Kinder in der Schule
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Bildung ermöglichen

Der Gemeindebund fordert– untermauert durch ein Gutachten – eine Aufgaben- und Kompetenzentflechtung im Bildungssystem und wünscht sich, dass das Personal in einer Hand vereint ist. Wie sieht für Sie das Bildungssystem der Zukunft aus?

Sebastian Kurz, ÖVP

Flexibler, auf die Talente der Kinder ausgerichtet und fit für das digitale Zeitalter. Wir wollen ein modernes Bildungssystem, das jede Schülerin und jeden Schüler individuell fördert und fordert. Dazu braucht es schlanke Strukturen, eine klare Regelung über die Zuständigkeiten und weniger Bürokratie in den Klassenzimmern.

Digitale Grundbildung, wie Softwarekenntnisse oder Umgang mit digitalen Medien, wird immer wichtiger in der Arbeitswelt und muss daher auch fixer Bestandteil in Schulen

 

Pamela Rendi-Wagner, SPÖ

Eines ist klar: Das österreichische Bildungssystem braucht neue Antworten auf die Herausforderung der Zukunft. Das reine Abrufen von Wissen verliert in Zeiten des Internets und von Suchmaschinen an Bedeutung. Das erfordert ein Überdenken der derzeitigen Lehrpläne und des vorgegebenen Fächerkanons, genauso wie die Digitalisierung des Bildungssystems - sei es nun die flächendeckende Ausstattung der Schulen mit WLAN oder die Ausstattung der SchülerInnen mit Laptops.

Eine Modernisierung unseres Bildungssystems geht aber auch mit einer Modernisierung der Schulorganisation und einer Entflechtung des Kompetenzwirrwarrs einher. Zunehmend werden Gemeinden mit den wachsenden Aufgaben – etwa beim Ausbau der Ganztagesschulen – alleine gelassen. Wir wollen daher eine Zusammenführung aller öffentlichen Schulen zu einer Schulerhalterschaft und eine faire, chancengerechte und aufgabenorientierte Anpassung der Finanzierung im Finanzausgleich.

 

Norbert Hofer, FPÖ

Dazu hat die FPÖ bereits im Jahr 2014 einen entsprechenden Antrag betreffend „Finanzierungssystem hinsichtlich der Errichtung, Erhaltung und Auflassung der allgemein bildenden Pflichtschulen“ im Parlament eingebracht, der damals von ÖVP/SPÖ vertagt wurde.

 

Beate Meinl-Reisinger, NEOS

Ja, die Aufgaben- und Kompetenzentflechtung in Österreichs Schulwesen ist kontraprduktiv. Wir wollen den Schulleitungen sowie den Pädagog_innen die Freiheit und Verantwortung zur eigenen Umsetzung und Gestaltung geben. Die Politik soll sich auf transparente sowie verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen konzentrieren.

Wir verlangen die volle personelle, finanzielle und pädagogische Autonomie für Schulen. Pädagogische Autonomie bedeutet, dass es entlang dem Motto „gemeinsames Ziel, vielfältige Wege“ einen einheitlichen Rahmen für alle Schulen gibt.

Die Schulen haben die Möglichkeit, eigene pädagogische und didaktische Wege zu gehen und praxistaugliche Antworten für die jeweiligen Herausforderungen zu finden. Ziel ist die „Mittlere Reife“. Sie definiert, was Jugendliche mit 15 können sollen. Finanzielle Autonomie bringt die freie Schulwahl ohne Schulgeld. Privatschulen erhalten die gleiche Finanzierung wie öffentliche, solange sie sich zur Gemeinnützigkeit verpflichten und kein Schulgeld verlangen. Jeder Schulstandort bekommt sein eigenes Budget in Form einer Pro-Kopf-Finanzierung.

Wir fördern die chancengerechte gesellschaftliche Durchmischung an Schulen mit zusätzlichen finanziellen Mitteln („Chancenbonus“) und stärken periphere Schulstandorte. Personelle Autonomie legt die Auswahl und Führung des Personals in die Verantwortung der Schulleitung. Diese ist als Führungskraft neu zu denken und wird maßgeblich durch Mitsprache des Schulgemeinschaftsausschusses vor Ort auf Zeit bestellt. Die Anstellung der Pädagog_innen erfolgt direkt an der Schule bzw. der Trägerorganisation.

