Freizeitverein Hollenstein
Das „schönste Naturbad Österreichs“ (laut Kronen Zeitung) im Sommer 2018: Das Flussbad an der Ybbs wird von Freizeitvereins Hollenstein betrieben. Rechts im Bild der eingezogene Sohlgurt.

Das Flussbad lebt!

Flussbäder sind heutzutage rar, und ihr Ruf ist nicht der Beste. Zu Unrecht, denn das Naserümpfen beruht oft nur auf Vorurteilen und den Gedanken an eine zweifelhafte Wasserqualität, die bei den vorhandenen Flussbädern jedoch gar nicht bzw. längst nicht mehr gegeben ist. Hier ist ein Überblick über die Flussbad-Situation in Österreich und darüber hinaus.

Papa watet benommen aus der trüben Suppe und reibt sich den Kopf an der Stelle, an der ihn das Treibholz getroffen hat. Währenddessen kämpft sich Mama verzweifelt durch den vorbeischwimmenden Abfall um das hilflose Töchterlein zu retten, das von der Strömung mitgerissen wird. Solche oder ähnliche Bilder scheinen bei vielen Österreichern vor den geistigen Auge auftauchen wenn sie ans Baden im Fluss denken.

Doch woran liegt das? An Erfahrungen im Ausland? Daran, dass die großen heimischen Fließgewässer in der Regel eine relativ hohe Fließgeschwindigkeit aufweisen? Oder dass sie sofort mit den Alpenseen, die wirklich eine fantastische (Trink-)Wasserqualität aufweisen, verglichen werden? Tatsache ist, diese Vorurteile waren nicht schon immer vorhanden. Früher waren Flussbäder äußerst populär. 

Was ist ein Flussbad?

Als Flussbad wird ein Schwimmbad bezeichnet, dessen Wasserfläche sich in einem Fließgewässer befindet. Meist in Form eines abgegrenzten Bereich eines Flusses, manchmal auch als schwimmendes Becken in einem Fluss.

Jahrhunderte lang galt das Baden im Fluss aus realen und mythologischen Gründen als gefährlich, krankmachend, sündhaft und sittenwidrig. Doch im Zuge der Aufklärung setzte ein Umdenken ein und das öffentliche Baden erfreute sich schnell einer immer größeren Beliebtheit. So entstanden neben Seebädern und Kurorten recht bald auch Badeanstalten an Fließgewässern - die Erste im Jahr 1760 in Paris, und in Österreich 1781 die Erste an der Donau in Wien.

Die Flussbäder waren vorerst hauptsächlich Männern vorbehalten. Gebadet wurde nach strengen Regeln und außerhalb der Anstalten war das Baden weiterhin streng verboten.  Es folgten zahlreiche Flussbäder von privaten Investoren und öffentlichen Institutionen an der Donau, dem Donaukanal und an kleineren Fließgewässern wie dem Wienfluss. Doch nicht nur in Wien ging die Zahl der Flussbäder in die Dutzenden, der Trend war europaweit der gleiche. In Berlin gab es alleine an der Spree fünfzehn private Badeanstalten. 

Das (vorläufige) Ende des Flussbades

Rund hundert Jahre lang hielt der Erfolgslauf der Flussbäder an, doch dann folgte ein jähes Ende. Grund dafür war die einsetzende Industrialisierung und die damit einhergehende rasante Verschlechterung der Wasserqualität. Die drastische Verschmutzung der Flüsse durch Industrieanlagen prägte fortan das nunmehr schlechte Image der Flussbäder. Gleichzeitig wurden Hallenbäder immer populärer und ein Flussbad nach dem anderen schloss seine Pforten. Die meisten für immer.

Nur vereinzelt überdauerte das ein oder andere Bad den Wandel der Zeit. Das Gänsehäufel in Wien, dessen Rettung die Donauregulierung war. Durch diese wurde das ehemalige Flussbett des Donaustroms zum Altarm „Alte Donau“,  dadurch de facto zu einem stehenden Gewässer.

