Senior am Skateboard
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Die neue Lebensphase „Freitätigkeit“ schiebt den Lebensabschnitt „Ruhestand“ weiter in die Zukunft. Die Entscheidung zwischen „Hängematte“ und „Durchstarten“ liegt bei jedem Einzelnen.

"Länger arbeiten oder früher sterben"

Empören Sie sich über diese These? Dann lesen Sie bitte trotzdem weiter, denn unser Bild vom Alter ist heute leider falsch!

Wir können nicht zurückschauen und nach vorwärts fahren, denn der Blick in den Rückspiegel zeigt uns unseren Großvater, der in der Regel seine Pension genießen konnte oder wollte, nach einem langen Arbeitsleben und mit einer geringen Lebenserwartung. Aber genau diese ist in den letzten Jahren so stark gewachsen, dass wir ein neues Bild vom Alter bekommen haben, ob wir wollen oder nicht.

Was ist geschehen und warum ist mein Großvater heute kein Vorbild für mich? In seiner Zeit hatte er nach dem Ausscheiden aus dem Beruf nur noch einige Lebensjahre vor sich. Heute leben wir in einer Zeit mit einer stark gestiegenen Lebenserwartung. Halten Sie sich fest: Alle 24 Stunden steigt unsere Lebenserwartung um 6: sind das Sekunden, Minuten oder Stunden? Sie werden es nicht glauben, es sind tatsächlich 6 Stunden. Und kein Forscher stellt fest, dass diese Entwicklung nicht mehr so weitergehen wird.

Auf die Einstellung kommt es an

Was heißt das für uns? Schlicht und einfach bedeutet es, dass wir in der Regel nach der Pension noch mindestens 20 Jahre vor uns haben, in denen wir praktisch noch alles machen können, wenn wir nicht auf unseren Geburtsschein schauen und uns dementsprechend verhalten.

Wenn wir aber an unsere Potenziale denken, dann wissen wir eigentlich, dass wir noch vieles schaffen können. Es hängt also alles von unserer Einstellung und Denkweise ab. Das haben viele Untersuchungen, Umfragen und Studien ergeben: unser Gehirn entscheidet!

Bürger gestalten ihre Kommune

Was heißt das für eine Kommune?

Kurz gesagt leben in einer Kommune viele Menschen, die fähig sind, nach dem Ausscheiden aus ihrem Berufsleben etwas zu leisten. Ob sie dies eher ehrenamtlich oder gegen Geld tun, ist in der Wirkung unerheblich, entscheidend ist, dass möglichst viele Bürger mit ihren Talenten die Kommune gestalten.

Stellen Sie sich vor, dass diese Erkenntnis allen bewusst ist und ein Großteil von ihnen so handelt. Dann ist das Leben in dieser Kommune in kurzer Zeit neu gestaltet. Warum? Weil diese Menschen in ihrer beruflichen Tätigkeit vieles gelernt und Erfahrungen gesammelt haben, die sie jetzt in die Gemeinschaft einbringen können.

Warum sollten sie es tun?

  • Einerseits, weil die Menschen, die sich engagieren und tätig sind, länger leben und gesünder sind. Dies hat eine große Langzeitstudie ergeben: Wer sich nach der Pensionierung nicht mehr engagiert und wenig bewegt, verschenkt pro kommendem Lebensjahr zwei Monate.
  • Andererseits geht es um die Gestaltung der Gemeinde, der Kommune, der Stadt, der Umgebung. Wenn die Menschen ihr Know-how einbringen, sich engagieren, etwas gestalten oder verändern, dann nützt es der Gemeinde, wie man sich gut vorstellen kann. Und dankenswerterweise nützt es – siehe oben - auch den Menschen selbst.

Neue Lebensphase Freitätigkeit

Hinzu kommt – gelinde gesagt – eine Sensation. Denn unsere Großeltern kannten nur drei Lebensphasen: Ausbildung, Erwerbstätigkeit, Ruhestand.

Die deutlich gestiegene Lebenserwartung hat uns aber als erster Generation ein Geschenk gebracht: eine neue Lebensphase. Nach dem Ausstieg aus dem Beruf kommt heute erstmals eine neue Lebensphase, die Freitätigkeit. Sie bedeutet, dass wir in den Jahren dieser Phase etwa zwei Jahrzehnte lang zu sehr vielem fähig sind, wenn wir unsere Potenziale nützen und den Satz „Wer rastet, der rostet“ ernst nehmen. Diese neue Lebensphase „schiebt“ den Lebensabschnitt „Ruhestand“ weiter in die Zukunft. Wenn wir nicht zurückblicken, sondern vorwärts schauen und uns eine herausfordernde Aufgabe, ja eine Vision suchen, die uns anspornt, sie zu erreichen. Die Entscheidung zwischen „Hängematte“ und „Durchstarten“ liegt bei jedem Einzelnen.

Babyboomer im Ruhestand

Schauen wir uns das an der Bedeutung der Babyboomer für die Kommunen an.

Wer Mitte der 1950er-Jahre bis Ende der 1960er-Jahre geboren ist, ist mit einer großen Zahl Gleichaltriger aufgewachsen. Ob im Kindergarten, in der Schule, in der Universität oder im Beruf, überall standen diese „geburtenstarken Jahrgänge“ zu vielen anderen in Konkurrenz. Doch gerade jetzt stehen diese stark besetzten Jahrgänge vor einem neuen Lebensabschnitt: Nach und nach werden sie den Arbeitsmarkt in Richtung Ruhestand verlassen. Dies wird nicht nur den Alltag der Neu-Pensionisten verändern, sondern auch die gesamte Gesellschaft.

Dadurch entstehen Lücken auf dem Arbeitsmarkt, die die jüngeren Generationen nicht ansatzweise schließen können. Während die Eltern der Babyboomer überdurchschnittlich viele Kinder hatten, haben die Babyboomer eine niedrige Geburtenrate. Dadurch fehlen bald Jüngere im Arbeitsprozess. Der immer mehr zitierte Mangel an Fachkräften ist ein deutlicher Ausdruck dieser Entwicklung.

Wie muss eine Kommune darauf reagieren?

Warten ist da keine Lösung. Es braucht ein neues Denken der Menschen, neu vor allem beim Thema Alter und älter werden. Einerseits geht es um Auswirkungen der demografischen Entwicklung mit vielen konkreten Fragen wie: _Welche Schulen und mit wie vielen Plätzen brauchen wir in zehn, in 20 Jahren? Wie sieht die Pflege für diese Generation aus, die zwar länger fit ist, aber einmal doch Hilfe brauchen wird?

Nur zwei Fragen – zum Weiterdenken. Auch Kommunen kommen an diesen Fragen nicht vorbei. Es ist anzunehmen, dass bei der Suche nach neuen Modellen ein Wettbewerb zwischen einzelnen Städten und Gemeinden geschehen wird: Wer hat die attraktivsten Lösungen nicht für heute, sondern für die Zukunft?    
 

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