Straße im Waldviertel
Shutterstock/Matt Ledwinka

Eine Region bereitet sich auf den Klimawandel vor

In der Kleinregion Waldviertler Kernland spürt man bereits erste Auswirkungen des Klimawandels – etwa einen Anstieg der Durchschnittstemperatur, häufige Starkregen, einen Rückgang der Frosttage und die Zunahme an Sonnenscheintagen. Damit verbunden sind auch das Auftreten bisher unbekannter Schädlinge, Trockenstress bei den Wäldern sowie eine Verlängerung der Vegetationsperioden. 14 Gemeinden aus den Bezirken Zwettl und Krems haben sich nun zu einer „Klimawandel-Anpassungs-Modellregion“ – kurz „KLAR!“ – zusammengeschlossen, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen und sich auf unvermeidbare Veränderungen vorzubereiten.

„Es geht nicht darum, den Klimawandel aufzuhalten, sondern sich mit dessen Folgen auseinanderzusetzen", sagt Doris Maurer, Geschäftsführerin der Kleinregion. „Der Zug fährt schon – ob wir mitfahren oder nicht", ergänzt der Bürgermeister von Grafenschlag Robert Hafner, der Obmann der Kleinregion ist. „Wichtig ist, dass alle Gemeinden mit an Bord sind", meint Hafner.

In folgenden Bereichen wurden Ziele und Maßnahmen definiert, um das Gleichgewicht in der Region aufrecht zu erhalten:

Humussicherung – Humusbilanz

Eine humuszehrende Bodenbewirtschaftung war früher klimabedingt nur sehr eingeschränkt machbar. Durch den Anstieg der durchschnittlichen Temperatur wird dies in Zukunft stärker möglich sein. Dadurch ergeben sich neue Chancen in der Landwirtschaft. Damit diese genützt werden können, ohne dass es zu einem massiven Abbau der Humusschicht kommt, soll schon jetzt intensiv an der Bewusstseinsbildung für den nachhaltigen Erhalt der „Ressource Boden" gearbeitet werden.

Das Humusbilanzierungsprogramm der Bioforschung Austria stellt dazu ein optimales und bereits erprobtes Instrument dar. Die Humusbilanzierung ist eine Methode, welche die Bemessung und Beurteilung der Humusversorgung von Ackerland möglich macht. Dabei werden Humusbedarf und -zufuhr der jeweiligen Kulturpflanzen bzw. deren Fruchtfolge und die Zufuhr organischer Materialien auf einer Fläche einander gegenübergestellt und dadurch ein Humussaldo bestimmt.

Jedem Dorf seinen Bienenstock

Bienen leiden unter den Veränderungen des Klimas (Störung der Winterruhe, verlängerte Vegetation). In den letzten Jahren kam es bereits zu massiven Verlusten bei den Imkern. Ohne Bienen ist aber die Biodiversität gefährdet, da die Biene einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt vieler Pflanzen liefert. Daher wollen die Gemeinden gemeinsam mit dem Imkerverband ein Informations- und Schulungsprogramm unter dem Motto „Die Biene im Klimawandel" umsetzen, Mit dem Programm „Jedem Dorf seinen Bienenstock" sollen weitere Personen zum Imkern motiviert werden. Dabei wird erhoben, in welchen Dörfern es keinen Imker mehr gibt. Danach werden geeignete Standorte erhoben. Dort werden Bienenstöcke aufgestellt und von einem regionalen Imker betreut.

Die „Waldpfleger"

Die höheren Temperaturen und längeren Trockenphasen im Sommer setzen vor allem die Fichte unter Stress. In den letzten Jahren kam es durch Trockenheit und Käferbefall bereits zu massiven Ausfällen bei den Fichtenbeständen.

Dazu kommt, dass in den nächsten Jahren immer mehr „hof-ferne" Personen Waldbesitzer werden. Diese verfügen weder über das Wissen noch über die Fähigkeiten für klimagerechte Waldbewirtschaftung (Baumartenwahl, Pflegemaßnahmen, Käferkalamitäten,…). Daher wird das Programm „Waldpfleger" initiiert. Ausgebildete Forstfacharbeiter, kontrollieren dabei den Wald von hof-fernen Waldbesitzern – etwa auf Käferbefall -, führen Beratung zu Pflegemaßnahmen durch und setzen diese auch um.

