Windkraftanlage
Shutterstock/P. Heitmann
Die Weiterentwicklung der Windkrafttechnologie im Hinblick auf die technisch realisierbaren Anlagenhöhen sowie Rotordurchmesser zeigt steil nach oben.

Worauf man bei der Errichtung von Windparks achten muss

Die rasante Entwicklung der Windkraft seit den frühen 2000er-Jahren, weg von einem Nischenprodukt hin zu einem wesentlichen Bestandteil der erneuerbaren Energieerzeugung in Österreich, zeigt deutlich das enorme Potenzial auf, welches in der Umwandlung von Windenergie in elektrische Energie steckt.

In den Anfängen getragen durch Pioniere und lokale Initiativen, ist die Windkraft heute aus dem Produktportfolio namhafter Energieerzeuger nicht mehr wegzudenken. Besonders im windreichen Osten Österreichs hat der Ausbau der Windkraft deutliche Spuren sowohl in der Kulturlandschaft als auch in der Energielandschaft hinterlassen. So können etwa die Bundesländer Niederösterreich und Burgenland ihren Strombedarf (bilanziell) zu 100 Prozent aus Windkraft decken (IG Windkraft, Österreich 2019).

Technologie wurde stark weiterentwickelt

Die Weiterentwicklung der Windkrafttechnologie im Hinblick auf die technisch realisierbaren Anlagenhöhen sowie Rotordurchmesser zeigt steil nach oben, wodurch aktuelle, dem Stand der Technik entsprechende Windkraftanlagen den etwa 15-fachen Energieertrag im Vergleich zu den ersten Großwindkraftanlagen der 2000er-Jahre liefern können.

Obwohl viele geeignete Standorte in den Gunstlagen in Ostösterreich in den letzten zwei Jahrzehnten bereits bebaut wurden, bedingt diese rasante technologische Entwicklung auch in Zukunft einen weiteren Zu- und Umbau im Bestand (Stichwort Repowering: Aufwertung von Altstandorten durch aktuelle Anlagentypen). Ergänzend können durch die hohe Effizienz moderner Anlagen neue, weniger windstarke Standorte erschlossen werden.

Entwicklung der Windkraft
Die Entwicklung der Windkraft

Folglich erscheint es trotz vieler erfolgreich umgesetzter Projekte weiterhin sinnvoll, sich mit den wesentlichen fachlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Windkraftvorhaben zu beschäftigen.

Standortfaktoren für Windparks

Die maßgeblichen Standortfaktoren für die Prüfung der Realisierbarkeit eines Windparks können wie folgt zusammengefasst werden:
•    Mindestabstände zu Siedlungsräumen sind einzuhalten.
•    Schall- und Schattenwurfemissionen: Entsprechende Grenzwertkriterien sind einzuhalten.
•    Naturschutz: Insbesondere windkraftsensible Vogel- und Fledermausarten sind zu berücksichtigen.
•    Landschafts- und Ortsbild: Sensible Räume sind freizuhalten.

In weiterer Folge ist ein zumeist dreistufiger Planungsprozess zu durchlaufen, wobei sich die einzelnen Teilschritte auf Grund der Rechtslage in den Bundesländern unterscheiden können.

Gestaltungsmöglichkeiten der Gemeinden

Nach Festlegung von Eignungszonen auf der Landesebene (erste Planungsebene) obliegt den Gemeinden eine grundlegende Gestaltungsmöglichkeit im Rahmen der Entwicklungsplanung und Flächenwidmung.

In der Praxis wird dieser zweiten Planungsebene jedoch zu wenig Bedeutung beigemessen und die Widmung auf Grundlage bereits sehr konkreter Planungsvorgaben durch Projektwerber (zumeist auf Basis eines fix definierten Windparklayouts) ausgewiesen.

Dadurch wird das Potenzial einer vorausschauenden Planung nicht ausgeschöpft und die Möglichkeiten der Mitgestaltung eines Windparkvorhabens durch den Gemeinderat bzw. durch interessierte BürgerInnen nicht ausreichend genutzt.

Konkrete Bedenken gegen ein Vorhaben tauchen daher oft erst in der dritten Planungsebene (Genehmigungsverfahren) auf, wobei in dieser Phase nur mehr sehr wenig Gestaltungsspielraum in der Entwicklung eines Windparks bleibt.

Mögliche Planungsvorgaben

Wird die Zonierung / Flächenwidmung auf Gemeindeebene jedoch rechtzeitig vor Ausarbeitung eines konkreten Einreichprojekts (durchaus in Abstimmung mit dem Projektwerber) durchgeführt, können ergänzende Planungsvorgaben seitens der Gemeinde und deren BürgerInnen definiert werden.

Mögliche Planungsvorgaben können sein:
•    Erhöhung des Mindestabstandes zu sensiblen Ortsteilen
•    Freihaltung von Sichtachsen
•    Berücksichtigung von landschaftlich hochwertigen Räumen
•    Zeitlich gestaffelte Umsetzung (nach dem Muster von Aufschließungszonen) 

Diese können im Rahmen der (für die Widmung von Windparkvorhaben verpflichtenden) strategischen Umweltprüfung (SUP) abgewickelt werden.

Umsetzung eines Windparks
Die Umsetzung eines Windparks am Beispiel Niederösterreich.

Wo Windparks behutsam verwirklicht wurden

Diesem Gedanken folgend, können beispielhaft die Gemeinde Prellenkirchen (Bezirk Bruck/Leitha) sowie die Gemeinden Wolkersdorf im Weinviertel / Pillichsdorf / Großengersdorf (Bezirk Mistelbach) im Hinblick auf das genannte vorausschauende, behutsame Vorgehen angeführt werden.

Auf den Gemeindegebieten wurden in enger Abstimmung zwischen den Gemeinden und den Windparkbetreibern zeitlich gestaffelt mehrere Windparks umgesetzt. Unter Beteiligung der lokalen Bevölkerung wurde auf die Freihaltung von sensiblen Wald- und Weinbauflächen sowie eine Harmonisierung der Bauhöhen der Windkraftanlagen geachtet.

Hinsichtlich der Akzeptanz von Windkraftprojekten ist festzustellen, dass eine hohe Zustimmung gerade in diesen durch Bürgerbeteiligung und umsichtigen, stufenweisen Windkraftausbau geprägten Gebieten, wie dem Weinviertel oder dem Brucker Becken, herrscht. 

Gute Planung bringt Akzeptanz 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Gemeinden neben den positiven monetären Effekten (durch Pacht- oder Gestattungszahlungen) auch durch die deutliche Aufwertung des Wirtschaftswegenetzes im Zuge der Umsetzung eines Windparks profitieren können.

Des Weiteren kann bei vorausschauender Planung ein wertvoller Beitrag zur Akzeptanz von Windenergie und zur Erreichung der Ausbauziele erneuerbarer Energieträger geleistet werden.   

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