FH OÖ
Moderator Johannes Kriegel, Reinhard Haider, Amtsleiter in Kremsmünster, und Günther Humer von der OÖ. Zukunftsakademie, nach dem Vortrag.

„Low Level Digitalisierung“ als Chance für Gemeinden

Sich bewusst mit Veränderungsprojekten aus allen österreichischen Bundesländern und aus Südtirol auseinanderzusetzen, bietet ein Inspirationsfeld, das die „Public Management Impulse“ der FH Oberösterreich in den Mittelpunkt gestellt haben. KOMMUNAL war dabei.

Digitalisierung und e-Government sind auch und vor allem Organisationsthemen. Und zwar jener Art, dass die Führung (einer Gemeinde, einer Firma) zwar die „große Vision“ vor Augen haben muss, aber gemeinsam mit den Mitarbeitern an der Erreichung arbeitet. Das Schlüsselwort ist hier gemeinsam. Das bedeutet, dass – sind die richtigen Mitarbeiter gefunden – Freiraum für die Arbeit geschaffen werden muss. „Der Chef, der/die Bürgermeister/in“ sollte vor Augen haben, dass „Kreativität auch gelebt werden darf“. Das heißt für die Chefs aber auch, Raum für Fehlschläge einzuplanen.

Raum für „die neue Landlust“

Unter diesen Voraussetzungen kann gelingen, was FH OÖ-Studiengangsleiter Markus Lehner und Public-Management-Professorin Franziska Cecon in ihren Einleitungen anmerkten.

Beide stellten eine Art Gegentrend zur Urbanisierung fest, einfach, weil die Rahmenbedingungen für viele Firmen auf dem Land besser seien. Das Platzangebot ist großzügiger und günstiger, auch die Lebensbedingungen für die Mitarbeiter seien besser. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Gemeinden ihrerseits dafür Grundbedingungen schaffen, darunter die (leidige) Thematik Glasfaseranschluss.

Ist der geschaffen, wird aber eine Vielzahl an weiteren Angeboten zur digitalen Kommunikation der Menschen und Firmen mit der Verwaltung gefordert. Beispielhaft eine digitale Beteiligung der Menschen via Social Media (Beteiligungs-Apps, Plattformen auf Gemeindewebsites, Mitfahrbörsen, Coworking-Spaces, niederschwellige Kurse für Smart-Phone-Training etc.). Das Thema DSGVO in diesen Bereichen ist – dies gleich die erste Einschränkung – allerdings noch nicht endgültig geklärt.

Der Blick in die Bundesländer

In den drei Parallelveranstaltungen (das gesamte Programm kann hier eingesehen werden) wurde nahezu das gesamte Spektrum an digitalen Möglichkeiten für Gemeinden anhand bereits umgesetzter oder in Umsetzung begriffener Beispiele aufgezeigt.

So berichtete der Sozialkoordinator der Stadt Salzburg über die „demenzfreundliche Stadt“, aus Vorarlberg wurde ein Beitrag über das landesweite Konzept für eine nachhaltige Raumentwicklung gebracht, über die Entwicklungschancen von Landesverwaltungen, sprich Personal, sprach der Generaldirektor des Landes Südtirol.

Aus Graz wurde über das „KundInnenAnliegenManagenet“ KAM, eine Handy-App, berichtet und aus Wiener Neustadt ein Bericht, wie das „Stadtbudget im Eiltemo saniert wurde“. Auch „Warum mit offenen Schnittstellen Digitalisierung erst möglich wird“, ein Bericht aus dem Bereich des Gemeinde-Informatik-Zentrums Kärnten, war im Angebot. Ein im wahrsten Sinn des Wortes hochkarätiges Programm, für dessen Besuch sich der Autor gerne geklont hätte.

Ein Workshop als Sinnbild für die Innovationskraft der Gemeinden

Weil das mit dem Klonen nicht so hinhaut, muss die Konzentration auf einzelne Themen reichen. Die Präsentationen finden sich aber auch auf der Website der FHOÖ.

Das Thema „Digitalisierung als Chance für Gemeinden“ lockte vermutlich die meisten Zuhörer. Rainhard Haider, Amtsleiter in Kremsmünster, und Günther Humer von der OÖ. Zukunftsakademie beleuchteten ein ganz zentrales Thema der Digitalisierung. „Während Vordenker bereits in Richtung Zukunft unterwegs sind, verhält sich die Mehrzahl der Gemeinden und Regionen abwartend bis passiv. Es gilt daher, Ängste und Vorbehalte abzubauen“, so der Tenor der beiden.

In der Folge stellten sie auch sieben Thesen für die Digitalisierung auf Gemeindeebene auf:

  1. Digitalisierung ist mehr als Breitband.
  2. Digitalisierung in Gemeinden muss einfach gestaltet und schrittweise umgesetzt werden.
  3. Digitalisierung verändert Strukturen und Abläufe.
  4. Damit das gelingt, müssen die Menschen mitgenommen werden – Stichwort Information.
  5. Social Media und elektronische Beteiligung können die direkte Demokratie bereichern.
  6. Für die Chancen der Digitalisierung muss positives Bewusstsein geschaffen werden – Stichwort „die Vorteile vorleben“.
  7. Eigentlich bräuchte es in allen Gemeinden einen CDO, einen „Chief Digital Officer“.

Und noch einen Grundsatz teilten die beiden mit dem Auditorium: Auch bei teilweise heiklen Themen wie Whats App möge man den Hausverstand benutzen. Und wenn es wirklich Rechtsunsicherheiten gibt, sollte man besser die Finger davon lassen.

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