Die Teilnehmer an der Exkursion nach NRW
Gerd Kaemper
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Exkursion nach Nordrhein-Westfalen.

Lernen, wie man alle Kinder auf das Leben vorbereitet

Mi, 11.09.2019 - 13:09

In Nordrhein-Westfalen (NRW) bauen 40 Kommunen passgenaue Präventionsketten auf, um so positiv auf die individuellen Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen einzuwirken – und zwar lückenlos von der Schwangerschaft bis zum Eintritt ins Berufsleben. 16 Fachleute aus Vorarlberger Gemeinden und aus der Landesverwaltung machten nun eine Exkursion in das deutsche Bundesland, um das Projekt zu studieren.

Zur Exkursionsgruppe gehörten der Schrunser Bürgermeister Jürgen Kuster sowie Expertinnen und Experten des Landes, der Städte Bregenz, Dornbirn und Bludenz, der Marktgemeinden Wolfurt und Rankweil, vom Sozialsprengel Raum Bludenz, der Region Vorderland-Feldkirch und dem Stand Montafon. In Begleitung von Vertreterinnen und Vertretern des nordrhein-westfälischen Familienministeriums wurden mehrere Initiativen und Projekte besichtigt.

In Dortmund konnte die Jugendhilfeberatung in pädiatrischen Praxen besichtigt werden. Vor Ort wird auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Gesundheitsamt und niedergelassenen Kinderärztinnen und -ärzten gesetzt. In der Ruhrgebiet-Großstadt Herne besuchte die Vorarlberger Delegation unter anderem das Netzwerk Familienzentren.

Ziel des Netzwerks ist es, Kindern aus Familien mit unterschiedlichen Lebensbedingungen, Kulturen, Bedürfnissen und Stärken zu fördern. Den Exkursionsabschluss bildete eine Stadtteil-Begehung in Gelsenkirchen. Auf Basis eines kleinräumigen Datenmonitorings werden im Rahmen der Sozialraumstrategie Schalke-Nord zahlreiche Formen der Beteiligung von Familien angewendet.

Wertvolle Eindrücke

Wichtige Erkenntnisse hat Jürgen Kuster, Bürgermeister der Marktgemeinde Schruns, von der Exkursion mitgenommen: „Die Voraussetzungen bzw. Problemstellungen in NRW unterscheiden sich selbstverständlich vom ländlichen Raum in Vorarlberg, den gesellschaftlichen Wandel und die Herausforderungen gibt es allerdings abgeschwächt und zeitverzögert auf jeden Fall auch bei uns. Genau deshalb ist das Montafon beim Projekt mit dabei und startet nach diesen wertvollen Eindrücken und Erfahrungsberichten im Herbst 2019 mit einem Familiengipfel als Auftaktveranstaltung.“

„Herzblut und Anpacken“

Für die Stadt Dornbirn nahmen Carla Frei, Ulrike Porod, Jasmin Spannring und Monika Thaler an der Reise teil. Mit der Exkursion würden sie die beiden Schlagworte „Herzblut und Anpacken“ verbinden – zwei Merkmale, mit denen sich auch die Stadt Dornbirn stark identifiziere: „Die handelnden Personen in NRW zeichnen sich durch ihre Leidenschaft und ihr Engagement für das Thema ‚Kindern und Jugendlichen ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen‘ aus und gehen ständig neue Wege, um der bestehenden Armut und Verwahrlosung entgegenzuwirken.“

Im Unterschied zu Dortmund gibt es in Dornbirn keine Brennpunktviertel. „Das soll bei uns auch so bleiben – gerade deshalb machen primärpräventive Maßnahmen in Kommunen Sinn, um von Anfang an das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen in den Fokus zu stellen und bewusst mitzugestalten.“

Aus Sicht des Kindes denken

Von interessanten Einblicken berichtete nach der Exkursion auch Sabine Kessler vom Amt der Stadt Bregenz: „Prävention ist eine Haltung, die von einer wertschätzenden und trägerübergreifenden Kooperationskultur des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen getragen wird. Dabei steht die Sichtweise vom Kind her zu denken und zu handeln im Mittelpunkt aller Bemühungen. Prävention muss evidenzbasiert und sozialräumlich unter Teilhabe aller Akteurinnen und Akteure sowie der Menschen aus dem Quartier angelegt werden. Die hohe Bereitschaft zur Unterstützung und Stärkung der Familien im Jetzt war bezeichnend für die Erfahrungen, die ich auf dieser Reise machen durfte.“

„Vorarlberg lässt kein Kind zurück“

Seit 2016 legen das Land und die Gemeinden mit dem Projekt „Vorarlberg lässt kein Kind zurück“ einen weiteren gemeinsamen Schwerpunkt auf die Kinder- und Familienpolitik. Nach drei erfolgreichen Praxisjahren in den Gemeinden Dornbirn, Rankweil und Wolfurt sowie den 24 Gemeinden der Region Bregenzerwald, schlossen sich kürzlich die Stadt Bregenz sowie der Stand Montafon mit zehn Gemeinden der Initiative an. Ihr Ziel ist, unabhängig der biografischen Ausgangs- und Lebenslage, jedem Kind eine optimale Entwicklung und aktive gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

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