Arbeitsplatz ist dort, wo immer auch Menschen arbeiten. Foto: bikeriderlondon - shutterstock.com

Es dreht sich alles immer nur um die Menschen

Arbeitszeiten und -orte werden immer flexibler. Mit der steigenden Internationalisierung steigt nicht nur die Reisetätigkeit der Mitarbeiter, der Arbeitsplatz an sich und die Begleitumstände des Jobs werden immer wichtiger. Diese Umbrüche schreien nach neuen Strategien zur Arbeitsplatzgestaltung.

Eine optimale Arbeitsplatzinfrastruktur ist nicht nur notwendig, sie bietet auch ungemeine Potenziale: Sie wirkt sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus, die Mitarbeiterproduktivität steigt und Krankenstandstage sinken. Somit hat sie auch großen Einfluss auf die Attraktivität eines Arbeitsplatzes.

Internationale Arbeitsplatzstrategien

New ways of working in Europa und den USA. Die besten Köpfe der Branche zu rekrutieren und zu binden ist ein weiterer Schlüsselfaktor für den Erfolg eines Unternehmens und die Arbeitsplatzgestaltung ist von enormer Bedeutung dafür. Kein Wunder also, dass internationale Konzerne auf New Ways of Working setzen. Franz Hiesinger, CFO Mondi: „Unsere neue Arbeitsplatzgestaltung inspiriert, sie unterstützt unsere Mitarbeiter und ermöglicht es ihnen produktiv zu sein. Dies hilft dem Kerngeschäft am meisten.“ Tammy Robinson, Leiterin Human Ressources (entspricht einer Personalchefin) bei ASICS, zeigt, welche Maßnahmen sie einsetzen, um in ihren Niederlassungen eine positive und  angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen - ASICS geht einen Schritt weiter. Neben neuen Räumlichkeiten, die von den Mitarbeitern mitgestaltet wurden, stellt ASICS als Sportartikelunternehmen seinen Mitarbeitern auch umfangreiche Sportmöglichkeiten zur Verfügung und stellt Topathleten, aber auch Schulklassen und den Mitarbeitern ein Sportlaboratorium direkt in der Bürolandschaft zur Verfügung. So schafft ASICS die Verbindung zwischen seinen Athleten, seinen Produkten, Kunden und Mitarbeitern.

Corporate Social Responsibility und Facility Management

In Europa ist es ab 2017 für Unternehmen mit mehr als 500 Vollzeitmitarbeitern und in bestimmten Branchen verpflichtend, einen CSR-Report im Rahmen des Jahresabschlusses zu publizieren. Dabei ist aber Nachhaltigkeit weit mehr als reine Energieeffizienz. Alexander Redlein (TU Wien) zeigte die vielen weiteren Facetten der Nachhaltigkeit auf. Neben CO2-Reduktion ist es auch wichtig, Ressourcen zu optimieren, lokale Partner zu wählen und die Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei spielt sowohl die Umgebung für Kunden, als auch für Mitarbeiter und die Beziehung und Auswahl der Zulieferer eine große Rolle. Die eigenen Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen, um beste Leistungen erbringen zu können. Zudem soll Work-Life-Balance unterstützt werden z. B. durch Kindergartenplätze am Bürostandort. Natürlich ist auch der Wohlfühlfaktor für den Kunden, sprich den Besucher, wichtig: In einer angenehmen Umgebung bleibt er, kauft er und kommt auch wieder.

Auch auf die Corporate Social Responsibility wirkt sich die Arbeitsplatzgestaltung positiv aus. Pat Turnbull (Board of Directors IFMA) aus den USA erläuterte die Zusammenhänge zwischen Nachhaltigkeit und dem Arbeitsplatzmanagement. „Der richtige Zeitpunkt, Corporate Social Responsibility anzuwenden, ist genau jetzt“, so Turnbull. Arbeitsplatzgestaltung kann die Mitarbeiter unterstützen, ihre Arbeit besser und effizienter durchzuführen. Sie steigert Motivation und Engagement und stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Überlegungen. Zusätzlich benötigen neue Büroformen weniger Ressourcen. Alle großen Umzüge in Wien führten zu einer Flächenreduktion bei gleichzeitiger Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit. So kann Arbeitsplatzgestaltung auch die Säulen Ressourceneffizienz und Ökonomie unterstützen.

