Gebäudeadressen können Zeit sparen
Shutterstock/Denys Prykhodov
Es kommt immer wieder vor, dass das Navi eine Adresse nicht findet.

Exakte Adressangaben können Leben retten

Fr, 16.11.2018 - 12:59

Wenn Rettungsdienste gerufen werden müssen, zählt jede Minute. Damit es zu keinen unnötigen Verzögerungen kommt, ist es wichtig, ganz genaue Adressangaben mit den Zugängen zu liefern, damit alles schnell und reibungslos veranlasst werden kann. Was passiert, wenn Wirtschafts- und Industrieanlagen, die aus mehreren Gebäuden bestehen, nur unter einer Verwaltungsadresse geführt werden?

Diese Problematik kann sich Besuchern, aber auch Veranstaltern einer Messe oder Besuchern eines Universitätsgeländes zeigen. Das Navi findet das richtige Gebäude im Gebäudekomplex nicht. Oder das Navi führt zu einer Adresse, wo es zwei Eingänge gibt – Frust, lange Gehwege oder auch Stau können zu Folgen führen. Um präzise arbeiten zu können, um Besuchern Zeit und Nerven sparen zu können, wäre es hilfreich, eine Zufahrtsangabe für einzelne Gebäude zur Verfügung zu haben. 

Was aber bedeutet das für die Gemeinden? Entspricht der Nutzen dem Aufwand?

Günter Rabl vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, gibt Auskunft. 

Warum sollten sich die Gemeinden mit dem Thema Zufahrtsadressen für Gebäude befassen? 

Günter Rabl: Aus der Erfahrung und der Analyse bei Schulungen hat sich herausgestellt, dass die in Navigationssystemen angebotene Zufahrt zu großen Industrie- und Universitätskomplexen nicht immer in Übereinstimmung mit den tatsächlichen Zufahrten zu den Gebäuden in der Natur ist.

Das heißt, man kann aufgrund der Geocodierung der Adresse nicht von einer sichergestellten einfachen Zufahrt oder Erreichbarkeit zu einzelnen Gebäuden ausgehen. Daher ist es nicht von der Hand zu weisen, dass für bedeutende Industriegebäude, die eine eigene Zufahrt haben, eigenständige Zufahrtsadressen vergeben werden. Damit wäre die Möglichkeit gegeben, die Gebäude dann über eine eigene Routingadresse zu finden, was im anderen Fall nicht möglich ist, weil eine einzige Adresse nur eine routingfähige Zufahrt hat, unabhängig wie viele Gebäude zu ihr gehören und  wie diese Gebäude erreicht werden können. 

Gibt es Beispiele, wo es besonders sinnvoll ist, für Gebäude Zufahrtsadressen zu vergeben?

Beispielhaft ist der Campus Tulln und die Messe Wieselburg, wo man eindeutig sieht, dass das Verwaltungsgebäude die repräsentative Adresse hat, die übrigen Gebäude und Hallen aber ganz andere Zufahrten haben. Daher würde es sinnvoll sein, diese Gebäude mit einer eigenen Adresse zu versehen, um sie routingfähig zu machen. Das wäre eine wesentliche Vereinfachung für Aussteller und für Lieferanten.

Können Sie uns ein praktisches Beispiel nennen, das bereits umgesetzt wurde?

In der Stadt Klagenfurt hat die zuständige Abteilung alle Gebäude auf die Adressebene gehoben. Das bedeutet, dass jeder Adresse nur mehr ein Gebäude, das von Ortsunkundigen gefunden werden soll, zugeordnet ist. Somit sind alle wichtigen Gebäude auf einer eigeneständigen Adresse nun zu erreichen.

Ist es technisch leicht umzusetzen?

Ja. Und es ist jederzeit möglich. Wichtig ist zu betonen, dass sich das „Aussehen“ der Adresse nicht ändert – es ändert sich nur die Datenstruktur.

Wir haben ja erlebt, dass manche Sonderzeichen (z. B. der Schrägstrich) nur auf der Gebäudeebene, nicht jedoch auf der Adressebene erlaubt sind. Wie also kann die Umstellung umgesetzt werden?

Der Schrägstrich ist tatsächlich zur Zeit auf Adressebene nicht einsetzbar. Um diese technische Umsetzung für die Bevölkerung und die Wirtschaft quasi „unsichtbar“ zu gestalten, soll das Aussehen der Adresse - wie schon gesagt - unverändert bleiben. Das Problem ist, dass die Gebäude mit der Nutzungsbewilligung einen Bescheid über die Hausnummer bekommen haben. Diese Bescheide müssen rechtsgültig bleiben! Nun erfahren sie technisch eine andere Abbildung und wir müssen sicherstellen, dass diese technische Abbildung das bisherige Aussehen beibehält. Dieser Prozess ist eingeleitet. Das heißt: es ändert sich in der Natur nichts, es ändert sich an den „Adresstaferln“ nichts, wir werden es aber in den Daten entsprechend anpassen.

