Roswitha Schachinger
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Roswitha Schachinger: "Ich bin Sozialdemokratin, nicht nur verbal, sondern auch in Taten.“

„Man muss auf die Menschen eingehen“

Roswitha Schachinger ist Bürgermeisterin von Wippenham. Während ihrer politischen Laufbahn wandelte sich der Ort von einer Abwanderungsgemeinde zu einem Wippenham, das bei Jungfamilien wieder gefragt ist.

Wippenham hat eine schwierige Zeit hinter sich. Die kleine Innviertler Gemeinde (Bezirk Ried im Innkreis) war fast seit der Jahrtausendwende durchgehend Abgangsgemeinde. Unter der Amtszeit von Bürgermeisterin Roswitha Schachinger gelang schließlich die langersehnte Trendwende.

Wippenham
In die sanfte Landschaft des Innviertels eingebettet liegt Wippenham am Rande des Bezirks Ried im Innkreis. 

Seit dem 11. 11. 2009 lenkt sie als erste Frau in diesem Amt die Geschicke der Gemeinde. Vorbehalte diesbezüglich gab es ihr gegenüber, anders als leider in vielen anderen Gemeinden, nicht. „Und von Seiten der Bevölkerung schon überhaupt nicht“, freut sich Schachinger. „Drei Kandidaten traten an. Neben einem Mann von der Bürgerliste auch einer der ÖVP, mit dem ich in die Stichwahl kam, und die ist dann sehr eindeutig ausgefallen.“ 

Einzug in den Gemeinderat war nicht geplant

In die Politik kam die heute 53-jährige schon früher. Im Jahr 2003 ist sie gefragt worden, ob sie sich nicht auf die Liste der Sozialdemokraten setzen lassen wolle.

„Damals waren meine Kinder noch kleiner. Daher hab ich gesagt, O. K., aber macht es so, dass keine Gefahr besteht, dass ich in den Gemeinderat hineinkomme. Es reicht mir, wenn ich als Ersatzmitglied erst einmal ein bisschen hineinschnuppere.“ Soweit der Plan. Doch prompt erhielt Schachinger dermaßen viele Vorzugsstimmen, dass sie von Anfang an im Gemeinderat saß. „Das war mein politischer Start in der Gemeinde Wippenham.“ 

Dass in einer ländlichen Gemeinde im Innviertel die SPÖ den Bürgermeistersessel inne hat, ist eher die Ausnahme als die Regel. Warum das im Wippenham so sei? „Das weiß ich nicht. Aber ich bin im Herzen Sozialdemokratin, und das nicht nur verbal, sondern auch durch Taten. Für mich ist der Mensch – egal welche Fraktion oder Hautfarbe – an erster Stelle. Vielleicht hat das einfach überzeugt.“

Auf die Menschen eingehen

Ihre Aufgabe als Bürgermeisterin sieht Schachinger so: „Die Bevölkerung hat mich gewählt, und ich bin dafür verantwortlich, dass ich ihre Bedürfnisse ernst nehme. Es lässt sich zwar nicht immer alles so umsetzen, wie man es sich wünscht, aber was irgendwie möglich ist, versuche ich. Man muss dabei immer auf die Menschen eingehen.“

Diese Einstellung dürfte den Wippenhamern gefallen, denn mittlerweile ist Schachinger schon zehn Jahren Bürgermeisterin.

Volksschule erhalten

Ihre schwierigste Aufgabe in dieser Zeit steht auch im Zusammenhang mit der Abwanderung und war der Erhalt der Schule: „2010 hat es ganz starke Intentionen gegeben, dass unsere Volksschule zugesperrt wird. Doch wir haben mit der Nachbargemeinde Senftenbach eine Kooperation gründen können, durch die der Kindergarten in Senftenbach und die Volksschule in Wippenham erhalten werden konnte.“

Und das war wichtig, denn „wenn wir die Schule auch nicht mehr gehabt hätten, wäre das ganz schlimm für das Ortsleben und für die Gemeinschaft gewesen. Du erreichst die Menschen dann nicht mehr so sehr. So gibt es Schulfeste und Schulgottesdienste, im Zuge derer es Begegnungen gibt. Jetzt haben wir wieder einen relativ guten Zuzug. Die Wippenhamer Jugend bleibt und wird sesshaft. Die Jungen bauen Häuser und kriegen Kinder. Momentan sind wir noch eine zweiklassige Volksschule, aber ab nächstem Schuljahr sind wir nach Plan schon dreiklassig.“

Vereinsleben profitiert von jungen Familien

Junge Familien und der Nachwuchs sind für das Gemeindeleben von enormer Bedeutung. Dank ihnen gedeiht es in Wippenham prächtig, besonders in den Vereinen. Über zehn Prozent der Bevölkerung sind Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr, ebenso hoch ist der Prozentsatz der Musikvereinsmitglieder.

