Laubhaufen, die den Winter über liegen bleiben sollen, beschwert man am besten mit etwas Mulch um sie vor dem Verwehen zu schützen – uns sie bieten idealen Schutz zum Überwintern für Tierarten wie den Igel. Fotos: Shutterstock

Öffentliche Grünflächen winterfest machen

Im Herbst gibt es nicht nur im eigenen Garten einiges zu tun. Auch die öffentlichen Parks und Grünflächen benötigen eine intensive Pflege als Vorbereitung für den Winter, um im kommenden Frühjahr in neuem Glanz erblühen zu können.

Keine Gemeinde in Österreich kann auf sie verzichten. Die Rede ist von öffentlichen Grünflächen. Sei es als Naherholungsgebiet, zur Auflockerung der Bebauung, oder als Sport- und Freizeitareal für die Bevölkerung – ein Stück Natur vor der Haustür hebt die Lebensqualität und wirkt beruhigend auf Geist und Seele. Selbst kleinste Flächen, wie etwa Grünstreifen entlang der Straßen, sind bedeutsam, denn sie fungieren als wertvolle Lücken in der ansonsten durch Beton und Asphalt versiegelten Oberfläche, die Regen- und Schmelzwasser versickern lassen. Ebenso wichtig sind Bäume, die als Luftverbesserer und Schattenspender wesentlich zu einem angenehmen Klima innerhalb des besiedelten Gebietes beitragen. Je dichter die Bebauung, desto wertvoller ist das Vorhandensein von öffentlichem Grün. Wie groß dessen Bedeutung ist, zeigt sich am deutlichsten, wenn es fehlt. Im fünften Wiener Gemeindebezirk, Margareten, herrscht seit Jahrzehnten ein eklatanter Mangel an Grünflächen, und Umfragen zeigten wiederholt, dass dieser Umstand von den Bewohnern des Bezirks regelmäßig zu den größten Minuspunkten ihrer Wohnumgebung genannt wird. Kurz gesagt, das Stück Natur vor der Haustüre ist den Menschen wichtig. Ganz besonders wenn kein eigener privater Garten vorhanden ist.

Wesentliche Arbeiten sind im Herbst zu erledigen

Um die Bedeutung des öffentlichen Grüns wissen aber auch kleinere Gemeinden. Etliche Kommunen nutzen diese Flächen ganz besonders, putzen sie heraus, nehmen an Blumenschmuck-Wettbewerben teil und verwenden sie als Präsentationsflächen und Aushängeschild für die Schönheit des Ortsbildes. Im Frühling und Sommer entfalten die Pflanzen ihre ganze Pracht, jedermann erfreut sich daran und kaum jemand zweifelt an den Investitionen in Gestaltung und Erhalt. Wesentliche Arbeiten, die diesen Freuden zugrunde liegen, fallen jedoch in eine andere Jahreszeit, den Herbst.

Wenn die Blätter von den Bäumen fallen und nur noch die hartgesottensten Jogger durch Frost und Nebel traben, herrscht für die zuständigen Gemeindebediensteten Hochbetrieb und Kopfweh bei den Budgetverantwortlichen. Um auch im kommenden Jahr ein intaktes und ansprechendes Naturerlebnis zu gewährleisten, sind mitunter zeitaufwändige und kostenintensive Arbeiten zu erledigen, die gleichzeitig diversen Aspekten Rechnung tragen müssen. So sollen sie wirtschaftlich effizient und kostensparend organisiert sein, dabei aber auch ökologisch und biologisch durchdacht sowie qualitätsvoll ausgeführt sein. Hinzu kommt der allgegenwärtige Sicherheitsfaktor, den es einzuhalten gilt.

 

