Bienenwiese in Knittelfeld
Stadtgemeinde Knittelfeld
Gemeinsam Verantwortung übernehmen und nachhaltig handeln: Schüler aus Knittelfeld legen eine Wildblumenwiese für Bienen an.

„Hilfe, meine Gemeinde wird immer asozialer!“

Unsere Gemeinden verändern sich in vielerlei Hinsicht. Doch egal ob Zuzugs- oder Abwanderungsgemeinde, in sozialer Hinsicht zeigt sich landauf, landab der gleiche Trend. Der gesellschaftliche Zusammenhalt wird stetig schwächer. Gute Ideen und Einfallsreichtum sind vonnöten, um das zukünftige Miteinander der Bürger nachhaltig zu fördern - und die gibt es!

Was haben Österreichs Bürgermeister und Goethes Faust gemeinsam? - Richtig, es ist die Frage nach dem Zusammenhalt. Der Universalgelehrte Faust, der alles studiert hat, was man studieren konnte, der jegliches Wissen in sich aufgesaugt hat, nur um die Antwort darauf zu finden, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, verzweifelte an dieser Frage so sehr, dass er sich schließlich sogar der Magie zuwandte. Selbst schuld.

Wäre er doch Kommunalpolitiker geworden, dann hätte er sich das schmerzliche Philosophieren erspart. Soweit wäre er nämlich gar nicht erst gekommen. Spätestens bei der Frage, „was die Gemeinde im Innersten zusammenhält“, hätte er erstens schneller eine Antwort gefunden, und zweitens im Anwenden dieser Erkenntnis eine Lebensaufgabe, die ihm gar keine Zeit mehr zur melancholischen Sinnsuche gelassen hätte.     

Was die Gemeinde im Innersten zusammenhält ist klar, schließlich steckt es schon im Namen drinnen. Weder sind es gesunde Gemeindefinanzen, noch (verfassungs-)rechtlich geregelte Strukturen ihres Aufbaus oder ihrer Verwaltung.

Das Miteinander macht eine Gemeinde erst aus

Es sind die Gemeinschaft, das Miteinander einer Gruppe von Menschen und der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft, die dem Sinn der Gemeinde zugrunde liegen. „Communis“ bedeutet „gemeinsam“, und nicht „nebeneinander“.

In Zeiten, in denen die Menschen nur noch auf das Display ihres Smartphones schauen, anstatt in die Gesichter ihrer Mitmenschen; in denen der individuelle Lifestyle zum erstrebenswerten Dogma aufgestiegen ist, und in denen man Fotos am liebsten von sich selbst macht, anstatt von anderen, da haben jene Personen, die sich für sozialen Zusammenhalt engagieren, keinen leichten Stand.

Wo findet denn die Ortsgemeinschaft noch zusammen? Die Kirchen werden immer spärlicher besucht, Märkte meist schon lange nicht mehr abgehalten, der Wirt hat vielerorts auch schon für immer geschlossen und der Nahversorger längst gegenüber dem Supermarkt auf der grünen Wiese (drei Ortschaften weiter) kapituliert. Was noch bleibt wird umso mehr hochgelobt. Es sind die Vereine: Musikverein, Feuerwehr, Schützenverein, Trachtenverein, und der Sparverein schon wieder nicht mehr so sehr. Doch Nachwuchssorgen und Überalterung sind auch hier ein häufiges Problem. 

Ideen, wie die Gemeinschaft bewahrt werden kann, gibt es zuhauf

Die Gemeindeverantwortlichen sind ganz schön gefordert, die bloße Ansammlung von Bürgern als Gemeinschaft zu bewahren. Ideen und Einfallsreichtum sind gefragt, um dem wandelnden Zeitgeist innovativ und nachhaltig entgegenzutreten.

Wem ad hoc keine Rezepte dafür einfallen, sollte sich dennoch nicht wie Faust der Zauberei zuwenden. (Es sollen mit kommunalen Geldern hierzulande ja sogar schon magische Schutzringe gelegt worden sein.) Man muss auch nicht das Rad neu erfinden. Tatsächlich gibt es bereits eine Fülle von spannenden Projekten, wie Kommunen das Zusammenleben ihrer Bürger auf sozial nachhaltige Weise forcieren können. Ideen, die bereits umgesetzt wurden, und die sich in der Praxis bewährt haben. 