Die Vereine, weiß Schachinger, sind für das Ortsleben enorm wichtig: „Für junge Familien ist es attraktiv, wenn man weiß, die Kinder sind dort gut aufgehoben, ob in der Schule oder in den Vereinen. Deshalb war mir das immer sehr wichtig, dass Feuerwehr und Musikverein eine ordentliche Unterstützung von der Gemeinde erhalten und gut ausgestattet sind, auch um eine intensive Jugendarbeit machen zu können. Der Musikverein hat ein neues Musikheim bekommen, und momentan läuft ein Anbau bei der Feuerwehr. Die haben zu wenig Platz. Jetzt werden eine Garage und Umkleidekabinen für Damen gebaut, weil ja auch immer wieder Mädels dazustoßen und zur Feuerwehr gehen wollen“, freut sich Schachinger. 

"Gemeindefinanzierung Neu" macht es schwieriger

Der Zuzug bring aber auch neue Herausforderungen mit sich. „Wir müssen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, und die ganze Infrastruktur. Das war vor der ,Gemeindefinanzierung Neu‘ leichter. Wir bekommen zum Beispiel nicht mehr so viele Mittel für den Straßenbau. Das ist eine schwierige Situation, denn wir haben zwei konkrete Fälle mit Bauland für junge Wippenhammer. Das eine ist schon erworben, das andere läuft gerade. Die Straßen für die Zufahrt müssen natürlich gewährleistet sein, und das ist aus finanzieller Sicht für die Gemeinde fast nicht zu stemmen. Aber irgendwie müssen wir es schaffen.“

Mangelnde Finanzen machte die Wippenhamer Ortsgemeinschaft schon in der Vergangenheit mit Engagement wett. Als die Kirche dringend eine Sanierung benötige, hat sich eine Gruppe zusammengefunden und 2013 und 2015 das Fest der Sinne organisiert.

„Der ganze Ort war mit eingebunden. Es hat kein Haus gegeben, aus dem nicht mindestens eine Person beteiligt war – meist aber die ganze Familie. Schließlich konnten wir der Pfarre 75.000 Euro überreichen. Solche Sachen verbinden sehr: man setzt sich zam, man organisiert, und der ganze Ort zieht an einem Strang. Das ist mir ganz positiv aufgefallen“, erinnert sich Schachinger.

Wippenham Kirche
Wippenham ist ein ruhiger Wohnort. Für die Sanierung der Kirche engagierte sich die ganze Bevölkerung.

Dass in Wippenham eine sehr lebendige Ortsgemeinschaft besteht, fällt Außenstehenden womöglich nicht sofort auf. „Wir sind ein sehr ruhiger Wohnort. Wir haben keinen Straßenlärm, sind keine Durchzugsgemeinde, was für die Wohnqualität spricht. Aber wir haben eine gute öffentlichen Verkehrsanbindung mit Bussen und auch eine Haltestelle für den Zug. Der bleibt bei uns noch stehen.“

Veranstaltungszentrum Loryhof

Einen Gasthof oder ein Geschäft sucht man im Ort vergeblich. „Doch wir haben am Rand von Wippenham einen ganz großen Veranstaltungsort, eine Riesenlocation, den Loryhof. Praktisch jedes Wochenende ist dort irgendeine große Veranstaltung oder Hochzeit. Unser Sohn hat dort geheiratet – mit über 700 Gästen. Das geht dort ohne Probleme.“ 

Doch das Leben pulsiert nicht nur am Loryhof. „Der Wippenhamer Kindertreff (Anm. im Zuge der Gesunden Gemeinde) wird von den vielen Jungfamilien sehr gut angenommen. Die sind dadurch ganz gut vernetzt, können sich austauschen, und dort entwickeln sich richtige Freundsschaften.“

Was in Wippenham sonst noch alles los ist, kann man sich auf der Facebookseite „Wippenham aktuell“ anschauen. Dass viel los ist, weiß Roswitha Schachinger am besten. Schließlich „kenn ich dadurch, dass wir so klein sind, jeden Einzelnen. Und hauptberuflich bin ich Ordinationsgehilfin. Auch dadurch ist schon einmal mit den meisten ein Kontakt hergestellt. Und jedes Baby in der Gemeinde, das auf die Welt kommt, bekommt von mir einen Besuch, und wird von der Bürgermeisterin geschaukelt, weil in der Hand halten mag ich es auch“, lacht Schachinger. 
 
Bei einem Vollzeitjob als Ordinationsgehilfin und den Aufgaben als Bürgermeisterin, bleibt da überhaupt noch Freizeit übrig? „Nein, aber die politische Tätigkeit ist für mich eine Herzensangelegenheit. Das war ja sozusagen immer auch ein wenig mein Hobby. Somit kann man sagen, ich bin in meinem Hobby viele, viele Stunden tätig.“  

Zur Person

Roswitha Schachinger 

Alter: 53

Gemeinde: Wippenham

Einwohnerzahlt: 578 (1. Jänner 2018)

Bürgermeister seit: 11. November 2009

Partei: SPÖ

 

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