KOMMUNAL-Redakteur Andreas Hussak

„Geh Opa, red’s in deinen Roboter!“

Jedesmal wenn im Sozialbereich vom Ersetzen des Menschen durch Technik die Rede ist, beschleicht mich ein ganz ungutes Gefühl. Ich will mich im Alter nicht von einem Algorithmus bespaßen lassen, meine Probleme nicht einem analysierenden Cloudspeicher erzählen und einsam auf den Tod warten, der dank der vollvernetzten Sensorik um mich herum automatisch antizipiert und hinausgezögert wird.

Ich will zwischenmenschlichen Kontakt, menschliche Aufmerksamkeit und das Gefühl, noch an der Gesellschaft teilzuehmen. Ich will mich nicht „berobotern" lassen, weder körperlich, noch geistig und schon gar nicht seelisch. Womöglich mag das immer noch besser sein als gar keine Ansprache zu haben, dennoch kann das keine anzustrebende Zukunftsvision sein. Allerdings zeigt die Geschichte, wenn etwas technisch möglich ist, dann wird es über kurz oder lang unweigerlich auch umgesetzt. Dem kostengünstigen Heimbetreuungsersatz „over IP" werden manche Bevölkerungsschichten nicht entgehen können. Wenn sie Pech haben, ist er als Freemium-Modell auch noch werbefinanziert, Dauerberieselung am Sterbebett inklusive.

Mir vorzustellen, wie Trauer-Bots zu meinem Begräbnis kondolieren werden, spendet mir in etwa so viel Trost, wie mir binäre Empathie im Gesamten hilft. Nämlich gar nicht.

Aus volksökonomischer Sicht wäre es das Ideal, wenn die Menschen möglichst lange und bis möglichst kurz vor ihrem Tod agil bleiben, zu Hause leben und gegebenenfalls auch dort gepflegt oder auch nur betreut werden. Übrigens ist das gleichzeitig auch das weitestverbreitete Wunschszenario in der Bevölkerung hinsichtlich des eigenen Lebensendes.

Natürlich hängt die eigene Gesundheit auch von unbeeinflussbaren Faktoren ab. Im eigenen Einflussbereich liegt aber, günstige Voraussetzungen für ein gesundes Leben zu schaffen. Um im Alter körperlich und geistig beweglich zu sein, sollte man schon heute damit anfangen. Auch wenn die Roboter vorerst noch nur an die Medikamente erinnern, in zwanzig Jahren ist der elektronische Heimbetreuer vielleicht der einzig leistbare oder von der Kasse abgedeckte. Wer angesichts dessen erst dann beginnt, noch die Kurve kratzen zu wollen, für den könnte es zu spät sein.

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