2016/17 konnte man 10.000 Eintritte von Mountainbikern in den „Wexl Trail“ verbuchen.

Eine Gemeinde erfindet sich neu

St. Corona am Wechsel blickt wie so manch andere Gemeinde auf eine langjährige Geschichte zurück. Und wie so viele langjährige Geschichten ist auch die von St. Corona einschneidenden Wechseln unterworfen.

Der aktuelle „Wechsel“ – manche sagen „Neuanfang“ – in St. Corona ist derzeit voll im Gange und kann für viele andere Gemeinden als leuchtendes Beispiel stehen, was mit Mut und dem Ergreifen von Chancen alles möglich ist.

Begonnen hat alles vor rund 150 Jahren mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Corona und dem Einsetzen von Pilgerfahrten – wenn man so will, waren das frühe Ausläufer des Tourismus. Auf die Frage, was St. Corona mit Tourismus zu tun hat, antwortete Gruber denn auch: „Jeder Bauernhof hat Zimmer an Gäste vermietet. Später entwickelten sich aus diesen Höfen oftmals Gastwirtschaften oder Hotels.“

Lange Zeit war die Kirche auch sehr beliebt für Hochzeiten; so haben sich auch die Eltern des Autors hier Ende der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts das Ja-Wort gegeben. Für all diese Menschen mussten Quartiere und gastronomische Angebote geschaffen werden, wovon auch die Gemeinde lange profitierte.

Mitte der 80er-Jahre „drehte“ sich allerdings der Wind, die Wallfahrten kamen langsam zum Erliegen und mit dem Beginn der Wohlstandsjahre – der „Aufbau“ nach dem Krieg war geschafft – setzte der Wunsch der Menschen nach Vergnügungserlebnissen ein. Das war im Wesentlichen die Geburtsstunde des Wintertourismusortes St. Corona am Wechsel. Ausschlaggebend waren vor allem die Stadtnähe und der beginnende Autoverkehr, der einen Schiausflug einfach ermöglichte.

Wintertourismus war nicht mehr rentabel

Gerade im Faktor Auto lag aber auch schon teils der Niedergang begründet. Die Mittellage St. Coronas konnte keine Schneesicherheit garantieren, gleichzeitig waren die schneesicheren Gebiete der inneren Alpen bequem mit dem Auto zu erreichen. Der Wintertourismus war nicht mehr rentabel und langsam glitt St. Corona in eine Art „kommunale Negativspirale“.

An die positiven Aspekte des „sich neu Erfindens“ denken. Mit der Übernahme des Bürgermeisteramtes durch Johann Gruber im Jahr 2015 setzte sich eine Entwicklung in Gang, die die Negativ- in eine Positivspirale umwandeln solte. Und wie so oft lag es vordergründig an der „Einwechslung neuer Spieler“, um einen Begriff aus dem Fußball zu bemühen.

Motorik- und Mountainbike-Park

Unter dem neuen Gemeindechef Johann Gruber wurde zuerst die Idee einer Sommerrodelbahn diskutiert. Daraus entwickelte sich in der Folge der Motorik- und Mountainbike-Park mit dem Partner Karl Morgenbesser. Gemeinsam kümmerten sich Gruber und Morgenbesser um die Finanzierung mit einer Investitionshilfe des Landes Niederösterreich – wiewohl der Betrieb des Parks von Anfang an auf eigene Rechnung und Gefahr erfolgte. Der Erfolg gab beiden Recht: Der Zustrom war so viel größer als erwartet, dass als einer der ersten Schritte die Anzahl der Parkplatz vor dem Mountainbike-Park verdoppelt werden musste, um den Besuchern ausreichend Stellplätze bieten zu können.

Das Konzept machte sich den Trend zu aktivem Outdoor-Sport zunutze, der immer stärker wird. Also Mountainbiken für die ganze Familie und die sportlichen Freizeitfahrer. Dazu wurden ein E-Bike-Verleih und die gesamte Logistik dahinter organisiert,

Jäger und Forstbesitzer wurden an Bord geholt

Der neue Geist offenbarte sich auch in der Tatsache, dass nichts über die Köpfe der Einwohner entschieden wurde. Auch die Jäger und die Forst- und Grundbesitzer wurden mit an Bord geholt. Während es in vielen Regionen immer noch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Mountainbikern und Waldbesitzern (und Jägern) kommt, entschloss man sich in St. Corona, nicht „gegen den Strom zu kämpfen, sondern ihn zu kanalisieren“.

Bikes weg von Forstraßen

Morgenbessers Argument war, dass man sich der Entwicklung nicht widersetzen werde können. Also was wäre, wenn man die Bikes von den Forststraßen weg und auf Trails (eigens installierte Mountainbike-Pfade durch bestimmte Waldgebiete) konzentrieren könnte? Dazu wurden auch klare Regeln aufgestellt, wer sich nicht daran hält muss sozusagen den Preis dafür zahlen. Damit konnten die Grundbesitzer und die Jägerschaft leben.

Und bei alledem wurde auf die Bewohner nicht vergessen. „Wenn die sich nicht mehr mit St. Corona identifizieren, ziehen sie weg. In der Ortsmitte stehen viele Häuser leer, vor allem Gasthäuser! Hier musste sich auch etwas verändern. St. Corona für die Bewohner weiter zu entwickeln ist ebenso wichtig wie die Angebote für unsere Gäste“, so Gruber.

Der nächste Erfolgsfaktor war, dass der boomende Tourismus wieder Infrastruktur für Nächtigungen und Gastronomie-Angebote benötigte – und die verbliebenen Unternehmer in der Gemeinde wieder investierten, wodurch das auf dem Boden liegende touristische Angebot wieder neues Leben erhielt.

Über den Autor

Hans Braun ist Chefredakteur von KOMMUNAL.

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