Schüler schlafen in der Klasse
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Die Antwort auf die Frage, ob wir uns in Zukunft den Betrieb von Schul- und Unterrichtsräumen ohne Hybridlüftung überhaupt leisten können, ist eindeutig „Nein“.

Frische Luft für wache Köpfe

Es gibt Orte, da fühlen wir uns besonders wohl – im Wald, am Meer, auf dem Berg, in unserem Zuhause. Dieses Wohlbefinden wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter findet sich immer wieder eine Konstante: Wir fühlen uns dort wohl, wo wir gute Luft einatmen – Luft ist unser wichtigstes Lebenselixier.

Die Qualität unserer Atemluft übt entscheidenden Einfluss auf unseren Energiehaushalt und vor allem auch auf unsere Leistungsfähigkeit aus. Grund genug, sich eingehend mit dem Thema Luft in Unterrichtsräumen zu beschäftigen, um unserem Nachwuchs gute und leistungsfördernde Raumluft zu ermöglichen.

Was ist gute oder schlechte Innenraumluft in Schulräumen?

„Schlechte Luft“ verursachende Schad- und Geruchsstoffe können von Möbeln und Materialien der Innenausstattung stammen, in dicht belegten Räumen produzieren jedoch die Schüler selbst den Großteil an Luftverunreinigungen. Diese von den Nutzern abgegebenen flüchtigen Substanzen führen zu Aufmerksamkeits- und Leistungsverlusten.

Bei guter Lüftung in Schulen hingegen schätzt man, dass durch die schadstoffarme Luft bei den Schülern Leistungsgewinne im zweistelligen Prozentbereich erreicht werden können. Nicht nur aus Schulen kennt man positive Effekte reiner Luft, im Bereich der Krankenhaushygiene ist auch die Tatsache wohlbekannt, dass in gut belüfteten Räumen infolge der Verringerung der Übertragung von Keimen die Krankheitsanfälligkeit und damit die Fehlzeiten absinken.

Zusammenhang zwischen CO2-Konzentration und Luftgüte

Die von uns ausgeatmete Substanz Kohlendioxid (CO2) eignet sich ausgezeichnet als Beurteilungsparameter für die Qualität der Raumluft. Schon der Hygieniker Max von Pettenkofer entdeckte Mitte des 19. Jahrhunderts den Zusammenhang zwischen der CO2-Konzentration und der Luftgüte:

Für Innenräume, in denen geistige Leistungen erbracht werden sollen, wird dieser Wert immer noch herangezogen.

Laut der Richtlinie zur Bewertung der Innenraumluft des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus/ Österreichische Akademie der Wissenschaften darf die Kohlendioxid-Konzentration im Mittel den Wert von ein Promille = 0,1 Prozent = 1000 ppm (parts per million = Teile CO2 pro Teile Luft) während einer Unterrichtsstunde nicht überschreiten.

Luftqualität in einem Unterrichtsraum

Lüftungsampel zeigt Qualität der Raumluft an

Man könnte, wenn man die Praxis in Schulen nicht kennt, vielleicht glauben, dass dieser Wert durch gutes Lüften in den Pausen zu erreichen wäre. Dies entspricht jedoch bei den mittlerweile dicht schließenden Fenstern und der damit verbundenen geringen Grundlüftung nicht der Realität.

Dieser Umstand führt unter anderem zu der Frage, wie man erkennen kann, wie es um die Qualität der Raumluft in Schulräumen bestellt ist.

Schadstoffe wie Lösungsmittel oder Formaldehyd können mittels spezialisierter Laboranalytik gemessen werden. In der Regel genügt es jedoch, die Konzentration an CO2 als Anzeiger für die Qualität der Raumluft in Hinblick auf menschliche Emissionen zu bestimmen.

Um wenig Geld kann beispielsweise eine sogenannte „Lüftungsampel“ oder ein CO2-Messgerät angeschafft werden. Eine Lüftungsampel zeigt gelb, wenn die Raumluft grenzwertig mit Geruchs- und Schadstoffen belastet ist, und rot, wenn die Raumluftqualität derartig absinkt, dass ein Schulbetrieb nicht mehr vertretbar wird. Somit können derartige Messgeräte anschaulich auf die Notwendigkeit von Lüftungsmaßnahmen hinweisen. 

Lüften reicht nicht

Bei bisher durchgeführten CO2-Monitorings zeigte sich, dass man für die Bereitstellung der erforderlichen Frischluftmenge von etwa 20 m³ pro Schüler und Stunde in der Regel etwa alle zehn Minuten lüften müsste, was in der kalten Jahreszeit in einem geordneten Schulbetrieb völlig unmöglich ist. Entgegen oftmals gehörter Meinung ist dies auch bei Schulen außerhalb des Stadtgebietes der Fall. 

Was ist nun die Lösung? Gutes Lüften vor allem in den Pausen ist immer eine gute Idee, in der Praxis ist dies in vielen Fällen nicht ausreichend möglich oder findet aus Haftungsgründen nicht statt. 

Hybridlüftung ergänzt Fensterlüftung

Darüber hinaus wurden die undichten, Energie vernichtenden Fenster der Sechziger- und Siebziger-Jahre des vorigen Jahrhunderts fast überall durch dicht schließende Verbundfenster ersetzt. Aus diesem Grund muss die Fensterlüftung durch eine bedarfsgeregelte Komfortlüftung unterstützt werden. Man nennt diese Kombination „Hybridlüftung“.

