Mehr als 60 Gemeindechefinnen kamen zum Bürgermeisterinnentreffen nach Vorarlberg.


17. August 2017 | Von: Carina Rumpold

Frauenpower

Wenn die Partei keine Rolle spielt

157 Bürgermeisterinnen gibt es derzeit in Österreich. Mehr als ein Drittel von ihnen kam zum jährlichen Treffen, das im August in der Vorarlberger Gemeinde Alberschwende stattfand. Parteipolitik spielt bei diesem Treffen kaum eine Rolle, im Vordergrund stehen Erfahrungsaustausch und Vernetzung.

Weibliches Stimmengewirr. Ein Bus – gelenkt von einer Frau – ist unterwegs. Darin sitzen mehr als 60 Bürgermeisterinnen, die sich einmal im Jahr an einem Ort in Österreich treffen, um sich ein paar Tage auszutauschen. Obwohl man bei dem gut gefüllten Bus einen anderen Eindruck gewinnt: Diese Frauen sind immer noch Pionierinnen, oft auch Einzelkämpferinnen. Nicht einmal zehn Prozent aller Gemeindespitzen in Österreich sind weiblich besetzt. In manchen Bundesländern gibt es nur vier Frauen, die an der Spitze einer Gemeinde stehen.

Per Bus unterwegs

Umso wichtiger sind Zusammenkünfte wie diese. Gastgeberin des vom Gemeindebund organisierten Treffens ist dieses Jahr die Bürgermeisterin von Alberschwende, Angelika Schwarzmann. Sie ist seit 2013 Chefin der 3.300-Einwohner-Gemeinde. Das Besondere heuer: Die Gruppe erreicht alle Veranstaltungsorte nicht per gemietetem Bus oder Auto, sondern mit dem öffentlichen Bussystem. Dieses ist in Vorarlberg so gut ausgebaut, dass man alle Gemeinden des Bregenzerwaldes schnell und ohne zahlreiche Umstiege erreicht. Das ist auch für Touristen ein großer Anreiz, denn ab drei Nächtigungen gibt es die Bregenzerwald Card kostenlos dazu.

Der eigenen Stärken bewusst

Das Stimmengewirr im Bus ist an diesem Tag entspannt und fröhlich. Einmal im Jahr lassen die Frauen die täglichen Herausforderungen zu Hause und tanken neue Kraft. Gleich bei der Vorstellungsrunde im Werkraumhaus in Andelsbuch, einer einzigartigen Kooperation der unterschiedlichsten Handwerker, wird klar: Die Herausforderungen für Ortschefinnen sind umfangreich und vielfältig. Sie spannen sich über die steigende bürokratische Belastung, die größeren rechtlichen Risiken bis hin zur oft mangelhaften sozialen Absicherung. Dennoch sind sie sich auch ihrer Stärken bewusst. Hohe soziale Kompetenz, Fleiß, Belastbarkeit, Diplomatie, Menschlichkeit, Weitsichtigkeit, Fairness und Kritikfähigkeit sind nur einige der Eigenschaften, mit denen sie sich selbst beschreiben würden.

„Wie ist das bei euch? Seid ihr auch schon Patinnen von Feuerwehrautos? Wie ist die pensionsrechtliche Absicherung in euren Gemeinden?“ Beim Mittagessen in Alberschwende werden viele Fragen diskutiert, jede steuert ihre Erfahrungen bei. Es geht um den ehrlichen und offenen Austausch untereinander. Die Parteizugehörigkeit der Sitznachbarin aus dem anderen Bundesland ist in diesem Umfeld unwichtig. Hier diskutiert die Kandidatin, die für den Nationalrat kandidiert, mit der Listen-Bürgermeisterin über die kommunalen Projekte, die anstehen. Es wird schnell klar, alle kämpfen mit ähnlichen Problemen und man lernt von den Lösungen der anderen.

Tradition mit Moderne verbinden

Um von den anderen Gemeinden zu lernen, besuchten die Teilnehmerinnen auch Krumbach, das nicht nur mit seinen von internationalen Architekten gestalteten „Bushüsle“ als Vorzeigebeispiel für innovative Projekte gilt. Wie moderne Architektur mit der traditionellen vereint werden kann, stand auch in Krumbach im Mittelpunkt. Der gesamte Bregenzerwald darf hier als Vorzeigebeispiel herangezogen werden. Der Besuch des einzigen Frauenmuseums, das in Hittisau steht, war natürlich ebenso Pflichtprogramm.

Einer der wenigen männlichen Gäste dieses Treffens ist Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl: „Wir sehen, dass die Zahl der Bürgermeisterinnen stetig steigt“, sagt Riedl. „Es ist uns wichtig, dass wir Frauen jede Unterstützung geben, die sie brauchen, um sich für dieses Amt zu interessieren und dann auch tatsächlich zu kandidieren. Das ist ein langer Weg, den wir Schritt für Schritt gehen, damit der Frauenanteil in der Politik mehr wird und damit Politik insgesamt auch frauenfreundlicher wird. Der Gemeindebund engagiert sich seit Jahren sehr aktiv, um Frauen zu bestärken. Wir sind auch dabei, dass sich das in unseren Gremien stärker widerspiegelt.“

Tipps für den Social Media-Auftritt

Ein wichtiger Teil des Treffens ist mittlerweile auch der Workshop geworden. Im Panoramarestaurant Baumgarten in Bezau erfuhren die Bürgermeisterinnen von Lisa Stadler vom Online-Standard die richtigen Kniffe für einen erfolgreichen Social Media-.Auftritt, aber auch wo die Tücken der neuen medialen Welt stecken.

Der Abend war dann eine besondere Herausforderung für das Durchhaltevermögen der Ortschefinnen. Beim Besuch der Bregenzer-Festspiele-Vorstellung Carmen schüttete es in Strömen, sodass selbst gute Regenponchos nach einer Zeit aufgaben. Die gute Laune, die trotz völlig verregneter Vorstellung nachher im Bus nach Mellau herrschte zeigte: Die Bürgermeisterinnen lassen sich durch nichts so leicht ihre gute Laune verderben, was sicher eine weitere Eigenschaft ist, die sie in dieser Funktion brauchen können.

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