3. April 2017 | Von: Hans Braun

Kommentar

„Gemeindeschilling“ statt Bankomat-Euro

Die Gebührenfalle „Bankomat“ für Gemeinden hat große Wellen geschlagen. Ich meine, dass es aus dieser Misere einen Ausweg gibt.

Warum eigentlich müssen Gemeinden zu internationalen Konzernen gehen, wenn sich Banken aus ihrem Versorgungsauftrag zurückziehen? Und die Gemeinden „gehen“ ja noch dazu nicht zu den Unternehmen, sie müssen förmlich darum betteln, dass im Ort ein Bankomat aufgestellt wird. Aus dem Grund müssen sie auch Klauseln akzeptieren wie etwa, dass es mindestens 2000 Abhebungen pro Monat gibt. Bei weniger Geschäftsvorgängen muss die Gemeinde dazuzahlen.

Fernsehsender wie ORF und ATV, Tageszeitungen wie „Der Kurier“, „Der Standard“ und die „Kronen Zeitung“ haben ausführlich über den Fall der steirischen Gemeinde St. Peter im Sulmtal berichtet. Nachdem dort die örtliche Bankfiliale zugesperrt hatte, war die Gemeinde eingesprungen, um den 1300 Einwohnern wenigstens einen Bankomat bieten zu können. Seitdem zahlt sie jährlich eine Differenz von rund 5000 Euro an den Betreiber des Bankomaten, die US-Firma „First Data“. Jedenfalls nach den Berichten über den Fall. Eine derartige „Ausfallshaftung“ ist aber – zumindest aus Sicht des Autors – nicht wirklich anzustreben.

Erstens wird so ein Bankomat ja nur nach Bedarf befüllt. Ist er nahezu leer, kommt jemand und füllt Geld nach. Ob das vorhandene Geld in zwei Wochen oder in zwei Monaten aus dem Bankomat entnommen ist, ist weniger wichtig. Weniger Befüllungen bedeuten ja auch weniger Kosten für die Bank. Für die Bank ist das allemal ein Geschäft.

Wenn der Bankomat an die Stromkreise beispielsweise des Rathauses angeschlossen ist, fallen für den Betreiber diesbezüglich auch keine Kosten an. Auch was, worum sich ein Betreiber nicht kümmern muss.

Störungen sind nicht ausgeschlossen. In dem Fall muss – wie bei jeder x-beliebigen Therme – ein Wartungsmann oder -team kommen. Diese Kosten werden überlicherweise auch voll weitergegeben.

Wenn sich eine Gemeinde, der der Bankomat abhanden kommt, aber dazu entschließt, statt dessen einen „Gemeindeschilling“ (oder wie auch immer er genannt wird) einzuführen, können diese unerquicklichen Situationen umgangen werden. Erstens gibt es diese lokalen Währungen, die von den meisten ortsansässigen Betrieben oder Wirtshäusern akzeptiert werden, schon lange in Österreich. Noch besser ist es natürlich, wenn sich mehrere Gemeinden zusammentun. Und zweitens können natürlich nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen diesen Service annehmen.

Die Arbeit und anfallende Kosten (Administration, Rückkauf etc.) für eine Lösung mit oder ohne Bankomat bleiben den Gemeinden sowieso, da hilft nichts. Aber eines ist dann wenigstens sicher: Der Gemeindeschilling bleibt in der Gemeinde.

1 Kommentare für „Gemeindeschilling“ statt Bankomat-Euro

  1. An sich eine sehr gute Idee. Regionalgeld gabs ja schon früher – auch in Österreich und es hat geholfen über schlechte Zeiten zu kommen. Nur hat das eine nix mit dem Bankomaten zu tun. Zumindest nicht zwangläufig. Erfunden wurde es ja bekanntlich in Wörgl. Und damals während der Wirtschaftskrise galt Wörgl als das Wirtschaftswunderland. Mit dem Erfolg dass sogar gedroht wurde, das Militär müsse einmarschieren um dieses Erfolgsmodell zu kapern. Grundidee hinter solchem Regionalgeld von dem es hunderte mehr oder weniger funktionierende Modelle in ganz Europa gibt ist, dass es sich dabei um Schwundgeld handelt d.h. je länger man es bei sich trägt desto mehr verliert es an Wert. Je schneller es in die Wirtschaft zurückfliesst desto besser für alle – vor allem für die Region in der es angenommen wird. Dies halte ich nach wie vor für einen nachahenswerte Idee – man müsste sie nur richtig umsetzen. Mit einer regionalen Bank die den Umtausch kostenlos macht und mit vielen regionalen Geschäften die es akzeptieren – inklusive einiger großen regionalen Organisationen die da auch mittun um die Seriosität zu unterstreichen. Aber nochmals – das hat nix mit Bankomaten zu tun.

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