Diese Ideen dürfen und sollen Schule machen. Um ihnen eine Bühne zu geben, bekamen sie beim Gemeinde-Innovationspreis IMPULS bereits eine eigene Kategorie, und damit Gemeindeverantwortliche sie in ihrer Vielfalt kennenlernen und für ihren Heimatort optimal adaptieren können, ist das Themenfeld „soziale Nachhaltigkeit“ einer der drei großen Schwerpunkte bei der heurigen Kommunalmesse in Graz.

Zahlreiche Anbieter, Umsetzer und Experten, die genau auf diesen Bereich spezialisiert sind, bilden daher am 26. und 27. Juni den größten Kompetenz-Cluster für wirksame Maßnahmen, die das Miteinander in Gemeinden dauerhaft forcieren. 

Wie das kommunale Sozialleben aufblühen kann

Die sozialpolitische Wollmilchsau gibt es leider nicht, doch wenn es sie gäbe, wäre sie bestimmt auf der Kommunalmesse. Was es sehr wohl gibt, ist eine Fülle an unterschiedlichen Maßnahmen, durch die das kommunale Sozialleben aufblühen kann.

Soll Raum für gemeinsame Begegnungen geschaffen werden? Wie bringt man Alt und Jung wieder zusammen? Welche Erleichterungen machen Ehrenämter wieder attraktiv? Mit welchen Initiativen wurden Kommunen für Familien plötzlich attraktiv? Welche Lösungen sind finanziell realistisch und haben dennoch einen hohen Wirkungsgrad? Beim Zusammentreffen von Kommunalpolitikern mit Fachleuten und Praktikern werden nicht nur Ideen weitergegeben, sondern auch individuell angepasste Lösungen gefunden.  

BürgerInnengärten in Mistelbach

Einige Gemeinden haben ihre Ideen bereits umgesetzt. So wurde in Mistelbach das Projekt „BürgerInnengärten“ im Jahr 2014 durch Vizebürgermeister Christian Balon ins Leben gerufen und ist unter Beteiligung von Bürgern der Stadtgemeinde im Rahmen einer Stadterneuerungssitzung entstanden.

Nun, fünf Jahre später ist klar: Das Konzept der anmietbaren Selbsternteparzellen in Zentrumsnähe ist ein voller Erfolg - in sozialer und in nachhaltiger Hinsicht.

Mistelbach
Beim Garteln kommen die Leut‘ zam: In Mistelbach können Bürger zentrumsnah Selbsternteparzellen (BürgerInnengärten) anmieten.  
 

Ein Hofladen für Lengau

Im oberösterreichischen Lengau hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe einen Hofladen eröffnet.

Auf 120 m² vertreibt der Lengauer Laden Produkte von mehr als 35 Direktvermarktern aus der Region. Sie decken den täglichen Bedarf an saisonalen Grundnahrungsmitteln ab. Abgerundet wird das Sortiment von frischen Mehlspeisen, die im Café angeboten werden, und handgefertigten Produkten aus der Lebenshilfe-Werkstätte Mattighofen.

Nicht nur sechs Menschen mit Beeinträchtigung fanden so einen dauerhaften Arbeitsplatz, der Laden und das angeschlossene Café haben sich als sozialer Treffpunkt und als Ort des Zusammentreffens und des Austausches etabliert. Ganz abgesehen davon, dass die Gemeinde nun endlich wieder einen Nahversorger hat.   

Lengau
Der „Lengauer Laden“ ist ein Hofladen und ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Lengau mit der Lebenshilfe Oberösterreich, das sozial, nachhaltig und der Ortskernbelebung förderlich ist.

Ideenwerkstatt in Trofaiach

Im steirischen Trofaiach veranstaltete man eine Ideenwerkstatt mit der Bevölkerung. Als Ergebnis wurden mittlerweile etliche Vorhaben umgesetzt, die von den Bürgern begeistert aufgenommen wurden.

Von Innenstadt-Veranstaltungen wie einem Stadtfest oder einem Triathlon, über die Eröffnung des Trofaiach-Tandlers, neue Mobilitätsknoten, aktivierte Leerstände, das Kümmerer-Büro in der Innenstadt, das auch von aktiven Bürgergruppen eifrig genutzt und hervorragend angenommen wird, bis hin zum Neubau von Stadtmobiliar.   

Lassen Sie sich von praxisbewährten Ideen inspirieren, und treffen Sie auf der Kommunalmesse 2019 in Graz jene Fachleute, die Ihnen beim Anpassen und Umsetzen sozial sinnvoller und nachhaltiger Projekte in Ihrer Gemeinde bestmöglich helfen können. 

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