 

Peter Pilz

Die Arbeitswelt entwickelt sich immer mehr weg vom Industriezeitalter hin zum Wissenszeitalter – diesen neuen Herausforderungen muss sich auch unser Bildungssystem endlich stellen. In diesem Sinne fordern wir:

  • Neubewertung des Fächerkanons mit Fokus auf die Förderung von Kreativität und Innovation
  • Neugestaltung der Wissensvermittlung, in der Kreativität, Lösungsorientierung und soziale Kompetenzen als fächerübergreifende Leitprinzipien der Bildung verstanden werden. So werden Schüler und Schülerinnen ermächtigt, angstfrei und gerne zu lernen.
  • In diesem Sinne benötigt es ein System, in dem Fehler gemacht werden dürfen und sollen und in dem lernende Menschen entsprechend ihrer Bedürfnisse individuell und ganzheitlich gefördert werden. Vom Kindergarten bis zur Universität.
  • Frühzeitige und motivierende Auseinandersetzung mit Naturwissenschaften und Technik, um mehr Menschen für die Forschung zu begeistern
  • Stärkere Förderung von Kommunikation und Kooperationsfähigkeit anstatt reine Fixierung auf Leistung und Konkurrenz
  • Das Bildungssystem der Zukunft versteht neue Informationstechnologien als Medium und Werkzeug um kreative Gedanken umzusetzen
  • Um dies zu erreichen, müssen auch die Verhältnisse von lehrenden zu lernenden Menschen neu überdacht und die Lerngruppen konsequent verkleinert werden. Vom Kindergarten bis zur Universität.
  • Außerdem ist es notwendig, den Lehrberuf attraktiver zu gestalten und gesellschaftspolitisch aufzuwerten. Nur so können engagierte Lehrkräfte gefunden werden, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben. Dies soll für alle Pädagogen und Pädagoginnen gelten, also wiederum vom Kindergarten bis zur Universität.
  • Im Hinblick auf die Neubewertung des Fächerkanons und die Neugestaltung der Wissensvermittlung ist natürlich auch die universitäre Ausbildung von Lehrkräften dement-sprechend anzupassen.
  • Der von Ihnen angesprochenen Entwirrung der Aufgaben- und Kompetenzverflechtung im Bildungssystem stehen wir positiv gegenüber. Es sollten für alle lernenden und lehrenden Menschen in Österreich dieselben Rahmenbedingungen gelten.

 

Werner Kogler

Wir Grüne haben immer wieder gefordert, die bisherigen Landeskompetenzen inklusive der Landeslehrer_innen in den Bund zu transferieren. Das brächte größere Einsparungen und bessere Planbarkeit.

Bei den Bildungsreformverhandlungen 2018 konnten wir zumindest erreichen, dass alle Lehrenden zentral abgerechnet werden. Das Bildungssystem der Zukunft stellt aber nicht auf die Verwaltung ab, sondern die Schüler_innen in den Mittelpunkt. Struktur und Lehrplan orientieren sich an der bestmöglichen Förderung und Unterstützung aller Schüler_innen, mit und ohne Hochbegabung, mit und ohne Behinderung, mit und ohne Migrationsgeschichte.

Wir wollen eine inklusive Schule für alle, die die Chancengleichheit erhöht. Das bedeutet flächendeckende Ganztagsangebote mit verschränktem Unterricht, so dass die Schultasche in der Schule bleiben kann und kein teurer Nachhilfe-Unterricht notwendig ist. Die frühe Trennung muss abgeschafft, und eine gemeinsame Schule der 10-14jährigen eingeführt werden. Zudem muss das Bildungssystem der Zukunft auch die Zukunftsthemen adäquat abbilden - das gilt für die Klimakrise genauso wie für Digitalisierung, politische Bildung und Medienkompetenz. 

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