Bart Somers, Bürgermeister von Mechelen
Bürgermeister Bart Somers setzte nicht auf Polizeipräsenz, sondern übertrug jungen Migranten Verantwortung.

Wie Mechelen gelebte Offenheit umsetzt

Bart Somers ist Bürgermeister der belgischen Stadt Mechelen. Er erzählt, wie es gelungen ist die ehemalige Problemgemeinde in eine Vorzeigebeispiel für soziale Offenheit und Lebensqualität zu verwandeln.

Mechelen galt einst als Sorgenkind Belgiens. Anfang der 2000er-Jahre war es die schmutzigste Stadt des Landes mit großen sozialen Spannungen und hoher Kriminalitätsrate. Als Bart Somers Bürgermeister wurde, lag sein Hauptaugenmerk darauf, diesen Zustand zu ändern, ohne jedoch jene Methoden anzuwenden, die Populisten gerne als Lösungsstrategien propagieren.

Er war erfolgreich. Die Kriminalität sank um 75 Prozent, die Stadt wurde sauber, und die sozialen Spannungen sind Vergangenheit. Während sich aus anderen Städten hunderte Personen dem IS anschlossen und nach Syrien gingen, war es aus Mechelen keine einzige. Wie hat Somers das geschafft?  

Sicherheitsgefühl wieder hergestellt

Im Wesentlichen sind es zwei Punkte, denen er sich zentral annahm, der Sicherheit und der gelebten Diversität.

Die Bürger klagten über Drogendealer und den Schmutz auf den Straßen, hatten Angst, ihre Kinder in so einem Umfeld großzuziehen, und Somers realisierte, dass die Ursache für die Zustände letztendlich immer den Migranten zugeschrieben wurde. „Migration“ war für die Bürger ein Synonym für den Abstieg.

Zuallererst musste also die Sicherheit wiederhergestellt werden. Somers tat das nicht, indem er wie andernorts die Polizeipräsenz verstärkte, sondern indem er den Leuten Verantwortung übertrug. Junge Migranten bekamen bezahlte Praktika bei der Stadt, andere durften als städtische Aufpasser auf Spielplätzen fungieren.

So erlebten Migranten plötzlich Menschen ihrer eigenen Ethnie und Hautfarbe als Repräsentanten der Gemeindeverwaltung. Statt einer Repression durch die Ordnungsgewalt wurden sie in diese integriert und haben sich damit identifiziert. Das Vertrauen wurde nicht missbraucht, und das Konzept ging auf. Die Stadt(-verwaltung) wurde nicht als Gegner gesehen, sondern man identifizierte sich mit ihr.   

Gelebte Diversität

Mechelen ist eine sehr multikulturelle Stadt,  Menschen aus über 100 Nationalitäten leben in der Gemeinde. Daher strebte Somers die gelebte Diversität an. Eines seiner Rezepte: ein Jugendzentrum. Eines wohlgemerkt - für alle! Nicht zig Zentren, in denen sich jeweils eine ethnische Community sammelt und erst recht wieder segregiert. Soziale und ethnische Durchmischung war das grundlegende Ziel seiner Bestrebungen.

Auch beim Schulwesen. In Belgien kann man die Schule, die man besucht, frei wählen. Um Ausländer- und Inländerklassen zu vermeiden, holte man Eltern vor der Einschulung zu Gesprächen zusammen und liess sie abstimmen, sodass sich keines der Kinder in der Minderheit fühlen muss. Das war inländischen Eltern übrigens genauso wichtig, wie zugezogenen. Die Ängste sind und waren auf beiden Seiten nämlicher viel ähnlicher als man glaubt. Und diese Erkenntnis allein brachte beide Seiten auch schon näher.

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