Das Flussbad in Hollenstein an der Ybbs

Auch abseits der Ballungsräume gab es Flussbäder. Jenes in Hollenstein an der Ybbs ist ein gutes Beispiel. Über hundert Jahre ist es alt. Lange Zeit war es geschlossen und verwilderte, bis es von einem privaten Verein 1992 revitalisiert und wiedereröffnet wurde. Dieser Verlauf ist typisch für die Geschichte der Flussbäder. Nachdem sich die Fließgewässer nahezu das gesamte 20. Jahrhundert als natürliche Abwasserkanäle der Siedlungsräume und der Industrie rein wirtschaftlichen Überlegungen unterordnen mussten, setzte  in den 80er Jahren ein ökologisches Umdenken ein. Mit der steigenden Bedeutung des Umweltschutzes, stieg auch die Wasserqualität an und die Flüsse erholten sich. Seit den 90er-Jahren erlebten in Folge auch die Flussbäder ein kleines, aber anhaltendes Revival.         

Der zweite Frühling des Flussbades

Die Zahl der heute in Österreich betriebenen Flussbäder ist zwar überschaubar, aber ansteigend, und das Urteil sowohl von den Betreibern als auch von den Besuchern fällt sehr positiv aus. Nehmen wir nochmals Hollenstein als Beispiel. Die Gemeinde hatte kein Interesse das über hundert Jahre alte Bad zu reaktivieren, gab es doch noch ein normales Schwimmbad im Ort. Also hat der private Freizeitverein die Initiative ergriffen und das Flussbad zu neuer Blüte verholfen. Gottseidank, denn das andere Schwimmbad wurde inzwischen geschlossen.

Der Präsident des Freizeitvereins, Alexander Riener, berichtet stolz vom Erfolg des Flussbades: „ Die Saison dauert bei uns von Anfang Juni bis Anfang September. Die Wassertemperatur ist tageszeitabhängig. In der Früh sind es noch frische 17 Grad, im Laufe des Tages und bis zum Abend hin erwärmt sich das Wasser auf 23 bis 24°C, weil die Sonne kilometerlang auf den flachen Flussverlauf einstrahlt. Unser Bad erfreut sich großer Beliebtheit.“ Vor wenigen Jahren wurde das Bad von der Kronen Zeitung zum schönsten Naturbad Österreichs gewählt, einige Fernsehberichte waren die Folge, und spätestens seitdem kommen die Badegäste aus einem überregionalen Einzugsbereich. 

Unsicherheitsfaktor Fließgewässer

Ein Unsicherheitsfaktor bei Fließgewässern ist immer die Wasserqualität. Damit hat man in Hollenstein aber keine Probleme: „Wir können die Wasserqualität überhaupt nicht beeinflussen, sind aber verpflichtet jedes Jahr eine Wasseruntersuchung machen zu lassen, und die war noch immer sehr positiv. Bei uns hat die Ybbs Trinkwasserqualität.“ erklärt Riener.

Ein weiters Spezifikum an Flüssen: die Fließgeschwindigkeit. In Hollenstein hat man deshalb einen Sohlgurt eingezogen. Dieser trennt einen oberen, seichten Teil, der auch gut für Kinder und Nichtschwimmer geeignet ist, von einem tieferen (bis 2,5m) Teil, in dem tatsächlich die Fließgeschwindigkeit spürbar ist, das Badevergnügen aber nicht weiter beeinträchtigt wird.

Die Vorteile von Flussbädern

Ein Vorteil des Flussbades sind die vergleichsweise niedrigen, laufenden Kosten. es gibt keine Chloranlage, keine Beckenreinigung, und keinen Algen- oder Wasserpflanzenbewuchs, der gemäht werden müsste. „Gemäht wird bei uns nur die Liegewiese“, lacht Riener. Kleinere Instandhaltungsarbeiten erledigen gegebenenfalls die Tischler aus dem Verein. Zur Wiedereröffnung des Bades wurden die historischen Badekabinen liebevoll restauriert, eine WC-Anlage errichtet, sowie ein Buffet. Die gepflegte Anlage mit den alten Holzgebäuden verleiht dem Bad einen ganz besonderen Charme. Hollenstein ist aber bei weitem nicht das einzige Flussbad, das einen Besuch wert ist.