Regionaler Trinkwasserplan

Laut einer Erhebung des Landes NÖ können bei länger anhaltender Trockenheit Versorgungsengpässe beim Trinkwasser auftreten. Daher ist die Erarbeitung eines regionalen Trinkwasserplans geplant. Dabei sollen die Stärken und Schwächen sowie Verbesserungspotentiale der derzeitigen Trinkwasserversorgungsstruktur aufgezeigt und nachhaltige Lösungen ermittelt werden.

Aus Leerstand wird Ferien-Zuhause

Im Vergleich zu den Ballungszentren ist das Waldviertel von Hitzewellen noch weitgehend verschont. Daher könnte sich die Region als Sommerfrische etablieren. Es wird ein klimaschonendes Angebot geschaffen, das vor allem Familien mit Kindern und älteren Menschen ermöglicht, in den heißen Sommermonaten im Waldviertel zu wohnen. Durch die Nutzung von Leerständen für „hitzegeplagte Städter" müssen keine neuen Anlagen errichten werden.

Grundlagenerhebung für Risikosiedlungen

Die Zunahme von Starkregen-Ereignissen macht es notwendig, neue Versickerungsflächen zu schaffen. Es ist daher wichtig zu erheben, wie sich Grundwasserspeicher befinden und wo es in den letzten Jahren zu Überschwemmungen durch Regenfälle gekommen ist. Darauf aufbauend können dann Flächen bestimmt werden, die sich als Retentionsfläche und/oder Versickerungsflächen eigenen würden.

Erhalt der Biodiversität

Kobel, Bichel und Baumreihen stellen wesentliche landschaftsprägende Elemente dar, bieten einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und mindern den Humusabbau durch Wind und Starkregen. Daher sollen derartige Bodenschutzanlagen erhalten und auch neu angelegt werden.

Klimawandelangepasstes Gärtnern

Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf die Gemüse- und Obstgärten. Im Rahmen dieser Maßnahme entstehen Konzepte und Anleitungen für „klimaangepasstes" und „klimasensibles" Gärtnern. Dabei sollen im Besonderen bewährte, biologisch nachhaltige Methoden vor dem Hintergrund des Klimawandels neues Gewicht bekommen. Geplant sind: eine Reihe von Weiterbildungsangeboten für Klein- und Gemeinschaftsgärtner, Schaugärten im öffentlichen Raum sowie ein Leitfaden „Klimaangepasstes Gärtnern".

Sensibilisierung der Schüler

Für die erste bis vierte Schulstufe wird das Thema „Biodiversität“ bearbeitet. Analog zur Maßnahme „Bichel, Kobel und Baumreihen“ wird den Kindern mittels Unterlagen und Exkursionen der Wert dieser Landschaftselemente nähergebracht. Für die 5. bis 9. Schulstufe findet ein Film-Wettbewerb statt, bei dem die Schüler einfache Videos erstellen, in denen sie eine Maßnahme oder ein Anpassungsthema witzig, emotional, packend vorstellen. Die besten Videos werden prämiert und öffentlich vorgestellt.

Gruppenbild vom Klar-Infoabend
Die Gemeindevertreterinnen und -vertreter der Region stehen hinter dem Projekt.

1. Reihe: Bgm. Roland Zimmer, Bgm. Christa Jager, Bgm. Obmann Robert Hafner, Geschäftsführerin Doris Maurer, Bgm. Fritz Fürst

2. Reihe: Bgm. Christian Seper, Bgm. Arnold Bauernfried, Bgm. Johann Stieger, GfGr Franz Huber, GR Andreas Schildorfer, Bgm. Franz Rosenkranz, VzBgm. Stanzl Harald, GR Franz Wagesreither

Klimawandel-Anpassungsmodellregionen

Initiiert wurde das Förderprogramm „KLAR! – Klimawandel-Anpassungsmodellregionen“ vom Klima- und Energiefonds in Kooperation mit dem Umweltministerium. Als erstes derartiges Programm unterstützt es heimische Regionen bei der Planung und Umsetzung von gezielten Anpassungsmaßnahmen. „Die Modellregionen erarbeiten gemeinsam mit Fachleuten konkrete Anpassungskonzepte für ihre Regionen. Diese sind für die Gemeinden wichtige Entscheidungsgrundlagen, denn mit ihnen können sie sich mit zielgerichteten Investitionen auf die Klimazukunft einstellen“, sagt der der Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, Ingmar Höbarth. Österreichweit sind derzeit 23 Regionen in dem Programm vertreten.

http://www.klimawandelanpassung.at/

 

 

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