EPSAS: Der Weisheit letzter Schluss?

Mi, 25.03.2015 - 10:59

Nicht nur in Österreich sind Gemeinden mit enormen Mehrausgaben für diverse Buchhaltungspläne konfrontiert. Für ganz Europa drohen nur deswegen Mehrausgaben in Milliardenhöhe.

Was ist oder sind EPSAS, werden einige fragen. Nun, EPSAS steht für European Public Sector Accounting Standards, also europäische Rechnungslegungsvorschriften für die öffentliche Hand. Und allen, denen die Abkürzung nicht geläufig ist, übermittelt die EU-Kommission einen Weckruf aus dem 21. Jahrhundert.

Denn Gebietskörperschaften, die noch auf Kassenbasis rechnen, befinden sich nach Ansicht der Kommission in der buchalterischen Steinzeit. Die Diskussion Doppik versus Kameralistik ist also keineswegs eine rein österreichische.

Seit Beginn der Staatschuldenkrise wird auf EU-Ebene intensiv darüber nachgedacht, wie man zu vergleichbaren Rechnungsabschlüssen für 28 Mitgliedstaaten kommt. Einheitliche europäische Standards gelten als Patentlösung, wobei diese nicht nur für die zentralstaatliche Ebene gelten sollen, sondern auch für Länder und Gemeinden.

Eine von der Kommission in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass es generell die kommunale Ebene ist, die bereits einen Schritt aus der Steinzeit gewagt hat; kommunale Buchhaltung entspricht in den meisten Mitgliedstaaten zu über 50 Prozent den internationalen Standards (IPSAS). Dies gilt allerdings nicht für Österreich, hierzulande nähert sich das kommunale Rechnungswesen nur zu 12 Prozent den IPSAS an. Damit teilen wir uns weit abgeschlagen den letzten Platz mit Griechenland.

Doch Vorsicht: Selbst Gemeinden, die eine IPSAS-orientierte Doppik anwenden, werden bei der Umsetzung europäischer Standards gehörigen Anpassungsbedarf haben.

Denn einheitliche und transparente EPSAS bedeuten für alle derzeitigen Systeme Anpassung der EDV und möglicherweise Einstellung neuen Personals oder den Zukauf externer Expertise.

Für die einen vielleicht ein Sprung von der Steinzeit ins 21. Jahrhundert, für die anderen noch immer mit erheblichen Kosten verbunden.

Die Zukunftsfrage sollte also nicht sein, wer schon jetzt internationale Standards der unternehmerischen Buchführung umsetzt, sondern wie das öffentliche Rechnungswesen zur besseren Haushaltskontrolle und Erfüllung der Stabilitätskriterien beitragen kann.

In Zeiten knapper Budgets, in denen viele Gemeinden kaum mehr Investitionsspielraum haben und Dienstleistungen zurückfahren müssen, sollte zuallererst darüber nachgedacht werden, wie gesteckte Ziele möglichst kostengünstig zu erreichen sind. Ob die flächendeckende Einführung von EPSAS, mit einem geschätzten Volumen von bis zu 6,9 Milliarden Euro, der Weisheit letzter Schluss ist, darf bezweifelt werden.

Die Forderung des Österreichischen Gemeindebundes nach vereinfachten Bestimmungen für kleinere Einheiten kann also direkt von der österreichischen auf die europäische Ebene übertragen werden.

Mehr zum Thema

Immer informiert bleiben!

Jetzt für KOMMUNAL.AKTUELL anmelden und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Ja, ich möchte im Newsletter persönlich angesprochen werden! (optional)

Aktuelle Beiträge aus allen Themenbereichen