Frau pflegt ihre Mutter
Shutterstock/Iakov Filimonov
Der Großteil der Pflegearbeit wird von Frauen geleistet.

Höhere Pension für pflegende Angehörige

Wer Angehörige pflegt und deshalb keiner Vollzeitbeschäftigung nachgehen kann, soll nicht länger Einbußen im Ruhestand haben. Wer bereits in Pension ist, solle sich Geld dazuverdienen können, wenn er jemanden pflegt. Mit diesen Forderungen ließ Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl in mehreren Interviews aufhorchen.

Konkret soll – ähnlich wie bei der Anrechnung von Kindererziehungszeiten – auch die Betreuung von Angehörigen, die mindestens Pflegestufe vier haben, auf die Pension angerechnet werden. Profitieren würden vor allem Frauen, denn sie sind es, die den Großteil der Pflegearbeit leisten.

Der wachsenden Zahl der Pflegebedürftigen steht anderseits eine steigende Zahl „junger Alter“, wie Riedl sie nennt, gegenüber. Damit sind 65-Jährige aufwärts gemeint, die noch viele gesunde Jahre vor sich haben. „Sie wollen aktiv bleiben und sich engagieren.“ Gelingt es, diese Menschen einzubinden, könnte man dem System Milliarden sparen.

Regress-Abschaffung war richtig, aber …

Die Abschaffung des Pflegeregresses war aus Sicht Riedls richtig. Das Problem sei aber gewesen, dass der zweite Schritt vor dem ersten gesetzt wurde. „Die teuerste Variante – nämlich die Pflege im Heim – wurde zum billigsten Angebot gemacht“, kritisiert Riedl. Dabei sei die stationäre Pflege gar nicht das, was die Pflegebedürftigen wünschen, denn die meisten würden lieber so lange wie möglich daheim bleiben.

Zudem hat die Abschaffung der Regressmöglichkeit die Frage der langfristigen Finanzierung der Pflege nicht beantwortet. Die Forderung nach einer nachhaltigen Lösung steht zwar seit zehn Jahren in sämtlichen Regierungsprogrammen, passiert ist seither aber nichts, bemängelt Riedl. Er hofft aber, dass es im Herbst einen „Pflegekonvent“ geben wird oder dass zumindest begonnen wird, einen solchen zu organisieren. „Weil sonst machen wir es mit den Ländern“, kündigt der Gemeindebund-Chef an.

Keine Angst vor Fehlern

Riedl möchte auch eine Plattform schaffen, auf der Best-Practice-Beispiele aus den Gemeinden vor den Vorhang geholt werden. Aber nicht nur Projekte, die funktionieren sollen vorgestellt werden, sondern explizit auch solche, die sich, aus welchen Gründen immer, als nicht tauglich erwiesen haben. Denn auch davon kann man lernen, ist Riedl überzeugt. „Man braucht Mut, um etwas auszuprobieren. Wer Angst vor Fehlern hat, lässt viele Chancen liegen“, plädiert Riedl für eine neue Fehlerkultur. 

 

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