Kastanienlaub entsorgen

Die Vorarbeiten des Herbstes gelten freilich nicht nur dem kommenden Frühjahr, sondern auch dem Winter selbst. Schnee, Eis, Frost und Streugut strapazieren Pflanzen und Tiere in mehrfacher Hinsicht, und da zu einem intakten Ökosystem sowohl Flora als auch Fauna vonnöten sind, sollten auch die Tiere, für die das Siedlungsgebiet grundsätzlich ohnehin nur als Ersatzlebensraum gilt, nicht zu kurz kommen. An unproblematischen Stellen können zum Beispiel Laubhaufen bewusst liegen gelassen werden, um Igeln eine geeignete Überwinterungsmöglichkeit zu bieten, denn für die kalte Jahreszeit gilt, der größte Feind des Igels ist nicht der Straßenverkehr, sondern der Laubsauger. Doch Achtung – seit dem Auftreten der Kastanien-Miniermotte sollte das Laub der Kastanie unbedingt entsorgt werden.  Am bestens ist es, wenn es einer Verbrennung zugeführt wird. Dann ist sichergestellt, dass die in den Blättern überwinternden Larven vernichtet werden.
Auch Vögel sind dankbar, belässt man ihnen mögliche Behausungen beziehungsweise ersetzt diese, sofern das nicht möglich ist, durch Vogelhäuschen und Futterstellen, die nur für kleinere Arten erreichbar sind. Um den Tauben- und Krähenbestand muss man sich in unseren Breiten wahrlich keine Sorgen machen.

 

 

Rasen vor dem Winter mähen

Für Rasen und Pflanzen lautet die Devise: stutzen, schneiden, mähen. Der Rasen wächst, je nach Temperatur, auch im Spätherbst,  teilweise noch bis Mitte November weiter. Vor der Überwinterung sollte auf jeden Fall noch einmal gemäht werden, damit die Grashalme während des Winters nicht zu lang sind und somit zu schnell verrotten würden, wenn sie durch eine eventuelle Schneelast abknicken. Wichtig ist bei diesem letzten Schnitt des Rasens die richtige Länge. Die Halme sollten auf zirka vier bis fünf Zentimeter gekürzt werden. Dadurch wird der Rasen robust für den Winter und kann mit Schnee und Frost besser umgehen. Kürzt man hingegen noch mehr, fällt zu viel Licht auf die Grasnarbe und unerwünschte Unkrautpflanzen können ungestört wachsen und sich verbreiten.
Auch wenn der Rasen winterfest ist, braucht er eine gewisse Luftzirkulation, daher ist es ratsam, ihn zu vertikutieren. Das gilt besonders für Flächen, bei denen eine erhöhte Belastung durch Personen  zu erwarten ist, die den Schnee darüber festtreten werden.

Beim Vertikutieren ist es wichtig, die Messer nicht zu tief einzustellen, damit die Rasenwurzeln nicht beschädigt werden. Die Lücken, die durch die Entfernung von Moos entstehen, können durch das Säen von Grassamen geschlossen werden. Da der Boden im September und Oktober noch warm ist, eignet er sich sehr gut für die Aussaat. Wichtig ist natürlich, dass auch zu dieser Jahreszeit die Rasensamen ordentlich angedrückt und immer feucht gehalten werden müssen. Nur so kann der Rasen bestmöglich keimen. Auch sollte man kontinuierlich dafür sorgen, dass Laub und Äste weitestgehend nicht auf der Rasenfläche verbleiben. Stark beanspruchte Stellen können bei Bedarf noch gedüngt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, keinen normalen Rasendünger zu verwenden, der diesem einen neuen Wachstumsschub verpassen würde. Es gibt spezielle Herbstrasendünger, die mit wenig Stickstoff und viel Kalium versehen sind. Diese sorgen nicht für ein Wachstum des Rasens, versorgen die Rasenpflanzen aber mit zusätzlichen Nährstoffen.

Beete, die in der warmen Jahreszeit eine ansprechende Blütenpracht hervorbringen sollen, sind ebenfalls arbeitsintensiv. Bei schweren und harten Böden muss umgraben werden. Tonhaltige Böden verdichten sich sonst und bieten dem Niederschlag keine Chance, ins Erdreich einzudringen, wenn sie nicht aufgelockert werden.

 

 

 

Blumenzwiebel müssen schon vor Wintereinbruch eingesetzt sein.

 

