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Wer Angehörige pflegt, soll in der Pension keine Nachteile haben.

Mehr Anreize für Pflege in der Familie gefordert

Der Gemeindebund schlägt eine bessere Anrechnung von Pflegezeiten auf die Pension vor und will zu einer breiten gesellschaftlichen Debatte zum Thema „Altern“ kommen.

Mehr als 450.000 Österreicherinnen und Österreicher beziehen heute Pflegegeld, wobei mehr als 84 Prozent zu Hause gepflegt und betreut werden. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen schlug Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl kürzlich ein Umdenken in der Pflegedebatte vor.

Ohne Pflegeleistung von Angehörigen würde das System zusammenbrechen

Unter anderem soll die Anrechenbarkeit von Pflegeleistungen auf die Pension, ähnlich wie bei den Kindererziehungszeiten, verbessert und erleichtert, und auch über die Teilbarkeit der 24h-Betreuung diskutiert werden. Denn Pflege in der Familie sei volkswirtschaftlich eine große Leistung.

„Man muss Familien unterstützen, damit der Betroffene so lange wie möglich zu Hause versorgt werden kann. Wir müssen deswegen den Angehörigen viel mehr Anreize bieten als bisher. Denn ohne ihre unglaublich wertvolle Arbeit würde unser Pflegesystem in kurzer Zeit zusammenbrechen,“, so Alfred Riedl.

Der Gemeindebund-Präsident tritt etwa dafür ein, dass die Zeit für die Pflege von Angehörigen ab zum Beispiel Pflegestufe 4 für die Pension hinzugerechnet wird. Für jene, die bereits in Pension sind, sollte es eine Zuzahlung zur Pension geben. „Diese Diskussion würde ich gerne führen, und ich hoffe, dass es nicht so lange dauert wie bei der Anrechnung von Kinderbetreuungszeiten.“

Mehr über 65-Jährige, weniger Erwerbstätige

Für das Alter werden in Österreich 46 Milliarden Euro aufgewendet, für die Bildung seien es 18 Milliarden Euro, erklärte Riedl. „Keiner weiß aber so wirklich, was die Pflege in Summe volkswirtschaftlich ausmacht“, gab der Gemeindebund-Präsident zu bedenken. In 30 Jahren wird der Anteil der Über-65-Jährigen von 18 auf 30 Prozent steigen, wobei gleichzeitig die Zahl der Erwerbstätigen um zehn Prozent zurückgehen wird: „Die Schere geht noch weiter auseinander“, will Riedl das Bewusstsein für die Thematik Pflege schärfen.
Die Abschaffung des Pflegeregresses im letzten Jahr war zwar grundsätzlich richtig, es wurde aber der zweite vor dem ersten Schritt gesetzt. „Die teuerste Einrichtung (Pflege im Heim, Anm.) wurde zum billigsten Angebot gemacht“, gab Riedl zu bedenken und wünscht sich viel eher eine gesellschaftlich breite Debatte darüber, was unternommen werden kann, damit Betroffene so lange wie möglich zuhause betreut werden können.

Altern war Thema bei Kommunalen Sommergesprächen

Bei den Sommergesprächen im Juli in Bad Aussee habe sich beim Erfahrungsaustausch gezeigt, dass sich die „jungen Alten“ - die über 65-Jährigen, auf die noch viele gesunde Jahre warten - in der Gemeinde engagieren wollen. Sie können etwa in der Ferienbetreuung von Kindern, für Fahrtendienste oder in der Altenbetreuung eingesetzt werden. Diese gegenseitige Unterstützung sollte institutionalisiert und auf Gemeindeebene organisiert werden. In ganz Österreich gibt es schon zahlreiche Ideen und Projekte, die einen Beitrag leisten, dass Menschen länger zu Hause leben können.

Keine Angst vor Fehlern

Gemeindebund-Präsident Riedl setzt sich außerdem für eine neue Fehlerkultur ein und will mehr den Mut, Neues auszuprobieren. Vorstellbar ist für ihn ähnlich wie in der Wirtschaft ein Topf für die Unterstützung von interessanten Projekten und Initiativen in den Gemeinden, die das Zusammenleben der Generationen fördern und unterstützen. „Dabei muss das Thema Pflege und Betreuung in den Kommunen zur Chefsache werden, damit miteinander neue Ideen und Konzepte geboren werden. Über Gemeindegrenzen hinweg sollen gute, aber auch gescheiterte Projekte kommuniziert werden, damit Fehler nicht mehrmals begangen werden. Dafür braucht es aber auch den Mut von Entscheidungsträgern“, so Alfred Riedl.

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