In Deutschland ist laut einem im Jahre 2017 erschienenen Lüftungsleitfaden des deutschen Umweltbundesamtes bei Neubauten von Schulen und Unterrichtsräumen eine Hybridlüftung obligatorisch vorzusehen. Im Büroneubau, wo Effizienz und Leistung ein Muss sind, hat man dies auch hierzulande schon seit langem begriffen und achtet auf ausreichende Frischluftzufuhr.

Diese „Infrastrukturmaßnahmen“ kosten Geld, dieses ist jedoch bestmöglich investiert – nämlich in das Wissen und die Gesundheit unseres Nachwuchses.

Gute Lüftung führt zu besserer Leistung

Untersuchungen aus Skandinavien zeigen eindeutig, dass bei guter Luft in Schul- und Unterrichtsräumen durch Leistungsgewinne und Vermeidung von Fehlstunden volkswirtschaftlich viel Geld gespart werden kann – diese Einsparungen wiegen schon nach sehr kurzer Zeit die Ausgaben für die notwendigen Investitionen auf.

Bei dem Thema „mechanische Lüftung“ scheiden sich oft die Geister und es tauchen Bedenken bezüglich Hygiene und Pilzbefall auf. Diese Befürchtungen stammen aus Zeiten der lauten, Energie fressenden und zugigen Lüftungsdinosaurier, die es heute glücklicherweise nicht mehr geben sollte.

Lüftungsanlagen müssen akzeptiert werden

Bedenken seitens des Schulerhalters, des Lehrpersonals oder der Eltern sollten aber schon in der Planungsphase sehr ernst genommen werden, um die größtmögliche Akzeptanz von geplanten Maßnahmen zu erreichen. Die beste Lüftungsanlage ist verlorener Aufwand, wenn sie von unzufriedenen Nutzern nicht akzeptiert und im schlimmsten Fall sogar außer Betrieb gesetzt wird! 

Manch einer denkt zum Beispiel, dass die Fenster nicht mehr geöffnet werden dürfen. Richtig ist, dass bei Komfortlüftungsanlagen die Fenster zu jeder Gelegenheit geöffnet werden können und auch sollen, um möglichst viel Frischluft in die Räume einzubringen.

In der warmen Jahreszeit dient eine moderne Komfortlüftungsanlage in den Nachtstunden dazu, kühle Luft in die Schulräume einzubringen.

Mittlerweile sind Hitzeperioden schon im Mai und Juni zu erwarten. An sehr heißen Tagen wird daher die heiße Außenluft mit der im Gegenstromwärmetauscher geführten Raumluft abgekühlt. Eine gut programmierte Lüftungsanlage kann also dazu beitragen, dass der neue Schultag in einem angenehm frischen, gut temperierten Raum verbracht wird.

Moderne Lüftungsanlagen sind keine Keimschleudern

Häufig werden raumlufttechnische Anlagen als „Keimschleudern“ bezeichnet, was bei uralten Klimaanlagen mitunter tatsächlich der Fall war.

Keime brauchen hohe Feuchtigkeit, somit können „Verkeimungen“ bei Lüftungsanlagen gar nicht auftreten. Auf eine gute Wartung der raumlufttechnischen Anlage muss dennoch größter Wert gelegt werden. Wenig bekannt ist, dass durch hochwertige Zuluftfilter ein positiver gesundheitlicher Effekt entsteht: Der Eintrag von die Gesundheit gefährdendem Feinstaub und Pollen wird deutlich reduziert.

Zug und Lärmbelastung reduzieren

Zwei bei allen raumlufttechnischen Anlagen ernst zu nehmende Themen sind mögliche Zugerscheinungen und akustische Belästigung, welche die Freude über die frische Luft verleiden können. Wichtig für eine nahezu unhörbare, zugfreie Einbringung der Luft ist daher, auf gut angeordnete Zuluftauslässe und hochwertige Schalldämpfer zu achten.

Lüften und dabei Energie sparen

Zu guter Letzt die immer wichtiger werdende Energiefrage: Vergeuden wir vielleicht mit Lüftungsanlagen wertvolle Energie? Das Gegenteil ist der Fall: Moderne Lüftungs- und Heizsysteme sparen im Vergleich zu alleiniger Fensterlüftung Energie ein.

Abschließend stellt sich die Frage, ob wir uns in Zukunft den Betrieb von Schul- und Unterrichtsräumen ohne Hybridlüftung überhaupt leisten können, und die Antwort ist eindeutig „Nein“.

Obwohl vermutlich noch niemand „erstunken“ ist, wäre der Neu- oder Umbau von Schulen ohne eine ausreichende Lüftungslösung in der heutigen Zeit keine zukunftsfähige Entscheidung – das Bauvorhaben würde nebenbei bemerkt auch nicht den Bauordnungen der Länder entsprechen. Die oberste Forderung bei Lüftungskonzepten muss aber die Qualität sein und nicht – wie leider so oft – die preisgünstigste Lösung.

Mit einer hochwertigen, gut geplanten und regelmäßig gewarteten Hybridlüftung, die auch nachträglich in Schulklassen eingebaut werden kann, erhalten wir nicht nur bessere Raumluft um die gleichen Energiekosten, sondern auch mehr Aufmerksamkeit der Schüler, bessere schulische Leistungen und deutlich weniger Krankenstände bei Schülern und Lehrpersonal.   
 

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