Smart Buildings: High Tech vs. High Touch

Gebäude werden immer mehr zu komplexen Maschinen, aus diesem Grund werden Fachkräfte für den Betrieb und die Wartung benötigt. Dadurch steigen natürlich auch die Betriebskosten. Da drängt sich die Frage auf, ob High Tech Gebäude wirklich so viel zum Wohlbefinden der Nutzer beitragen. Automation macht ein Gebäude zwar flexibler nutzbar, dennoch ist es ein Diskussionspunkt, ob nicht vielleicht „High Touch“ Gebäude mit einer klugen Architektur wesentlich benutzerfreundlicher und wirtschaftlicher wären. Bedeutung gewinnt die Diskussion auch vor dem Hintergrund der derzeit stattfindenden Gespräche über eine neue Gesetzgebung im Bereich Immobilien. Das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG), aber auch das Mietrechtsgesetz (MRG) werden gerade diskutiert. Eigentümer sollen zu noch mehr Qualität und Effizienz (z. B. beim Energieverbrauch) verpflichtet werden. Diese lassen sich zum Teil nur durch ein Mehr an Technik erreichen. Auch die periodische Erstellung von Gutachten z. B. im Bereich Elektrik soll einerseits für mehr Sicherheit der Nutzer sorgen, verunsichert aber die Eigentümer: Gilt der Bestandsschutz noch, oder wird hier stets die neueste Technik eingefordert? Gleichzeitig soll Wohnen leistbar sein und auch die Kosten für die Miete der Büroflächen sollen nicht steigen, um den Standort Österreich wettbewerbsfähig zu halten. Als Experte für Gebäudeautomation beleuchtete Dr. Wolfgang Kastner (Professor für Gebäudeautomation TU Wien) dieses Thema von wissenschaftlicher Seite. Viele technische Möglichkeiten werden derzeit noch nicht genützt. So könnte der Einsatz von intelligenten Kontrollnetzwerken die Verwendung der Technik wesentlich nutzerfreundlicher machen. Kritischer sehen DI Gleissner (CEO BIG Bundesimmobiliengesellschaft, der größte Büroimmobilienbesitzer in Österreich) und Mag. Wahlmüller (CEO Österreichisches Siedlungswerk, einer der größten Entwickler im Bereich Wohnen) die immer höheren Anforderungen durch Gesetze und Normen. Gleissner meinte: „Es gibt immer mehr Normen und diese werden immer umfangreicher.“ Wahlmüller: „Und viele der Maßnahmen sowie Technologien rechnen sich nicht oder nur äußerst langfristig. Man muss dann kritisch analysieren, ob Mieter wirklich bereit sind, dafür zu zahlen. Neben erhöhten Errichtungskosten steigen vor allem die Betriebskosten.“

Human Facility-Management

Am zweiten Tag des Kongresses wurde nochmal das Thema Mensch und Arbeitsplatz ins Zentrum gerückt. Nancy Sanquist (IFMA Foundation USA) und Clive Woodge (SCG UK) nahmen im Rahmen einer Podiumsdiskussion dazu Stellung. Dabei stellten sie das Corporate Design und dessen Widerspiegelung am Arbeitsplatz in den Vordergrund. Laut Clive verkörpert das Büro das Unternehmen, und dessen Gestaltung spielt eine große Rolle für die Mitarbeiterbindung. Er demonstrierte dies anhand von erfolgreichen Beispielen der HSBC Group und Mindshare.

Science meets practice

Der weitere Teil des Kongresses wurde ganz der Wissenschaft gewidmet und punktete mit vielfältigen Vorträgen. Der erste Beitrag beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen Corporate Social Responsibility (CSR) und Facility Management-Aktivitäten. Aufgrund diverser Richtlinien und gesellschaftlicher Ansprüche ist es für Unternehmen unumgänglich, CSR in die Unternehmensstrategie aufzunehmen. Facility Management stellt eine gute Möglichkeit dar, CSR-Ziele zu definieren und umzusetzen. Eine Studie der TU Wien zeigt praktische Ansätze im Bereich Energie, aber auch Flächenmanagement auf. Einsparungen lassen sich dort durch FM direkt umsetzen und die Zufriedenheit wesentlich steigern.

Neben sozialer Verantwortung müssen sich Unternehmen heutzutage auch vielen weiteren Fragestellungen widmen. Eine davon ist die optimale Organisation, um die verschiedenen Teilbereiche des Facility Managements bestmöglich managen zu können. Im zweiten Beitrag wurden dazu nicht nur die möglichen Ansätze verglichen, sondern auch die jeweiligen Vor- und Nachteile präsentiert. Auch diese Studie aus UK zeigt, dass FM Teil des Management Teams auf der Auftraggeberseite sein muss, um gute Ergebnisse und eine Abstimmung mit dem Kerngeschäft sicherzustellen.

Danach zeigten Wissenschaftler aus den USA, wie Facility Management zur Kundenbindung beitragen kann. Die Beziehung eines Kunden zur Gebäudeinfrastruktur und Services beeinflusst wesentlich sein Kaufverhalten.

Anschließend wurde der Schwerpunkt wieder auf die Arbeitsplatzgestaltung gelegt. Für die optimale Arbeitsplatzinfrastruktur ist es essentiell, die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erforschen. Viele Medienberichte weisen darauf hin, dass sich diese Bedürfnisse von Generation zu Generation unterscheiden. Dieser Generationsunterschied konnte aber von einer Studie aus den Niederlanden widerlegt werden. Auch in Krankenhäusern spielt die Umgebung für die Genesung von Patienten eine große Rolle. Dies war bereits ein wichtiges Thema in der Antike. Ein niederländischer Forscher leitete Fragestellungen und Empfehlungen für das moderne Gesundheitssystem aus historischen Beispielen ab.

Der 8. IFM Kongress war ein gelungener Brückenschlag zwischen Forschung und Praxis, bei welchem die neuesten Erkenntnisse und Trends von internationalen Experten zu topaktuellen Themen wie geplante Änderungen im Mietrechtsgesetz, neue Arbeitsweisen und -welten sowie Nachhaltigkeit präsentiert und diskutiert wurden.

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