Empfohlen wird eine Ausrichtung der Streubreite in Richtung Fahrbahnmitte mit einem Abstand von ca. 0,5 Meter zum Fahrbahnrand, da das Salz nach außen wandert. Foto: Shutterstock


28. September 2017

O sole mio

Effektives Streuen im Winterdienst

Die Österreichische Forschungsgesellschaft Straße Schiene Verkehr hat die Erkenntnisse zum Thema „Effektive Salz- und Solestreuung“ in einer eigenen Publikation zusammengefasst. KOMMUNAL gibt einen Ein- und Überblick zu den Ergebnissen der Fachbeiträge.

Der Arbeitsausschuss Winterdienst der österreichischen Forschungsgesellschaft Straße, Schiene, Verkehr (FSV) arbeitet die in Österreich geltenden Richtlinien für den Winterdienst aus. In den vergangenen Jahren wurde darüber hinaus verstärkt im Bereich der Winterdienstforschung gearbeitet.

Mit dem Forschungsprojekt „Optimierung der Feuchtsalzstreuung“ wurde ein sowohl national als auch international beachtenswertes und richtungsweisendes Forschungsprojekt durchgeführt. Bearbeitet wurde dieses Forschungsprojekt vom Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien und finanziert von allen Bundesländern, der ASFINAG und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse in Zusammenhang mit dem Einsatz von Auftausalz im Winterdienst wurden für die praktische Anwendung in einem „Leitfaden für das Winterdienstpersonal“ zusammengefasst.

Ebenso beinhaltet die Ausgabe 14 der FSV-Schriftenreihe aufschlussreiche Berichte zur effektiven Salz- und Solestreuung, Die Autoren sind Experten, die mit der Materie unmittelbar befasst sind. Kommunal gibt im Folgenden einen kleinen Einblick in die wissenschaftlich evaluierten Erkenntnisse aus der Praxis, die in dem Band natürlich weitaus ausführlicher dargelegt werden. Die gesamte Ausgabe 14 ist direkt bei der der österreichischen Forschungsgesellschaft Straße, Schiene, Verkehr (FSV) über deren Homepage www.fsv.at als Online-Version oder als gedruckte Ausführung erhältlich.

Die Schneeräumung und Glättebekämpfung im Winterdienst liegt in Österreich für die Landesstraßen in der Verantwortung der Straßenverwaltungen der Bundesländer, für Autobahnen und Schnellstraßen in der Verantwortung der ASFINAG.

Medialer Druck führt zu größeren Streumengen

Die definitiven Entscheidungen vor Ort über die aktuellen Salzmengen bei der Salzstreuung liegen schlussendlich bei den einzelnen Lenkern der Winterdienstfahrzeuge. Aufgrund ihrer visuellen Einschätzung des aktuellen Straßenzustands stellen sie die jeweiligen Salzstreumengen ein. Dadurch kann es in der Praxis durchaus zu völlig unterschiedlichen Salzstreumengen bei vergleichbaren Situationen kommen. Und jeder Lenker ist davon überzeugt, die richtige Salzstreumenge – innerhalb der Minimalmenge von 5 g/m² bis zu der Maximalmenge von 40 g/m² – gewählt zu haben.

Zudem zeigt die Erfahrung, dass aufgrund des medialen und rechtlichen Drucks eher höhere Salzmengen eingestellt werden, als tatsächlich erforderlich wären. Daher wurde das Winterdienst-Forschungsprojekt „Optimierung der Feuchtsalzstreuung“ mit dem Ziel initiiert, die erforderlichen Salzstreumengen für vergleichbare Situationen zu definieren. Einige der Grundfragen waren daher „Wann sind das Schneeräumen und das Salzstreuen notwendig?“ und „Wie kann die optimale Salzstreumenge bestimmt werden?“. Darüber hinaus sollen die Lenker der Winterdienstfahrzeuge Entscheidungshilfen erhalten, die ihnen diese raschen Entscheidungen während ihres Einsatzes dann auch ermöglichen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden anhand des entwickelten Streumodells mit den damit verbundenen Untersuchungen und Berechnungsergebnissen sowie der Befragung von Winterdienstverantwortlichen folgende Grundsätze für den Winterdienst- und Streumitteleinsatz abgeleitet:

