Michael Wurmetzberger: „Mir kommt vor, das Verantwortungsbewusstsein der Leute kommt immer mehr abhanden. Man findet immer weniger Menschen, die sich freiwillig für etwas engagieren.“


15. Mai 2017 | Von: Andreas Hussak

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Mit ganzer Kraft gegen Abwanderung

Er ist mit gerade einmal 26 Jahren nicht nur Niederösterreichs jüngster Landesparteiobfrau-Stellvertreter sondern auch jüngster Bürgermeister. KOMMUNAL gegenüber erklärt Michael Wurmetzberger was ihn zu diesem Amt motiviert.

Herr Wurmetzberger, wie kamen Sie in die Politik?

Mein Großvater war selbst Kommunalpolitiker und als ich 19 Jahre alt war bin ich einmal zum ÖVP-Parteitag mitgegangen. Ich wurde dann gefragt, ob ich für den Gemeinderat kandidieren wolle, und habe im folgenden Wahlkampf über Vorzugsstimmen den Einzug geschafft. So hat alles angefangen.

Sie sind Niederösterreichs jüngster Bürgermeister. Gibt es Skepsis aufgrund Ihres Alters?

Nein. Speziell die älteren Bürger freuen sich, dass jemand Junger gekommen ist. Viele Junge fragen eher weshalb ich das in diesem Alter mache.

Andere in Ihrem Alter fahren in die Disco und gehen am Wochenende saufen. Was motiviert Sie zu einer derart großen Verantwortung in so jungen Jahren?

Zu einem gewissen Teil ist es sicher Idealismus. Ich denke mir, man sollte sich auch in jungen Jahren Verantwortung übernehmen. Mir kommt vor, das Verantwortungsbewusstsein der Leute kommt immer mehr abhanden. Man findet immer weniger Menschen, die sich freiwillig für etwas engagieren. Am liebsten schiebt man die Verantwortung für alles ab. Wenn mein Kind schlimm ist, ist die Kindergartenpädagogin schuld, wenn es im Job nicht läuft, ist der Chef schuld, und so weiter.
Ich bin da anders gepolt. Ich möchte mein Leben so leben, indem ich mit Verantwortung auch zur Gesellschaft etwas beitrage. Wir haben nicht nur Rechte sondern auch Pflichten. Und die Pflicht für die Gesellschaft etwas beizutragen ist meines Erachtens noch wichtiger als alle Rechte die uns zustehen.

Wie sah Ihre ursprüngliche Lebensplanung aus?

Ich habe einen Lehrberuf erlernt und bin sehr stolz darauf. Speziell in den letzten Jahren haben sehr viele Jugendliche Matura gemacht, was natürlich nicht schlecht ist. Die Facharbeiter fehlen allerdings. Die Lehre gehört aufgewertet, das ist sehr, sehr wichtig für unsere Gesellschaft. Ich habe Bankkaufmann gelernt, was nicht unbedingt ein typischer Lehrberuf ist. Ich habe mich bemüht, dass ich in meinem Beruf weiterkomme, war dann auch in sehr jungen Jahren Filialleiter einer Sparkassa, und habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass ich in der Politik so schnell so eine große Herausforderung habe und Bürgermeister werde.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Neben dem Bürgermeisteramt bin ich auch auf der Gemeinde angestellt. Das passt sehr gut zusammen. Ich bin eigentlich täglich ab viertel acht auf der Gemeinde und zu neunzig Prozent auch den ganzen Tag da. Auch abends habe ich viele Termine. Die sind für mich nicht so das Problem, aber in der Früh aufkommen ist mein großes Laster. Aber ich bemühe mich. (lacht)

Was hat sie in ihrem Leben geprägt?  

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern, und speziell mein Vater hat mich sehr geprägt. Er war mein Trainer im Fußballverein, hat mich immer unterstützt, und ist in gewisser Weise das Gegenstück zu mir, denn er ist sehr ruhig und nimmt alles gelassen. Meine Eltern wenden viel ihrer Freizeit für die Gesellschaft auf und bringen sich stark ins Gemeindeleben mit ein. Das hat auf mich abgefärbt und sich übertragen.

Sind sie impulsiv und extrovertiert?

Naja, als Bürgermeister sollte man nicht unbedingt der Introvertierteste sein. Es wäre schlecht, wenn du mit den Leuten nicht umgehen kannst, und dir, wenn du ins Wirtshaus gehst, denkst: „Eigentlich will ich mit keinem reden.“ Dann ist Bürgermeister der falsche Beruf. Ich geh schon manchmal impulsiv voran, wobei ich von Jahr zu Jahr immer ruhiger werde. Das bringt auch der Bürgermeister-Beruf mit sich. Man kann nicht immer nur Vollgas geben, sondern muss oft ruhiger an die Sache herangehen.

Welche Schwerpunkte haben sie sich vorgenommen?

In der letzten Zeit war das Wichtigste, dass ich mich sehr gut einarbeite und ein paar Dinge aufarbeite, die liegen geblieben sind. Da sind wir eigentlich noch immer dabei. Das Spektrum ist extrem vielfältig und herausfordernd. Vieles ist für mich das erste Mal. Wichtig ist, dass wir mit dem, was wir haben, gut auskommen, dass wir den ländlichen Raum nicht aussterben lassen und die Abwanderung verhindern. Das ist ein großes Ziel von mir.

Ist Abwanderung ein Thema in Kaumberg?  

Wir sind im Bezirk Lillienfeld, und in diesem gibt es eine extreme Abwanderung – speziell in den Gemeinden, die weiter drinnen sind, wie Annaberg oder Mitterberg. Bei uns in Kaumberg zum Glück nicht. Wir haben die letzten Jahre über eher ein Plus gemacht, wenn auch nicht extrem.

Man muss da immer auf Zack sein. Man sieht es bei den anderen Gemeinden. Wenn man da nicht nachkommt, dann hat man eine Abwanderung. Und wenn man erst einmal zehn Prozent seiner Einwohner verliert, wird es schwierig den Kindergarten und die Volksschule zu erhalten oder das Dorfleben nicht aussterben zu lassen. Ich möchte die Leute bei uns halten und gleichzeitig einen Zuzug schaffen, weil es bei uns einfach wunderschön ist.

Wir haben zwar keine Betriebe, aber über den Individualverkehr keine so schlechte Anbindung an Wien. Wir sind die letzte Randgemeinde, bei der es sich noch auszahlt, dass man nach Wien arbeiten fährt. In einer guten halben Stunde ist man am Südrand von Wien, und kann bei uns noch billiger bauen, als in vielen anderen Orten.

Der Mensch hinter dem Bürgermeister

Zuhause ist für mich:

meine Familie

Das will ich unbedingt noch erleben:

Nach Amerika fliegen und ein NBA- und ein NFL-Match anschauen.

Der perfekte Mann trägt für mich …

gute Kleidung

Haben Sie ein Lebensmotto?

Irren ist menschlich, Vergeben ist göttlich.

Wie würden Sie sich selbst mit einem Wort beschreiben?

ehrgeizig

 

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