Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, Moderator Peter Filzmaier, Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl und SPAR-Chef Markus Wild.


30. Juni 2017 | Von: Helmut Reindl

Gemeindetag

Digitalisierung als Chance für den ländlichen Raum

Über das „Leben im digitalen Dorf“ diskutierte Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl mit den Ministern Sonja Hammerschmid und Andrä Rupprechter sowie den Wirtschaftsvertretern Wolfgang Anzengruber (Verbund) und Markus Wild (SPAR).

Bisher mussten junge Menschen, die studieren und danach in qualifizierten Jobs arbeiten wollten, oftmals in die großen Städte ziehen. Die Digitalisierung würde es möglich machen, dass sie wieder in ihre Heimatorte auf dem Land zurückkehren können. Voraussetzung dafür ist aber eine durchgehende Versorgung des ländlichen Raums mit Breitband.

Bis jetzt schafft man es aber noch nicht einmal alle Schulen mit schnellem Internet zu versorgen. Im Pflichtschulbereich haben derzeit nur 70 Prozent aller Klassen einen Internetanschluss, musste Bildungsministerin Sonja Hammerschmid eingestehen. Eine Ausstattungsoffensive soll es den Schulen nun ermöglichen, die Kinder und Jugendlichen auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten.

Gemeindebund-Chef Alfred Riedl zeigte sich zuversichtlich, dass Breitband an Schulen bald weitgehend funktionieren wird. „Breitband für alle wird aber noch nicht so schnell verwirklicht sein“, fürchtetet er. Als Gründe, warum es trotz aller Bemühungen noch immer keine flächendeckende Abdeckung mit Breitband gibt, meinte Riedl, dass die Abwicklung von Förderungen zu kompliziert sei. „Den Gemeinden mangelt es oft an den Mitteln für die notwendige Kofinanzierung“, nannte er einen weiteren Hinderungsgrund. Und als drittes wies er darauf hin, dass Anbieter nur dort investieren, wo sie ein Geschäft machen können. „Das ist auf dem Land oft nicht der Fall.“

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter erläuterte die Maßnahmen, die der nun fertiggestellte Masterplan für den ländlichen Raum im Bereich der Digitalisierung vorsieht. „Ich stimme mit Infrastrukturminister Jörg Leichtfried überein, dass ein Großteil der Breitbandmilliarde in den ländlichen Raum fließen muss“, so Rupprechter. Wichtige Punkte seien etwa die rasche Verlegung von Glasfaserkabeln als auch die durchgehende Abdeckung mit mobilem Internet.

Auch die nächste Regierung wird am Masterplan nicht vorbei können

Angesichts der bevorstehenden Nationalratswahl betonten sowohl Rupprechter wie auch Hammerschmid, dass der Masterplan für den ländlichen Raum so konkret ausformuliert ist, dass die nächste Bundesregierung – unabhängig davon wie sie zusammengesetzt ist – nicht daran vorbeikommen wird, den Plan in ihr Programm aufzunehmen. „Das Geld, das hier investiert wird, fließt den jungen Generation zu. Und bei den Kindern darf man nicht sparen!“

SPAR-CEO Markus Wild zeigte sich nicht ganz so euphorisch über den Masterplan. „Pläne werden oft gewälzt. Meist sind auch die Bürgermeister sehr aktiv, aber auf höheren Ebenen wird dann vielfach gebremst“, meinte er. Die Rolle des Lebensmittelhandels sieht er nicht nur in der Nahversorgung. „Je digitaler der Alltag wird, umso mehr brauchen Menschen auch den persönlichen Kontakt. Der Nahversorger hat oft eine soziale Funktion im Ort.“

Auch Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber wies auf die Bedeutung seines Unternehmens für das Leben auf dem Land hin, etwa im Bereich der zunehmenden Elektromobilität. „Es ist uns bereits gelungen, ein flächendeckendes Netz von Schnelladestationen zu errichten. In ganz Österreich kann man innerhalb von 60 Kilometern eine Schnellladestation für ein Elektroauto finden. 200 dieser Stationen gibt es bereits. Dazu kommen weitere 200 „normale“ Stationen.

Gemeinden brauchen Hilfe bei Entscheidung über Technologie

Ein Problem, vor dem viele Gemeindeverantwortliche stehen, sprach Gemeindebund-Chef Riedl an als er meinte dass es für Laien schwierig ist, zu entscheiden, welche Technologien zukunftssicher sind. „Derzeit setzen alle auf Glasfaserkabel, andere meinen aber, man soll gleich in 5G-Mobiles Internet investieren. Hier bräuchte es mehr Beratung und einen koordinierten Ausbau der Infrastruktur.

Bildungsministerin Hammerschmid war es zuletzt noch wichtig, die Gemeinden darauf aufmerksam zu machen, dass 750 Millionen Euro für den Ausbau ganztägiger Schulformen bereit stehen, die abgeholter werden können.

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