Böden durchlüften

Diese Böden erkennt man an ihrer gräulichen Färbung und daran, dass sie bei Trockenheit wie rissiger Beton aussehen. Hier ergibt das Graben für den Winterschutz Sinn: Der Bodengrund wird grobschollig aufgestochen und umgeworfen. Die Oberfläche wird durch das Umgraben durchlüftet und nimmt Feuchtigkeit besser auf. Umgraben macht alle hartbödigen Beete winterfest und fit für den nächsten Frühling. Auf lange Sicht gesehen kann auf diese Weise außerdem  aus einem harten Boden nach und nach ein nährstoffreicher, weicher Boden geschaffen werden. Sandige Böden hingegen werden nicht umgegraben, um die Bodenstruktur nicht zu stören. Bei leichten, lockeren Böden ist eine schützende Decke aus Mulch empfehlenswert. Soll die Gemeinde bereits zu Ostern in Blütenpracht erstrahlen, müssen bereits im Herbst Violen oder andere Frühjahrsblüher gesetzt werden. Auch das Einpflanzen von Stiefmütterchen oder das Einsetzten von Zwiebeln für Tulpen und Narzissen muss bereits im Herbst erledigt werden. Pflanzen, die nicht winterfest sind, müssen eingewintert werden. Um Kosten zu sparen, empfiehlt es sich, diese vornehmlich in Trögen zu halten, die als Ganzes verbracht werden können. Einige Gemeinden sind dazu übergegangen, derartige Gewächse samt Trögen anzumieten. Der Vertragspartner kümmert sich dabei sowohl um die Pflege der Pflanzen während der warmen Monate als auch um das Aufstellen und Einsammeln der Tröge, inklusive deren Einwinterung.

 

 

Bäume zurückschneiden

Blumen, Beete, und farbenprächtige Bepflanzung sind zweifellos ein Hingucker, dennoch lässt sich diese Art der Ortsbildgestaltung gegebenenfalls einsparen. Insbesondere dann, wenn das Budget knapp bemessen ist, denn abgesehen von Sträuchern, die ebenfalls gestutzt werden sollten, gibt es da noch dringendere, weil unerlässliche Aufgaben. Die Rede ist von den Bäumen. Die sollten nicht nur aus ästhetischen Gründen rückgeschnitten und ausgelichtet werden, sondern auch aus Sicherheitsgründen. Bei jedem Ast muss die Frage gestellt werden, welcher Schneelast er noch standhalten kann. Davon abgesehen ist das Beseitigen des Laubes von Straße und Gehweg ein weiterer zeitspieliger Punkt, der dennoch erledigt werden muss, will man sich hinsichtlich Haftungsfragen nicht schon vor dem ersten Frost auf dünnes Eis begeben.

 

 

 

Ein Rückschnitt der Bäume im öffentlichen Grün ist aus Sicherheitsgründen ein Muss – und es ist eine typische Herbstarbeit.

 

Hinweistafeln auf fehlende Schneeräumung anbringen

Beim Thema Sicherheit stehen weiters Aufgaben an, die auf den ersten Blick nur mittelbar etwas mit Grünflächen zu tun haben, bei der Vorbereitung auf die Winterzeit aber ebenso erledigt werden müssen. Sollen Parks, Auen, Wanderwege auch im Winter bestmöglich genutzt werden können, werden vermutlich Streugutcontainer aufgestellt werden müssen. Vom Ausbringen auftauender Streumittel ist im Grünraum allerdings abzusehen. Verzichtet die Kommune auf die Räumung, ist jedenfalls rechtzeitig zu kontrollieren, ob die Hinweistafeln zur fehlenden Schneeräumung bzw. Streuung vorhanden sind oder gegebenenfalls zu ersetzen sind.

 

 

Auch Spielplätze winterfest machen

Brenzlig kann es auch hinsichtlich Spielplätzen werden. Egal ob deren Bodenbelag aus Kies, Rindenmulch, weichen Verbundstoffelementen oder etwas anderem besteht – sobald Minustemperaturen herrschen, sind alle Untergründe steinhart. Nun montiert kaum eine Gemeinde wegen des Frosts die Spielgeräte ab. Allein schon aus Kostengründen nicht, aber auch, weil die Spielgeräte an allen frostfreien Tagen ebenfalls nicht zur Verfügung stünden. Im Fall einer rechtlichen Auseinandersetzung kann das aber böse Folgen haben. Als praktikable Lösung wird es daher nicht selten so gehandhabt, dass die Spielgeräte in tatsächlichen Kälteperioden unbenützbar gemacht werden, meist durch das Einzäunen mittels Baugittern. Der TÜV Austria rät Betreibern, die nicht permanent Spielplätze unter ihrer Verantwortung je nach Witterung sperren und wieder öffnen wollen, zumindest eine Warntafel am Spielsplatz anbringen, die auf das Frost-Risiko hinweist. Der Abbau von Geräteteilen mit größeren Fallhöhen ist zwar möglich, wird vom TÜV Austria aber aus praktischen Gründen nicht empfohlen.

