Lissabon
Wie viele Städte leidet auch Lissabon unter einer Wohnraumkrise.
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Die UFGC: Für nachhaltigere Kommunen weltweit

11. Januar 2020
Die URBAN FUTURE Global Conference (UFGC) ist der weltweit größte Treffpunkt für „CityChanger“. Die UFGC wurde 2014 von Gerald Babel-Sutter ins leben gerufen und findet jährlich in wechselnden europäischen Städten statt. Sie versammelt die innovativsten Köpfe unserer Zeit und versteht sich als neutrale Plattform ohne politische Agenda.

Nach den Konferenzen in Graz und Wien trafen im Mai 2019 in Oslo mehr als 2600 Experten und Expertinnen und urbane Entscheiderinnen und Entscheider aus rund 60 Ländern zusammen.

Eine ähnliche Zahl erwartet Lissabons Bürgermeister Fernando Medina auch vom 1. bis zum 4. April 2020 in Europas Umwelthauptstadt. „Städte spielen in der aktuellen Klimaschutzdebatte eine besonders wichtige Rolle, da sie für die meisten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind und einen Großteil der Industriebetriebe beherbergen. Daher müssen sie in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht nachhaltiger werden, um auch nächsten Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Deshalb lassen wir uns von anderen Städten inspirieren und hoffen, dass auch unsere Initiativen für nachhaltige Stadtentwicklung von City-Changern aufgegriffen werden“, erzählt Medina. 

Warum Lissabon?

Dass die portugiesische Hauptstadt mehr zu bieten hat als bunte Fliesen, Hügel und gelbe Straßenbahnen, wird schnell klar. Lissabon versprüht einen besonderen Charme und ist stolz auf seine Identität. Tradition wird hier großgeschrieben, trotz des teilweise heftigen Touristenansturms, der die Infrastruktur gelegentlich an ihre Grenzen bringt.

Gerald Babel-Sutter
Gerald Babel-Sutter, Gründer und CEO der UFGC: „Ob klein oder groß, am Meer oder in Bergen gelegen, jede einzelne Kommune ist gefordert, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.“

Für Gerald Babel-Sutter, CEO, Gründer und Programmdirektor der UFCG, ist Lissabon als Austragungsort für die Urban Future Global Conference im nächsten Jahr geradezu prädestiniert: „Lissabon wurde aufgrund seiner nachhaltigen Stadtentwicklung in den letzten zehn Jahren völlig zu recht als Europäische Umwelthauptstadt 2020 ausgezeichnet. Bemerkenswert ist nicht nur der Ansatz, den Mensch in den Mittelpunkt der Stadtplanung zu stellen, sondern auch die Fortschritte bei Energieeffizienz und Wassermanagement. Damit tritt Lissabon auch den Beweis an, dass nicht nur urbane Zentren im Norden Europas Vorreiter bei nachhaltiger Entwicklung sind. Ob klein oder groß, am Meer oder in Bergen gelegen, jede einzelne Stadt ist gefordert, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.“

Bevölkerung schrumpfte wegen mangelnder Perspektiven 

Besonders stark traf Lissabon die Wohnraumkrise. Nach der Wirtschaftskrise hat rund ein Drittel der Bevölkerung mangels Perspektiven die Stadt verlassen – von 800.000 Einwohnern 1980 schrumpfte die Bevölkerung auf rund 600.000 im Jahr 2017. Das hatte und hat massive Folgen nicht nur für die Bausubstanz. Das Problem der „Zweitwohnsitzer“ (reiche Ausländer kaufen billig alte Häuser und Wohnungen und nehmen sie so vom Wohnungsmarkt) haben dazu geführt, dass mittlerweile ein tourismusfeindliches – oder zumindest skeptisches – Klima in der an sich offenen und freundlichen Stadt Einzug gehalten hat.

Hauptprobleme Verkehr und Wasserversorgung

Auch die Infrastruktur leidet unter erheblichen strukturellen Problemen. Vor allem der Verkehr und die Wasserversorgung sind ein Problem. Derzeit kämpft die Stadt darum, das Öffi-Netz unter kommunale Verwaltung stellen zu können – bislang war das staatliche Zuständigkeit. Und die Wasserversorgung? Durch Modernisierung der maroden Leitungen konnte der Wasserverlust von 30 Prozent auf unter zehn Prozent gedrückt werden. Für Straßenreinigung und Blumengießen wurde ein zweites Netz für recyceltes Wasser installiert. 

Radfahren während der UFGC
Neben den Vorträgen bietet die UFGC auch zahlreiche Erfahrungen bei Exkursionen und Stadt-Erfahrungs-trips an – bei jedem Wetter.

Inhaltlich wird sich bei der UFGC alles um die vier großen Themen Mobilität, Wasser, Stadtviertel und Leadership drehen. Soeben wurden die ersten Speaker präsentiert, darunter bewährte Mitglieder der Urban Future Familie wie Mikael Colville-Andersen, Fabian Dattner oder Erion Veliaj, aber auch „neue Gesichter“ wie Schriftstellerin Margaret Heffernan oder Mario Raimondi, Gründer von El Desafio, einer Organisation zur Reduktion von urbaner Armut in Argentinien. 

Tickets für die UFGC20 sind ab sofort verfügbar:
www.urban-future.org/ufgc20/