Wie viel Aufwand erfordert eine solche Umstellung?

Das ist pauschal nicht zu sagen. Möglicherweise geht es rasch, weil es sich nur um einzelne Objekte handelt, das muss man sich anschauen. Eventuell sind durchgreifende Analysen nötig, die berücksichtigen, wie eine Gemeinde und die entsprechenden Eigentümer die Gebäude aufgeteilt haben wollen oder wie sie die Gebäude angesprochen haben wollen.

Es ist also nötig, mit der Gemeinde und den Eigentümern zu sprechen. Es kann dieses Vorhaben ja sogar mehrere Gemeinden betreffen – man denke an Industriegebiete, die auf mehreren Gemeindegebieten liegen. Da kann der Aufwand relativ groß sein und mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Vielleicht sind bestimmte Projekte auch schon in einem Tag erledigt. Das ist immer abhängig von der Größe des Projekts.

Ist es ein rein technisches Verfahren oder geht es auch darum, Bescheide oder Verordnungen oder Gesetze zu erlassen?

Verwaltungsakte gilt es zu vermeiden. Es kann jedoch sein, dass es bei der Analyse der Gegebenheiten ersichtlich wird, dass es sinnvoll ist, Gemeindegrenzen zu verändern. Das ist im Einzelfall zu entscheiden und hat auch praktische Vorteile. Wenn eine Gemeindegrenze durch ein Gebäude hindurch geht, hat das auch vom Baurecht her weitreichendere Konsequenzen, beispielsweise die Frage: Wer stellt die Baubewilligung aus?

Ein Beispiel: Der neue Wiener Hauptbahnhof lag bei Baubeginn auf dem Gelände von vier Bezirken. Man hat dann die Bezirksgrenzen so verschoben, dass das Projekt in einem Bezirk lag. Nach Bauabschluss wurden die ursprünglichen Bezirksgrenzen wieder hergestellt. Das hat die Genehmigungsverfahren erheblich vereinfacht.

In der Regel sind es aber rein technische Verfahren, rein operative Entscheidungen.

Kann die Gemeinde selber entscheiden, für welche Firmenanlagen man die Umstellung einrichtet? Sollte man dafür Kategorien anlegen? Wo zahlt sich der Aufwand aus?

Wenn man davon ausgeht, dass sich für den Nutzer nichts ändern soll, dass also die plakative Hausnummerntafel gleich bleibt, kann die Gemeinde das schnell und ohne Einbeziehung der Gebäudeeigentümer ändern. Wenn allerdings in der Natur etwas geändert werden muss, dann schaut das ganz anders aus. Aber in der Regel soll ja in der Natur nichts verändert werden, das wäre ja der Sinn der Verwaltungsvereinfachung.

Die Gemeinden sollten sich anschauen, wo es große Flächen mit Gebäuden gibt, die unterschiedliche Funktionen haben und bislang unter einer Adresse subsumiert sind. Dies sollte man in verschiedene Adressen aufteilen und dort weitere Strukturmaßnahmen vornehmen. 

Günter Rabl
Günter Rabl: „Die Gemeinden sollten sich anschauen, wo es große Flächen mit Gebäuden gibt, die unterschiedliche Funktionen haben und bislang unter einer Adresse subsumiert sind.“

Was genau bedeutet das zum Beispiel für ein Messegelände?

Ein Messegelände hat verschiedenen Hallen: Halle 1,2,3,4 usw. Die Adresse für das gesamte Gelände lautet aber: Messestraße 1 Das Routing führt nur zur Messestraße 1, nicht aber zu den möglichen Zufahrten der einzelnen Hallen. Das ist ungenügend. Werden auch die einzelnen Gebäude auf die Adressebene gehoben, dann hieße es beispielsweise Messestraße 1, Halle 1 - und diese Halle hätte eine selbständige routingfähige Zufahrtsadresse.

Aus strategischen oder Marketinggründen wird für die Messe weiterhin nur eine Adresse verwendet, aber das Routing zu den einzelnen Hallen kann deutlich verbessert werden. Bei alledem wird aber nichts in der Natur verändert. 

Für Navigationssysteme wäre das also eine erleichternde Ergänzung?

Ja! Eine routingfähige Adresse für Gebäude kann bei einem großen Wirtschaftsgelände zu erheblichen Vereinfachungen und Einsparungen führen. Und noch schnellere und effizientere Hilfeleistungen ermöglichen.

Bei Grundsatzfragen zum Thema Adresse kann man sich per E-Mail an das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen wenden.

adressregister@bev.at

Bei Fragen rund um die praktische Umsetzung steht Martin Redl von der Firma GeoMagis zur Verfügung

m.redl@geomagis.at

Mehr zum Thema

Immer informiert bleiben!

Jetzt für KOMMUNAL.AKTUELL anmelden und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Ja, ich möchte im Newsletter persönlich angesprochen werden! (optional)

Aktuelle Beiträge aus allen Themenbereichen