Nicht zu vergessen sind auch bekannte Rodelstrecken. Hier gilt es, gefährliche Hindernisse zu entschärfen, zum Beispiel durch das Aufstellen von Strohballen.

 

 

Zeit für Reperaturen

Der Spätherbst  bzw. Winter ist auch die Jahreszeit für Reparaturen. Nun ist die beste Gelegenheit, Parkbänke, Spiel- und Sportgeräte auszutauschen, abzumontieren und in Ruhe wieder instand zu setzen.  Sofern die Grünanalgen über ein Bewässerungssystem verfügen, muss auch dieses winterfit gemacht werden, sprich sämtliche Wasserrohre zu Schutz vor Frostschäden gelüftet und, falls vorhanden, Pumpwerke ausgebaut werden. Gleiches gilt für (Spring-)Brunnen.
Das ist zweifellos eine Fülle an Aufgaben, die signifikante Kosten vor allem Richtung Personalaufwand bedeuten. Die spannendste Frage lautet daher, wie lassen sich diese Kosten reduzieren?

Kurzfristig nur, indem man Abstriche für Bevölkerung und Ortsbild in Kauf nimmt. Auf Blumen und ähnliche Bepflanzung, sowie alles, das nicht sicherheitsrelevant ist, kann man zur Not verzichten. Schlimmstenfalls bietet sich einem ab dem Frühjahr ein recht karges öffentliches Grün, das an manchen Stellen des Rasens auch eher ein öffentliches Braun sein mag.

 

 

Langfristige Planung hilft sparen

Mittelfristig gibt es allerdings einige Punkte, die Einsparungspotenzial bieten. Das Zauberwort dazu lautet „Konzept“, denn durch vorausschauendes Planen lassen sich auch unumgängliche Arbeiten vereinfachen.  Anzuraten ist auf alle Fälle eine ordentliche und langfristige Planung der gärtnerischen Gestaltung.  Naturnahe Wiesen bieten Lebensraum für zahlreiche Insekten, wie die gefährdeten Bienen und Schmetterlinge, und müssen kaum gemäht werden. Wird von Anfang an mitbedacht, wann welche Pflanzen blühen, lässt sich eine ausgewogene Blühverteilung vom Frühling bis in den Spätherbst hinein zusammenstellen. Pflegeintensive Pflanzen können durch andere Arten ersetzt werden, einjährige Gewächse können reduziert oder ganz vermieden werden. Parkmöblierung aus Stein mag teurer in der Anschaffung sein, ist aber robust, kaum reparaturanfällig und auch gegen Vandalismus widerstandsfähig.

Gleiches gilt für Sportgeräte. Massive und dennoch durchaus ansprechende Geräte aus Metall erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie sind TÜV-geprüft, leicht zu warten, winterfest und nicht nur für Jung sondern auch für Alt gleichermaßen attraktiv. Davon abgesehen bleibt man bei deren Benützung in Bodennähe, womit auch die Haftungsproblematik bzw. Fallhöhe nicht schlagend wird. Langfristig zahlt es sich auch aus, den Baumbestand zu modifizieren. Allergieauslösende Bäume wie zum Beispiel Birken sollten sowieso nicht im unmittelbaren Siedlungsgebiet gepflanzt werden. Aber auch Eichen sollten nicht im gepflegten Grünraum gepflanzt werden. Die verlieren ihr Laub nämlich den ganzen Herbst über nur nach und nach. Dieses muss daher immer und immer wieder eingesammelt werden, während andere Baumarten in einem kurzen Zeitraum rasch und vollständig entlauben. Kombiniert man diese Arten sinnvoll, hat man einen schönen Mix verschiedener Bäume, die dort, wo es notwendig ist, nur einen Bruchteil der Arbeit verursachen, die bei einer unbedachten Pflanzung entsteht. Gleiches gilt für den Rückschnitt. Arten, die von Haus aus schmalwüchsig oder gar ein Formgehölz sind, erfordern weit weniger Pflegeaufwand. Stimmt man dann noch die Baumart auf die Art des Bodens ab, hat man kräftige, gesunde Bäume für viele Generationen – auch im verbauten Gebiet. Welche Bäume welche Eigenschaften erfüllen, findet man etwa in der Wiener Straßenbaumliste oder der deutschen GALK-Straßenbaumliste. (Gartenamtsleiterkonferenz).

 

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