Wo gibt es Flussbäder? 

In Kaindorf an der Sulm bei Leibnitz befindet sich das älteste Flussbad der Steiermark. Dort bildet die Sulm ein natürliches Badebecken, an dem seit knapp hundert Jahren ein Bad im Familienbetrieb geführt wird. Spezialität: am Buffet gibt es neben heimischer Kost auch indisches Essen.  

In Purgstall an der Erlauf, wurde am Beginn der Erlaufschlucht erst kürzlich die alte Badeanlage wiederbelebt und ein weiteres naturbelassenes Flussbad geschaffen. 

Auch am Kamp hat das Baden lange Tradition. Das Wasser ist weich, und gleichwohl es vor der Errichtung der Stauseen noch wärmer war, erfreuen sich auch heute zahlreiche Badegäste im Kampbad Plank am kühlen Nass des Flusses. Das alte, rot-weiß gestrichene Badehaus aus Holz zeugt auch hier von einer hundertjährigen Geschichte des institutionalisierten Badens. 

Flussbad Plank
Das Strandbad in Plank am Kamp: Foto: Marianne Feiler

In der Freibadanlage am „Pielachstrand“ in Rabenstein kombiniert man das flussbaden mit zahlreichen Sportaktivitäten, und in den Sommerferien hat das Bad mittwochs gar bis 22 Uhr geöffnet. 

Weitere Flussbäder in Niederösterreich befinden sich in Gars am Kamp, Langenlois (beide am Kamp), oder Weinburg (an der Pielach). Auch Oberösterreich kann mit Flussbädern aufwarten. Etwa in Reichraming oder dem Rodlbad in Gramastetten (an der Großen Rodl). 

Ja zum Flussbad, auch im Westen

Je weiter westlich man in Österreich blickt desto spärlicher werden die Flussbäder. Dabei gibt es sehr wohl etliche beliebte Badestellen an Flüssen, jedoch sind diese so gut wie nie als Bad erschlossen. WC- Anlagen fehlen, Parkplätze sind Mangelware, Buffets Fehlanzeige. Hier besteht noch viel Potenzial mit vergleichsweise geringem Einsatz einen Mehrwert für das örtliche Freizeitangebot zu schaffen.

Auch wenn die Badesaison in den Alpen kurz und das Wasser frisch ist - der Wille der Bevölkerung an diesen Stellen zu baden ist dennoch schon jetzt vorhanden. Die laufenden Erhaltungskosten sind gering und können durch Pachtverträge mit Buffetbetreibern nahezu egalisiert werden. Auch wenn man an die Flussbad-Dichte des 19. Jahrhunderts wohl nicht herankommen wird, die heimischen Flüsse und ihre Qualität würden sich eine stärkere Beachtung als Badegewässer mehr als verdienen. 

Ausgewählte Flussbäder in Österreich

Zum steinernen Wehr

Steindorf an der Sulm, Steiermark

www.steinernewehr.com

Strandbad Hollenstein

Hollenstein an der Ybbs, Niederösterreich

www.freizeitverein.at

Kampbad Plank

Plank am Kamp, Niederösterreich

www.plank-am-kamp.at/freizeit/strandbad-plank-am-kamp/

Pielachtalbad

Rabenstein an der Pielach, Niederösterreich

www.rabenstein.gv.at/Tourismus_-_Freizeit_-_Vereine/Pielachtalbad

Rodlbad Gramastetten

Gramastetten, Oberösterreich

www.gramastetten.ooe.gv.at/RODLBAD_Gramastetten

Übersichten zu Flussbädern in Österreich

nach Bundesländern geordnet:

www.oesterreich-info.at/themen/baden-im-fluss.htm

www.austria.info 

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