Österreich kommt bei der Stromübertragung aufgrund seiner zentralen Lage im Herzen Europas eine besondere Bedeutung zu.

Herausforderungen der Energiewende

Während die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien in vollem Gange ist, arbeitet die Austrian Power Grid (APG) mit Hochdruck daran, auch die Stromleitungen für die neuen Anforderungen fit zu machen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. KOMMUNAL sprach mit der Vorstandsvorsitzenden, Ulrike Baumgartner-Gabitzer.

Bis 2020 plant Österreichs E-Wirtschaft über 16,3 Milliarden Euro an Investitionen, davon acht Mrd. Euro für umweltfreundliche Stromerzeugung und 8,3 Mrd. für den Ausbau der Netze. Die APG selbst beziffert ihren Netzinvestitionsbedarf bis 2024 im NEP 2014 mit rund 2,5 Mrd. Was sind die wichtigsten Projekte? Wie sieht der Fortschritt beim Lückenschluss im Hoch- und Höchstspannungsnetz (380-kV-Ring) aus?

Unser 10-Jahres-Investitionsprogramm sieht bis 2024 eine jährliche Investitionssumme von rund 140 Mio. Euro vor. Die Mittel fließen zum einen in neue Leitungsprojekte wie den Bau der Salzburgleitung vom Netzknoten Tauern zum Umspannwerk Salzburg oder den Ersatzneubau der Weinviertelleitung aufgrund des hohen Alters der Leitung und zur Einbindung der dort neu entstehenden Windkraftwerke. Ein beträchtlicher Teil der Investitionen geht aber auch in die Modernisierung und Verstärkung unserer bestehenden Anlagen, die zum Teil bereits viele Jahrzehnte in Betrieb sind und den neuen Anforderungen an die Stromnetzinfrastruktur angepasst werden müssen.

Die Salzburgleitung ist nach wie vor im UVP-Genehmigungsverfahren. Wir würden uns wünschen und gehen auch davon aus, dass die zuständigen Behörden noch im Herbst dieses Jahres einen erstinstanzlichen Bescheid erlassen. Und wir hoffen, dass wir dann beim Schluss des für Österreich so wichtigen 380-kV-Sicherheitsrings zügig vorankommen.

Im Vergleich zum Strukturumbau bei der Erzeugung geht der Netzausbau nur sehr schleppend voran. Was ist der Grund dafür?

Hauptgrund dafür ist, dass die Genehmigungsverfahren für große Leitungsbauprojekte sehr komplex und daher auch sehr langwierig sind. Das österreichische UVP-Gesetz sieht eine maximale Verfahrensdauer bis zur erstinstanzlichen Entscheidung von neun Monaten vor. Bei der Salzburgleitung läuft das Verfahren aber zum Bespiel bereits seit 34 Monaten. Und wir warten nach wie vor auf eine Entscheidung der UVP-Behörden. Vor allem bei so wichtigen Infrastrukturvorhaben wie der Salzburgleitung ist dies ein inakzeptabler Zustand. Wir müssen hier zu wesentlich rascheren Verfahren kommen; und zwar ohne dabei die Qualität der Umweltverträglichkeitsprüfung zu beeinträchtigen. Ich bin überzeugt, das ist auch machbar.

Inwieweit kann und wird die Einführung der Smart Meter in Österreichs Haushalten die notwendigen Investitionskosten beim Netzausbau zu minimieren helfen?

Ich denke nicht, dass Smart Meter Netzinvestitionen minimieren – ganz im Gegenteil. Smart Meter können den Endkunden mehr Transparenz bei deren Stromverbrauchsverhalten bringen und damit Energieeinsparungen ermöglichen. Die Verteilnetzbetreiber investieren in den kommenden Jahren sehr hohe Summen in die Intelligenz ihrer Netze. Das Übertragungsnetz der APG ist bereits seit Jahren smart. Das liegt daran, dass unsere Hauptaufgabe darin besteht, in jeder Sekunde das exakte Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch in Österreich zu gewährleisten. Das können Sie nur mit einem intelligenten Netz bewerkstelligen.

Durch die anteilsmäßige Erhöhung der erneuerbaren Energien steigen auch die Schwankungen in der Stromproduktion und Verteilung. Welche Investitionen sind in Österreich notwendig, um die dazu erforderlichen Speicher- und Transportkapazitäten zu gewährleisten?

Unser 10-Jahres-Netzentwicklungsplan (NEP) sieht rund 140 Mio. Euro jährlichen Investitionsbedarf im APG-Netz vor. Der Hauptreiber dieses ambitionierten Programms ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir müssen in der Stromnetz-Hardware mit der raschen Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Stromerzeugung mithalten. In Zukunft wird aber auch die Verbesserung der Software zunehmend an Bedeutung gewinnen. Denn das Systemmanagement wird mit steigendem Anteil an Erneuerbaren an der gesamten Stromerzeugung immer herausfordernder. In diesem Bereich werden künftig Investitionsschwerpunkte zu legen sein.

Welche Bedeutung haben regionale Kleinkraftwerke für die Energiesicherheit und wie effizient sind sie aus Sicht des Übertragungsnetzbetreibers? Sind viele, kleine, dezentrale Kraftwerke ein Segen, da sie nahe am Verbraucher einspeisen und die großen Netze entlasten, oder sind sie eine Herausforderung?

Jede Erzeugungsform hat ihre ganz eigene Charakteristik und übernimmt daher auch ihre eigene Funktion im Stromversorgungssystem als Ganzes. Wir als APG müssen im Bereich der Infrastruktur das Gesamtsystem managen. Und wir orientieren uns daher an den sich abzeichnenden langfristigen Entwicklungen. In der Erzeugungslandschaft der Zukunft werden Windkraft und Photovoltaik eine immer bedeutendere Rolle spielen– national, aber insbesondere auch international. Diese Erzeugungsformen müssen sinnvoll in das Stromversorgungssystem integriert werden. Um die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit aber nicht zu gefährden, werden wir auch weiterhin flexible thermische Kraftwerke brauchen, die in der Lage sind, Erzeugungsschwankungen der Erneuerbaren jederzeit auszugleichen.

Ulrike Baumgartner-Gabitzer: „Ich denke nicht, dass Smart Meter Netzinvestitionen minimieren – ganz im Gegenteil.“

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