Bei uns wird auch anders gearbeitet. Hier ist es sehr häufig, dass die klassischen Arbeitszeiten gelockert sind. Etliche Leute verbringen viel Zeit in der Arbeit und wollen dann nicht mehr weit fahren müssen.

Ist die Fusion zur Stadt Aist noch ein Thema?

Für mich ist das kein erklärtes Ziel. Ich brauche das gar nicht. Ich denke, egal wie groß wir sind, wir sollten alles das bieten können, wodurch sich die Bevölkerung wohl fühlt. Die Leute brauchen keine Stadt um glücklich zu sein. Daher gilt: Eine kontrollierte Zuwanderung und darauf schauen, dass sich die gebürtigen Hagenberger auch noch wiederfinden. Für die geht das nämlich alles sowieso viel zu schnell.

Wer hier aufgewachsen ist und mit dem Softwarepark nicht viel zu tun hat, sagt oft: "Das gibt's ja nicht!" Kürzlich ist das große Agrarbildungszentrum mit ca. 500 Schülern und 40 neuen Arbeitsplätzen eröffnet worden. Nun kommt die Bezirksbauernkammer, und Hagenberg wird somit Kammerstandort.

Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem ich merke, dass wir langsamer machen müssen. Sonst kommt die Bevölkerung schön langsam nicht mehr mit. Der Verkehr wird schließlich auch mehr, und die Kinderbetreuung, eines meiner Steckenpferde, muss weiterhin funktionieren.

Das kontrollierte Wachstum ist ganz wichtig. Wir können schon wachsen, sodass wir irgendwann Stadt werden, aber das wollen wir gar nicht, weil wir dann die jetzige Qualität nicht mehr bieten könnten. Hagenberg ist flächenmäßig gar nicht so groß. Daher haben wir mit dem Gemeinderat gleich in meinem ersten Jahr für die Flächen, die wir haben, einen strategischen Plan erstellt. Der hält bis jetzt und da gibt es auch keine Diskussionen innerhalb der Fraktionen. Das sitzt.

Wir wissen ganz genau, was wohin kommt - nicht sofort, aber in den nächsten zehn Jahren. Wir haben die fußläufigen Verbindungen bedacht, darauf geschaut, dass immer wieder dazwischen wo ein kleiner Lebensmittelmarkt ist, denn einen klassischen Ortsplatz gibt es in Hagenberg nicht.

Wie schaut es als Zuzugsgemeinde mit derart vielen Arbeitsplätzen hinsichtlich der Kinderbetreuungsplätze aus?

Unser Kindergarten ist auch Softwarepark-Kindergarten. Das heißt, die Mitarbeiter, die im Softwarepark arbeiten, können ihre Kinder auch in den Kindergarten geben. Wir haben eine hohe Fluktuation. Das ist auch für die Pädagoginnen und Pädagogen nicht immer so einfach handzuhaben.

Auch hier gilt, aufzupassen dass man nicht zu schnell und überehrgeizig agiert. Derzeit bauen wir den Kindergarten wieder aus. In meiner Amtszeit habe ich bereits die Volksschule saniert und ausgebaut, und das steht jetzt ebenfalls wieder an.

Wie wichtig sind neben Fachwissen, Kommunikationsfähigkeiten, politischen Background etc. die Managementqualitäten eines Bürgermeisters?

Ich glaube da ticke ich zum Teil ein bisschen anders. Ich bin Vertriebs- und Marketingchefin in meinem normalen Beruf und betrachte die Bürgermeisterei auch eher als Managementaufgabe. Ich achte darauf, dass die großen Leitlinien stimmen und brauche immer das große Ganze. Innerhalb dessen kann man viel diskutieren, und auch manche Dinge verschieben.

Mir ist es immer wichtig, Sachen aufzureißen, die in das System passen. Ich bin sicher nicht diejenige, die bei jeder Baustelle steht und schaut, ob die Rohre richtig verlegt sind. Ich habe viele Kollegen, die das gerne machen und können. Ich kann das nicht, daher mache ich das auch nicht. Ich wäre dabei auch nicht glaubwürdig. Das macht der Amtsleiter, der Bauamtsleiter, oder der Vizebürgermeister, der aus dem Baubereich kommt. Ich verstehe den Bau an sich nicht. Aber ich weiß, wie man Unternehmen ansiedelt und das Ganze in die Gänge bringt. So haben wir eine ganz gute Mischung gefunden.

Der Mensch hinter der Bürgermeisterin

Zuhause ist für mich ...

… dort, wo Familie und Freunde sind.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich ...

... mir wünschen, dass es allen Menschen gut geht.

Ich bereue ...

nichts

Wie würden sie sich selbst beschreiben?

energiegeladen und permanent im Tun

Mein Lebensmotto:

Behandle jeden gerecht und fair!

 

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