Foto: Votava

„Ganztagsbetreuung wird weiter forciert“

Do, 26.03.2015 - 11:07

In Zukunft will Wien noch mehr Kinderbetreuungsplätze für Null- bis Dreijährige schaffen und die Anstrengungen bei der sprachlichen Frühförderung erhöhen, schildert Wiens Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch im Interview mit KOMMUNAL.

Herr Stadtrat, Herr Gemeinderat, fühlen Sie sich eigentlich eher als Landes- oder als Kommunalpolitiker?

Sowohl als auch. Wien hat als Gemeinde eine Vielzahl von Aufgaben, die gerade in meinen Arbeitsbereich als Bildungsstadtrat fallen: Dazu zählen vor allem die Kindergärten oder die Erhaltung und der Neubau von Schulen, die wir nach modernsten pädagogischen Erkenntnissen planen und umsetzen. ...

Wien hat mit 104 Prozent bei den Drei- bis Sechsjährigen die mit Abstand höchsten Versorgungsquoten. Warum diese Über-Deckung und was peilen Sie für die Null- bis Dreijährigen an?

Tatsache ist: Auch 104 Prozent Versorgung bedeuten nicht, dass jedes Kind seinen Wunschkindergartenplatz bekommt, weil die Auslastung unterschiedlich ist. Eltern suchen nicht unbedingt immer in Wohnungsumgebung einen Betreuungsplatz, sondern auch in Arbeitsplatznähe oder in der Nähe der Oma etc. Intensiv neue Plätze werden für Null- bis Dreijährige geschaffen: Hier möchten wir schon bald die 50-Prozent-Marke erreichen. Das kostet natürlich viel Geld, weil nicht nur der eigene, sondern auch der laufende Betrieb privater Plätze von der Stadt gefördert wird. Insgesamt umfasst das Budget für den gesamten Kindergartenbereich heuer über 700 Mio. Euro.

In Wien ist der Kindergarten nicht nur im letzten Kindergartenjahr beitragsfrei, sondern bereits in der Krabbelstube. Wie stellt Wien die Finanzierung sicher?

Wir haben bereits vor Beginn des Projektes „Gratiskindergarten“ klargestellt, dass es sich um eine nachhaltige Maßnahme im Bildungsbereich handelt, die allen Wiener Familien zugute kommen soll. Und wir stehen – im Gegensatz zu manchen anderen Bundesländern – nach wie vor dazu: Der Gratiskindergarten in Wien bleibt, das Budget ist für die nächsten Jahre gesichert.

 Wo werden zukünftig die Prioritäten im frühkindlichen Bereich gesetzt?

Wir sehen den Kindergarten vor allem als erste Bildungsinstitution, wo jedes Kind, unabhängig von Einkommen, Bildung und Herkunft mit gezielten, individuellen Angeboten unterstützt wird. Als erstes Bundesland hat Wien bereits 2006 einen eigenen Bildungsplan erarbeitet. Das Thema Sprache spielt auch in Zukunft eine wichtige Rolle: Derzeit sind 120 SprachförderassistentInnen im Einsatz, die Zahl dieser wird nun auf 240 verdoppelt, nachdem es nun endlich zu einem positiven Verhandlungsergebnis mit dem Bund gekommen ist und es eine neue 15a-Vereinbarung zu diesem Thema geben wird.

 Wie stehen Sie zu einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr?

Tatsache ist, dass gerade in Wien über 91 Prozent der Vierjährigen bereits im Kindergarten sind. Ich wehre mich nicht gegen ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, sinnvoller wäre aber eine Ausdehnung der frühen sprachlichen Frühförderung bereits auf vierjährige Kinder.

Wien hat einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. Ist der Ausbau der Ganztagsbetreuung Grundvoraussetzung für eine gelungene Integration?

Es ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Internationale Studien belegen ganz klar, dass von Ganztagsbetreuung vor allem auch Kinder mit Migrationshintergrund, aber auch Kinder aus sozial schwachen Familien profitieren.

In den kleinen und mittleren Gemeinden gibt es große Skepsis gegen die Forderung nach einer Akademisierung der PädagogInnen. Wie stehen Sie dazu?

Da der Kindergarten die erste Bildungseinrichtung für Kinder ist, stellt die Elementarpädagogik eine gesellschaftlich besonders wichtige Rolle dar. Jeder Schritt in Richtung Akademisierung ist daher zu begrüßen, auch wenn ich von einer Verpflichtung nicht viel halte. In meiner Vorstellung soll künftig jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter die Möglichkeit haben, eine durchgängige Bildungskarriere im elementarpädagogischen Bereich zu absolvieren. Das heißt, im Kindergarten sind Menschen mit unterschiedlichsten Ausbildungsgraden und unterschiedlichen Aufgaben tätig – vom Assistenten bzw. der Assistentin bis zum Leiter bzw. der Leiterin mit akademischer Ausbildung.

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