  • Festgefahrener Schnee bzw. Eis auf der Fahrbahn kann durch Ausbringen von Streusalz nicht ausreichend schnell entfernt werden. Die Beseitigung muss daher grundsätzlich zuerst mechanisch vor dem Streuen erfolgen.
  • Feuchtsalzstreuung weist geringere Streuverluste und ein besseres Streubild als Trockensalzstreuung auf und ist daher bevorzugt anzuwenden.
  • Die taubare Schneemenge ist aus physikalischen Gründen begrenzt, weshalb bei starken Schneefällen und tiefen Temperaturen eine schnee- bzw. eisfreie Fahrbahn auch in sehr kurzen Streuintervallen (<60 min) nicht aufrechterhalten werden kann.
  • Werden die Streuintervalle dennoch weiter verkürzt, steigen die Kosten ohne wesentliche Verbesserung des Straßenzustandes an.
  • Es ist daher nur so viel Salz auszubringen, wie tatsächlich notwendig ist. Größere Streumengen führen zu überproportional höheren Kosten, ohne dass dadurch die Fahrbahnverhältnisse entscheidend verbessert werden.
  • Die Streufahrten sind zeitlich so festzulegen, dass die Strecke schon vor Beginn eines Niederschlagsereignisses ausreichend gestreut wurde (ca. 5–10 g/m² präventives Streuen max. 1–2 h vor Niederschlag).
  • Die jeweiligen Anforderungen an den Winterdienst aufgrund von Normen und Gesetzen sowie die sich daraus ergebenden erforderlichen Betreuungszeiträume und Mindestumlaufzeiten sind einzuhalten.

 

Wie kann man Streuverluste verringern?

Detailliert ausgeführt werden in der Publikation der FSV mehrere Untersuchungen zur Optimierung des Streuens mit erhöhtem Soleanteil. Markus Hoffmann vom Institut für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Wien berichtet ausführlich über Ausgangslage, Wirkmechanismen, Restsalzmessung und die Grundlagen zur Streuung mit erhöhtem Soleanteil.

Hoffmann geht den Fragen nach, ob und wie es möglich ist, die hohen Streu- und Austragungsverluste zu verringern. Was sind in dieser Hinsicht die Potenziale eines erhöhten Soleanteils (FS50, FS70)? Welche Möglichkeiten und Potenziale weist eine reine Solestreuung (FS100) auf? Gibt es Besonderheiten bei Streuungen mit erhöhtem Soleanteil, und was ist jedenfalls bei der Anwendung zu beachten? Ist eine Streuung mit erhöhtem Soleanteil mit den bestehenden Streuautomaten und der Ausrüstung abdeckbar, und wo besteht Investitionsbedarf? Was sind die Erfordernisse, mögliche Kosten und Einsparpotenziale bei einer möglichen Umsetzung der Streuung mit erhöhtem Soleanteil?

Die dahingehenden Untersuchungen für das Land Niederösterreich sowie andere Projektpartner kommt zu einer Reihe von nützlichen Erkenntnissen. So waren die Streubilder relativ ungleichmäßig – ohne sorgfältig justierte und regelmäßig optisch kontrollierte Streugeräte ist ein gezielter Winterdienst also nur schwer möglich. Beispielsweise wird eine Ausrichtung der Streubreite in Richtung Fahrbahnmitte mit einem Abstand von ca. 0,5 Meter zum Fahrbahnrand empfohlen, da das Salz nach außen wandert.

Einfluss von Verkehr und Wind

Unter Einfluss von Verkehr und Wind nimmt mit der Zeit die Restsalzmenge sukzessive stark ab, wobei das Restsalz aus der Rollspur Richtung Fahrbahnrand wandert. Die Restsalzmenge bei umgebauten Streuern für FS 50 und FS 70 liegt bei Ø 50 % und ist damit deutlich höher als bei FS30 mit Ø 35 %. Bei neuen Kombinationsstreugeräten ergeben die Restsalzmessungen bei FS100 ebenfalls deutlich bessere Werte, dafür sind die Ergebnisse bei FS 30 schlecht. Diese schlechten Ergebnisse bei FS 30 können nur plausibel auf Abweichungen zwischen eingestellter und ausgebrachter Streumenge zurückgeführt werden. Der Umbau bestehender Streuer für FS 50 und FS 70 kann deutliche Einsparungen bringen und ist vergleichsweise kostengünstig möglich.

