Yazd
Shutterstock/Jakob Fischer
Blick über die Stadt Yazd.

Iran - Jahrhundertealtes Know-how trifft Moderne

Eine Bürgermeisterdelegation des Gemeindebundes besuchte den Iran. Grund waren die Verleihung der Energy Globes und eine internationale Nachhaltigkeitskonferenz in der Stadt Yazd rund 650 Kilometer südlich von Teheran.

Die Verleihung der weltweiten „Energy Globes 2018“ fand in der Stadt Yazd mit rund 550.000 Einwohner im Iran statt. Der Hintergrund ist eine schon länger bestehende sehr gute Verbindung von Wolfgang Neumann, dem Energy Globe-Gründer, und der Stadt.

Und so wurde die Verleihung der Globes mit einer ganztägigen Nachhaltigkeitskonferenz ergänzt, bei der internationale Projekte vorgestellt, aber vor allem von den europäischen Vertretern auch die ganz starke Rolle der Gemeinden bei Projekten zum Schutz der Umwelt und bei der Anleitung zu umweltbewusstem Handeln betont wurde.

Yazd ist eine Wüstenstadt, die mit ihrer Lage sogar im Iran einige Besonderheiten aufweist. Gerade die Trockenheit (rund drei bis vier mm Niederschlag im Monat) und viel Wind haben schon vor Generationen bei der Wassernutzung und auch bei der Kühlung der Häuser einige Entwicklungen hervorgebracht, die heute wieder geschätzt werden und in moderner Form Anwendung finden könnten.

In einem eigenen Wassermuseum wird vermittelt, wie Wasser schon früher über lange Kanäle aus den Bergen in die Stadt geleitet und verteilt wurde. Heute sind es moderne Rohrsysteme, die die unterirdischen Kanäle ersetzt haben. Und trotzdem ist Wasser – in Zeiten des hier noch vielmehr als bei uns spürbaren Klimawandels – eine Rarität.

Die zweite Problemstellung, mit der die Wüstenstadt seit jeher zu kämpfen hatte, ist der Schutz vor der Hitze und den Sandstürmen der Wüste. Allein die Bauform hat dem Rechnung getragen, denn wo man von der Straße aus vermeintlich nur endlose Ziegelmauern wahrnimmt, liegen dahinter kleine grüne Gartenrefugien.

Windtürme
Die sogenannten „Windtürme“ sind ein jahrhundertealtes Belüftungssystem, durch das die Häuser in der Wüstenstadt gekühlt werden, eine antike Klimaanlage.

Fast jedes Haus hatte traditionell einen gut geschützten kleinen aber grünen Innenhof. Und für die Kühlung der Häuser wurde schon vor Jahrhunderten ein „Windturm-System“ entwickelt. Mit einer einfachen Luftzirkulation durch Unterdruck wurde in den Häusern damit vor allem im Sommer ein ständiger Luftstrom erzeugt, der die Innenräume trotz großer Hitze kühlte.

Hightech schon vor Jahrhunderten

Im Umfeld der Energy Globes fand in Yazd auch eine Nachhaltigkeitskonferenzs statt, in der iranische Offizielle mehr über österreichisches Know-how erfahren wollten. So berichtete Gemeindebund-General Walter Leiss über die österreichische Wasserversorgung und der Autor über die kommunale Landschaft in Österreich.

Einrücke von der Iran-Reise

  • Wüste und Wasser. Das Lebenselixier Wasser ist hier – noch mehr als woanders – bei einem Gesamt-Jahresniederschlag von nur 60 mm eine Rarität und wurde und wird entsprechend sorgsam genutzt.
  • Wind und Kühlung. Die zweite Problemstellung mit der die Wüstenstadt seit jeher zu kämpfen hatte, ist der Schutz vor der Hitze und den Sandstürmen der Wüste.
  • Galoppierende Inflation. Der Wechselkurs Euro : Rial von 1 : 60.000 (beim Wechsel im Land) ist in eineinhalb Jahren auf 1 : 134.000 angestiegen.
  • Verhüllung. Der Umgang Mann und Frau ist ungezwungener als vermutet. Vor allem jüngere Frauen sind in mittlere Ämter aufgestiegen und rund 50 Prozent aller Studierenden im Iran sind mittlerweile auch Frauen.
  • Chancen der Zukunft. Am Beispiel „Tourismus“ ist wohl am besten erkennbar, wie sehr das „Wollen“ und die reale Umsetzung auseinanderklaffen. Denn solange im Religionsstaat Verhüllungsgebote herrschen, wird ein Badetourismus westlichen Zuschnitts einfach nicht möglich sein

Fazit

Die Energy Globe-Verleihung machte deutlich, dass wir den großen Herausforderungen wie Klimawandel und Weltfrieden nur gemeinsam begegnen können, und dazu sind viele kleine Verbindungen zwischen den Menschen unterschiedlichster Staaten, unterschiedlicher Religionen und unterschiedlicher Einstellungen und die Achtung füreinander wichtig. 

Immer informiert bleiben!

Jetzt für KOMMUNAL.AKTUELL anmelden und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Ja, ich möchte im Newsletter persönlich angesprochen werden! (optional)

Aktuelle Beiträge aus allen Themenbereichen