Eine multifunktionale Straßenlampe ist ein Kernstück zukünftiger smarter Städte und Gemeinden. Foto: shutterstock/Ayay Tvm


31. Oktober 2017 | Von: Hans Braun

Mehr als nur Licht

Intelligente Straßenbleuchtung

Eine hell erleuchtete Straße führt dazu, dass man sich nachts sicherer fühlt. Aber Beleuchtung kann noch mehr. Im März 2017 stellt das Deutsche Institut für Normung (DIN) zusammen mit „[ui!] - the urban institute®“ und weiteren Konsortialpartnern auf der CeBIT den weltweit einzigartigen technischen Standard (DIN SPEC 91347) inklusive einer Klassifikation für „integrierte multifunktionale Straßenlampen“ vor. Im Grundsatz ist die integrierte multifunktionale Straßenlampe ein Kernstück zukünftiger smarter Städte und Gemeinden.

Das Herzstück des Standardisierungsprojekts sind 14 digitale Use Cases, die zeigen, wie Städte und Gemeinden profitieren können, wenn Sie die aktuelle Chance nutzen: Nicht nur veraltete Leuchtmittel gegen LED austauschen, sondern ein modulares System aufstellen. Mit gezielten neuen Funktionen wird den Ansprüchen und Herausforderungen moderner Städte begegnet. Mit Sensorik für die Verkehrserfassung und Grundlagen für automatisiertes Fahren. Mit WLAN-Routern für öffentlichen Internetzugang. Mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

Straßenlaternen nicht isoliert betrachten

„Entscheidend ist, die Straßenlaterne und ihre zusätzlichen Bausteine nicht isoliert zu betrachten, sondern ein integriertes System der digitalen Stadt zu schaffen“, sagt Lutz Heuser, Leiter des Konsortiums und Chef von [ui!]. Sensoren, können Parkplätze und Verkehr erkennen, Umweltdaten können erhoben werden, öffentliches W-LAN bereitgestellt werden und bedarfsgerechte Lichtsteuerung integrieren.

Mit den gewonnenen Daten können neue Dienstleistungen für Bürger und Stadtverwaltungen und neue Geschäftsmodelle für Start-ups und Unternehmen geschaffen werden.
„Unsere Arbeit soll die Planungssicherheit für die zukünftige Ausgestaltung der digitalen Transformation verbessern und zugleich den Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft anstoßen“, betont Bernhard Kempen, DIN Projektmanager des DIN SPEC Projektes.

Nutzungsmöglichkeiten

  • Digitale Use Cases machen die „integrierte multifunktionale Straßenlaterne aus. Der erste Nutzen ist schnell gefunden: LED-basierte Leuchtenköpfe versprechen hohe Energieeinsparungen – für sich allein ein Grund für viele Städte und Gemeinden, sich damit zu beschäftigen.
  • Die ereignisgesteuerte Beleuchtung kommuniziert mittels Lichtmanagementsystem und spart dadurch weiter Energie. Gemeint ist damit, dass Licht dort zur Verfügung gestellt wird, wo sie gebraucht wird.
  • Verkehrsdatenerfassung. In diesem Anwendungsfall werden die Straßenlampen als Informationsquelle für das Verkehrsmanagement und die Verkehrsteilnehmer genutzt. Denkbar ist, dass die integrierte multifunktionale Straßenlampe (imHLas) künftig autonomen Fahrzeugen zusätzliche Daten wie Höhe des Verkehrsaufkommens übermittelt und diese darauf reagieren.
  • Öffentliches WLAN. Die Lampe stellt den Internetzugang für die Bürgerinnen und Bürger sicher. Auch flächendeckende Vernetzung ist hier denkbar.
  • Umweltdatenerfassung. Die Messung von Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub oder auch Lärm würden durch imHLas durchgeführt und würden einer Leitstelle beispielsweise ermöglichen, den Verkehr bei Bedarf von belasteten Regionen wegzuleiten.
  • Ladestation und Energiespeicher. Die imHLas kann genutzt werden, um (mit der Integration von Lademöglichkeiten) e-Autos oder e-Räder als Ladestation zu dienen. Im gleichen Atemzug könnten sie auch als Energiespeicher dienen.
  • Öffentliche und private Sicherheit und Überwachung. Die Bandbreite dieser möglichen Funktion reicht von Videoüberwachung bis hin zu Notrufen. Die Identifikation von Ansammlungen, die Aktivierung von Rettungssystemen auch mittels Lichtzeichen. Die imHLas hätte auch die Möglichkeit, Anomalien der Umgebung zu iIdentifizieren.
  • Beschilderung und Werbung. Die imHLas kann künftig auch als Informationsträger und Werbeplattform genutzt werden.
  • Funknetzunterstützung. Dieses Szenario stellt die zukünftige Nutzung von imHLa mit einer Piko- oder Mikrofunkzelle dar, die für eine flächendeckende Funkverbindung genutzt werden kann.

Fazit

Um die Herausforderungen der heutigen zeit bei gleichbleibendem Wunsch nach Lebensqualität zu stemmen, ist eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie nötig. Ziel ist nicht einfach „nur“ der Technologieeinsatz, sondern auch die klare Identifizeirung kommunaler Zielen.

Die Vorteile sind greifend und schaffen bei gleichzeitiger Beachtung des Datenschutzes viele neue Möglichkeiten. Letztendlich muss immer der Bürgernutzen dieTriebfeder für die Installation intelligenter digitaler Technologien sein, nicht ein von oben verordnetes akademisches Gebilde.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.