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Lebensqualität im Alter

Unsere Gesellschaft altert. Dabei wird Altern in der öffentlichen Diskussion häufig mit Pflegebedürftigkeit gleichgesetzt. Aber es ist auch mit interessanten Chancen verbunden, weil wir länger fit und gesund bleiben.

Die „Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie“ zeigt, dass selbst unter den Hochaltrigen (Menschen 80+) nur knapp zehn Prozent pflegebedürftig sind, etwa 35 Prozent leichten Unterstützungsbedarf haben und 55 Prozent eigenständig leben können. Daher sollte nicht nur die Finanzierung der Pflege beschäftigen, sondern wie die unmittelbare Lebensumgebung die Eigenständigkeit Älterer unterstützen kann.

Auf dem Land ist die ärztliche Versorgung am wichtigsten

Eine Befragung der Autorin in fünf Landgemeinden und einer Kleinstadt ermittelte ähnliche Anliegen älterer Menschen: In der Stadt standen die eigene Mobilität, die alternsgerechte Wohnumgebung und die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs im Vordergrund. Auf dem Land war die ärztliche/therapeutische Versorgung das wichtigste Anliegen, gefolgt von Angeboten zur Erhöhung der Mobilität (Fahrdienste, öffentlicher Nahverkehr) und eine mobile Essensversorgung.

Faktoren für örtliche Lebensqualität

  • Sichere Gehwege
  • Gutes Warenangebot für den täglichen Bedarf
  • Geschäfte für den nicht täglichen Bedarf
  • Gute öffentliche Verkehrsanbindung
  • Bezahlbare Mietwohnungen
  • Angebote für betreutes Wohnen
  • Angebote für politische Teilhabe und Selbstverwirklichung
  • Angebote von Sozial- und Gesundheitsdiensten
  • Vorhandensein von Krankenhäusern
  • Ambulante Dienste und Haushaltsservice
  • Öffentliche Toiletten

Mobile Dienste sind gefragt

Je älter die Befragten sind, desto stärker wird die Mobilität zum Thema – und zwar in vielfacher Weise: Die ländliche Bevölkerung wünschte sich mobile Dienstleistungsangebote (zum Beispiel mobiler Friseur), Fahrdienste, Hauslieferdienste, aber auch barrierefreie öffentliche Gebäude. In der (Klein-)Stadt steigt mit zunehmendem Alter der Wunsch nach Fahrdiensten, Hauslieferdiensten für Dinge des täglichen Bedarfs sowie nach kleinen handwerklichen Dienstleistungen. Angeregt wurden oft einfache Dinge wie die Abholung von Altstoffen, die nicht mehr selbst entsorgt werden können, Möglichkeiten zum Ausruhen oder eine Toilette im öffentlichen Raum.

Diese Themen sind Gestaltungsfelder für die Gemeinden. Sie sind den Anliegen ihrer älteren Bürgerinnen und Bürger am nächsten – ob informell durch den laufenden Bürgerkontakt oder systematisch durch Begehungen, Runde Tische, Fokusgruppen usw. Gemeinden haben viele Möglichkeiten, sich unmittelbar für die Lebensqualität ihrer älteren BürgerInnen zu engagieren:

  • Sie können alternsbezogene Themen in der Öffentlichkeitsarbeit oder in Veranstaltungen aufgreifen.
  • Gemeinden können als erste Anlaufstelle für Ältere bzw. Angehörige fungieren. Die Befragung in Oberösterreich zeigte, dass den Älteren – trotz Beratungsstellen im Bezirk - eine Anlaufstelle im Ort fehlt.
  • Sie können selbst Leistungen anbieten (zum Beispiel Abholen von Altstoffen) bzw. initiieren (zum Beispiel Haushaltsdienste).
  • Gemeinden können Aktivitäten koordinieren und begleiten, zum Beispiel die konkrete Ausgestaltung der Nachbarschaftshilfe.

Die folgenden Beispiele illustrieren beispielhaft, was bereits umgesetzt wird und wie vielfältig Initiativen in Gemeinden sein können:

Sozialsprechstunden bzw. Sozialkoordinatoren in der Gemeinde

Einige oberösterreichische Gemeinden organisieren „Sozialsprechstunden“. In den oö. Bezirken Schärding und Grieskirchen haben Gemeinden „SozialkoordinatorInnen“ als erste Anlaufstellen in sozialen Belangen eingeführt.

‚Dorfservice“ im Bezirk Spittal/Drau

Träger ist der Verein Haushalts-, Familien- und Betriebsservice mit Standorten in 15 Netzwerkgemeinden (http://www.dorfservice.at/). Im Verein sind über 100 ehrenamtliche MitarbeiterInnen tätig, überwiegend junge SeniorInnen Das Dorfservice bietet Information, Alltagsunterstützung durch Ehrenamtliche und Überbrückung von Notsituationen.

„Mahl!Zeit!“ Waldviertler Kernland

In jeder Kernland-Gemeinde werden MahlZeit-Mittagstische veranstaltet, zu denen freiwillige „Gastgeber“ auch ein Nachmittagsprogramm (zum Beispiel Diaschau, Handwerkerbesuch) vorbereiten. Ein Monatsprogramm informiert über Termine, Orte, Menü und Rahmenprogramm. Es gibt auch die Möglichkeit, nur zum Nachmittagsprogramm zu kommen (www.waldviertler-kernland.at/cms/mahlzeit/).

„Senior Aktiv“ der Stadtbücherei Mürzzuschlag

Angeboten werden u.a. Großdruckwerke, Hörbücher und Spiele für SeniorInnen und Gedächtnistraining. Auch das Personal der betreuten Wohneinrichtungen wird regelmäßig über die Verwendung neuer Bücher, Hörbücher und Spiele informiert.

„Stadtteilspaziergänge“ in München

Unter diesem Titel werden für Seniorinnen und Senioren Gänge durch ihr Wohnviertel organisiert, um sie zum Gehen zu ermutigen und ihr Bewusstsein für Sicherheitsaspekte zu schärfen. Dadurch werden auch Informationen für die Stadtplanung erhoben – zum Beispiel zum Verbessern und Reaktivieren von Verbindungen, die es der Bevölkerung einfacher machen, alltägliche Erledigungen zu Fuß zu erledigen.

Akuter Problemdruck (zum Beispiel Abwanderung Jüngerer), gepaart mit günstigen Rahmenbedingungen (leerstehende Gebäude, engagierte Einzelpersonen) sind oft Motor für innovative Projekte. Es stellt sich die Frage, wie vor allem kleinere Gemeinden befähigt werden, diese Thematik mit beschränkten Ressourcen systematisch zu bearbeiten.

In Deutschland unterstützen Bund, Länder oder Forschungseinrichtungen Initiativen zu einer „alternsgerechten Gemeinde“. Dadurch würde auch in Österreich eine gesamtheitlichere Sicht auf das Altern der Gesellschaft unterstützt.

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