23. November 2017 | Von: Hans Braun

Kongress der IG Lebenszyklus Bau

Modernes Gebäudemanagement

Wo liegen die größten Hebel zur Optimierung der Planung, Errichtung und dem Betrieb von Gebäuden? Darüber wurde am 7. Kongress der IG-Lebenszyklus Bau Mitte November in der Wirtschaftskammer Österreich diskutiert.

Die digitale Transformation passiert jetzt – und das überall. Unser gesamtes Leben und jeder Wirtschaftszweig sind davon betroffen. Auch in der Bau- und Immobilienwirtschaft gibt es zahlreiche Beispiele, wie durch die Digitalisierung bereits heute bestehende Prozesse optimiert und neue Erlösströme generiert werden können. Im Rahmen des 7. Kongresses der IG Lebenszyklus Bau verfolgten rund 200 Teilnehmer diese Innovationen und ihre möglichen Anwendungsgebiete.

Stellen Sie sich einfach vor, sie bauen ein Haus und gehen durch die Räume, sehen alle Installationen, wissen um die Anordnung von Aufzügen und technischen Räumen – kurz: Sie sehen alles, bevor auch nur ein Stein bewegt wurde. Zusätzlich gibt es Anwendungen wie eine digitale Mängelliste für den fertigen Bau, in ein Mangel identifiziert wird und dessen Behebung in einer Zeitleiste dokumentiert ist.

All diese faszinierenden Möglichkeiten der digitalen Transformation oder besser, des „digitalen Zwillings“ gibt es schon, sie müssten nur mehr umgesetzt werden.

Planen mit virtuellem Gebäude

Die Frage, ob die Planung dem Beispiel des Engineerings folgen kann, das bereits in virtuellen Fabriken Abläufe testet, wurde mit Vertretern aus der Bauwirtschaft sowie Planern, Beratern und Betreibern von Software-Start-Ups diskutiert.

„Der Digitale Zwilling bringt auch im Baubereich mehr Planungssicherheit“, sagt Karl Friedl über das Planen mit BIM. Es ist möglich, komplexe Bauaufgaben mit mehr Zufriedenheit für alle Beteiligten zu bewältigen.

„Wir können frühzeitig Teile mit ihren digitalen Eigenschaften zur Ausschreibung bringen“, so Prof. Christoph Achammer von ATP architekten ingenieure. Eigenschaften von Gebäudeteilen würden sich je nach Anwendergruppe unterschiedlich darstellen und daher auch nutzen lassen. So können zum Beispiel auch Feuerwehrpläne frühzeitig hinsichtlich einer Bauaufgabe getestet werden.

Rechtsanwal Stephan Heid empfiehlt jedenfalls eine vertragliche Absicherung für den Bauherren, was sowohl das Eigentum am Modell betrifft, als auch die Verwendung von digitalen Cloud-Lösungen.

Am Bau in Echtzeit reagieren

Dank unterstützender Baudokumentation ergeben sich für den Baustellenverantwortlichen bis zu sieben Wochenstunden an Zeitersparnis.

„Wir sind überzeugter Nutzer“, sagt daher Gernot Wagner von der PORR AG und sieht den Erfolg der Einführung der Lösungen von PlanRadar durch die Akzeptanz im Unternehmen bestätigt.

Auch beim Betriebsmanagement in Bezug auf die Baugeräte wird gezielt eine digitale Erfassung und Auswertung betrieben. Das garantiert mehr Kontrolle über die Betriebsmittel und ergibt weniger bürokratischen Aufwand.

„Mit dem digitalen Planwesen sind auch in der Bauphase Änderungen noch gut möglich“, streicht Claudius Weingrill von der BIG das Ergebnis von Pilotprojekten hervor und ist froh, damit auch auf geänderte Rahmenbedingungen in Echtzeit reagieren zu können.

Leichter finanzieren, rascher bewerten

Die Qualität der finanziellen Bewertung von Projekten oder Immobilien ist mit digitalen Lösungen besser geworden. „Transaktionskosten gehen massiv runter und der Durchlauf einer Bewertung wird beschleunigt“, sagt Erich Thewanger, KPMG.

Das Start-Up-Unternehmen DataScience Service liefert die dafür notwendigen Daten und verspricht eine Arbeitsersparnis für Bewerter. Die dadurch gewonnene Sicherheit soll helfen, Vertrauen aufzubauen.

„Bei mehr Finanzierungsvolumen kann dann gezielt noch individuelle Expertise einfließen“, sieht Peter Ulm von 6B47 Investors Potenzial für größere Deals. Ohnehin nimmt Crowdfunding zur Einbeziehung von Kleinanlegern als Markenbotschafter zu. Andreas Kettenhuber von der Kommunalkredit Austria sieht das als Option: „Mittelgroße Projekte auf örtlicher oder regionaler Ebene lassen sich damit gut abwickeln.“

Service Level steigern

Die Thyssen Group betreibt digitale Fehlersuche im Aufzugbetrieb, und die „HoloLens“ von Microsoft wird eingesetzt, um im Immobilienbetrieb den Service Level zu steigern. Wartungstechniker können sich damit über Competence Center Hilfe holen.

So berichtet Alexander Wallisch von Wien Energie vom Pilotprojekt mit der Datenbrille: „Das Schöne an den Dingen ist, je besser sie gestaltet und entwickelt sind, desto weniger Einschulungsbedarf ist notwendig.“ Für die Durchdringung mit der Technologie sei das Mitziehen der Partner wesentlich. Betriebliche Einsparungen, so ein weiteres Ergebnis des Panels, würden sich ergeben, wenn man vom gebäudebezogenen Denken zu einem personenbezogenen wechselt. Die Steigerung bei der Produktivität im Gebäude sei dabei ein wesentlicher Hebel.

 

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