Reine Solestreugeräte sind ideal für die Präventivstreuung, weisen jedoch Einschränkungen in Hinblick auf Reichweite und extreme Schneefälle auf. Bei Kombistreuern bestehen diese Nachteile nicht, jedoch besteht hier noch vielfach Optimierungspotenzial und die Preise sind fallweise noch relativ hoch.

Bei Temperaturen bis –5° C und in der Präventivstreuung ist es möglich, dass der Salzverbrauch bei erhöhtem Soleanteil um 20–50 Prozent reduziert werden kann. Für den Einsatz bei tieferen Temperaturen sind Untersuchungen erforderlich; praktische Erfahrungen dazu liegen vom Bundesland Salzburg bereits vor. Die Höhe der Einsparungen hängt von der individuellen Situation der Straßenmeisterei sowie von der vorhandenen Ausstattung und den notwendigen Investitionen ab. Die geringen Kosten für die Umrüstung bestehender Streuer auf FS50 und FS70 sowie der potenzielle Nutzen sprechen jedenfalls für diese Technologie. Bei Umstellung sind jedenfalls dringend entsprechende Schulungen und ein „Herantasten“ an eine optimale Streumenge von der sicheren Seite zu empfehlen.

Neben Hoffmanns Artikel finden sich in dem Heft der FSV weitere Berichte über Erfahrungen aus der Praxis, mit besonderem Fokus auf Sole- bzw. Flüssigstreuung. Peter Nutz von der Wiener MA 48 steuert Erkenntnisse über die Solestreuung im urbanen Bereich bei, Peter Sittsam und Franz Bogensperger von der Landesstraßenverwaltung Salzburg tun das gleiche, allerdings für den ländlichen Raum, und Heimo Maier-Farkas berichtet über die Strategien mit der Solestreuung der ASFINAG. Beiträge aus Bayern und der Schweiz liefern Erkenntnisse von jenseits der Staatsgrenzen und runden das Bild ab. Besondere Aufmerksamkeit gehört abschließend der Streugerätetechnik.

Augenmerk auf korrekt eingestellte Maschinen

Den Betreibern von Streumaschinen wird empfohlen, ein besonderes Augenmerk auf korrekt eingestellte Maschinen zu richten. Nicht richtig eingestellte Streumaschinen verursachen ein nicht korrekt ausgeführtes Streuergebnis. Falsch eingestellte Streustoffverteiler können dazu führen, dass der Streustoff nur auf einen Teil der Fahrbahn oder gar größtenteils an den Straßen rand gestreut wird. In der Folge entsteht ein erhöhtes Unfallrisiko. Falsch dosierende Streumaschinen haben sehr schnell eine Abweichung von plus/minus 30 bis gar 50 Prozent. Zu viel gestreuter Streustoff ist in höchstem Maße unwirtschaftlich, zu wenig gestreuter Streustoff kann die Glättegefahr im Zweifelsfall nicht beseitigen.

Es wird daher dringend angeraten, vom Hersteller Zertifikate entsprechend der Europäischen Norm EN 15597 Teil 1 und Teil 2 für die zu beschaffenden Streumaschinen zu fordern. Eine jährliche Geräteprüfung, bei der alle Funktionen überprüft werden, inklusive einer Dosier- und Querverteilungsprüfung, wird ebenso empfohlen wie die Schulung von Einsatzleitern des Bedien- und Werkstattpersonals.

Feuchtsalz und Flüssigstreuung sind effizient

Zusammengefasst ist klar: Feuchtsalz und Flüssigstreuung mit Solelösungen sind ein effektives und effizientes Mittel für den Winterdienst. Sowohl präventiv als auch im Akuteinsatz. Entscheidend für ihren sinnvollen Einsatz sind die Wahl des richtigen Mittels, abgestimmt auf die jeweilige Straßen- und Witterungslage, die Kenntnis der physikalischen Zusammenhänge, sowie sorgsam gewartete und eingestellte Gerätschaften.

 

 

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