Auch Straßenbegleitgrün und Verkehrsinseln können die Natur in die Siedlungsräume bringen. Foto: Dagmar Breschar.


5. April 2017

Umwelt

Wie Gemeinden mit mehr Natur Kosten reduzieren

Städte und Gemeinden tragen wesentlich dazu bei, die Vielfalt an Arten und Lebensräumen zu erhalten. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) bot nun gemeinsam mit dem Naturschutzbund im Rahmen seiner vielfaltleben-Gemeindetagung in Linz konkrete Handlungsanleitungen für Gemeinden am Weg zu mehr Natur.

Bei jedem Projekt der Grünraumgestaltung sind neben den eigentlichen Planungsinhalten auch die Kosten zu berücksichtigen. Dies gilt für Privatgärten genauso wie für öffentliche und betriebliche Grünflächen oder auch für Schulgärten. Dabei spielen einerseits die Errichtungskosten eine Rolle, aber auch die Kosten für die laufende Pflege. Naturnahe Anlagen haben in beiden Bereichen die Nase vorn. Durch die Verwendung von regional vorhandenen oder recyclierten Materialien wie Stein, Schotter oder Holz entstehen weder hohe Transportkosten noch ein großer ökologischer und ethischer Fußabdruck. Ein Vorteil: Materialien aus der Region fügen sich harmonisch in die Umgebung ein, ebenso wie heimische Pflanzen.

Heimische Pflanzen sind an den jeweiligen Standort angepasst und damit robuster als Exoten oder Zuchtsorten. Das macht sie langlebiger und damit auf Dauer kostengünstiger. Nach wenigen Jahren haben sie sich so gut entwickelt, dass der Pflegeaufwand minimiert werden kann.

Der oft übliche Wechselflor mit meist einjährigen und bei uns nicht winterharten Pflanzen ist am kostenintensivsten und auch am wenigsten nachhaltig. Als Ersatz eignen sich gut gestaltete, „durchblühende“ Staudenbeete. Sie sind bunt, belastbar und beliebt bei Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten. Damit nützen sie auch allen Tieren, die sich von Insekten ernähren, wie Vögel und Fledermäuse.

Wie mit Neophyten umgehen?

Von den rund 4.000 Gefäßpflanzen in Österreich gelten ca. 1.100 als eingeführte Pflanzen (= Neophyten). Diese sind absichtlich oder auch zufällig eingeschleppt worden. Gefahr geht von den sogenannten invasiven Arten aus. So werden gebietsfremde Pflanzenarten bezeichnet, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebens-gemeinschaften oder Biotope haben. Sie können z. B. in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen zu anderen Pflanzen treten und diese verdrängen.

Invasive Neophyten können auch ökonomische (z. B. als unerwünschtes Beikraut) oder gesundheitliche Probleme verursachen. Problemarten sind zum Beispiel das Drüsige Springkraut, der Riesen-Bärenklau, der Japan-Staudenknöterich, die Goldrute oder das Beifuß-Traubenkraut.

Bei der Tagung wurden diese Arten mit ihren Eigenschaften vorgestellt und damit die möglichen Managementmaßnahmen thematisiert. Doch nicht in jedem Fall macht die Bekämpfung der Neophyten Sinn. Bekämpfungsmaßnahmen müssen von Art zu Art unterschiedlich erfolgen und sind oft mit sehr großem Aufwand verbunden. Konkrete Tipps gab Klaus Krainer, Geschäftsführer der Arge Naturschutz in Kärnten.

Biodiversität kommunizieren

Gerade der Mensch als gestaltender Faktor nimmt in der Natur eine besondere Rolle ein. Viele Landbewirtschafter und andere Akteure erhalten dieses Erbe aber nicht nur aus Pflichtbewusstsein, sondern weil es ihnen ein persönliches Anliegen ist.

Eine große Herausforderung für engagierte Personen ist es, nach außen zu kommunizieren, wofür die Vielfalt des Lebens notwendig ist. Gemeindeverantwortliche müssen Maßnahmen zur Erhaltung der Natur oft gegen private oder wirtschaftliche Interessen verteidigen. Wie Naturschutz also verständlich kommunizieren? Darüber informierte Franz Handler, Geschäftsführer des Verbandes der Naturparke Österreichs.

Vorbildgemeinden

Dass man mit naturnaher Grünraumgestaltung in Gemeinden Erfolg haben kann, bewiesen die vorgestellten Praxisbeispiele. Die Gemeinden Rankweil (Vorarlberg) und Ottensheim (Oberösterreich) zeigten eindrucksvoll ihre Fortschritte auf dem Weg zu mehr Natur in ihrer Gemeinde.

Flächendeckende Initiative setzt das Burgenland: Mit Gemeindeberatungen vor Ort im ganzen Land setzt man auf eine langfristige, aktive „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ zwischen den Gemeinden und dem Naturschutzbund. Entscheidend ist dabei die Sensibilisierung der Bevölkerung und die aktive Einbindung der Entscheidungsträger – Bürgermeister, Amtsleiter, Bauhofleiter und Umweltgemeinderäte.

Die Tagung zum Nachlesen auf www.naturschutbund.at.

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