In Gemeinden, in denen es einen Greißler gibt fühlen sich 69 Prozent der Gemeinde zugehörig, in Gemeinden ohne Kaufmann nur 57 Prozent. Foto: ADEG


23. Oktober 2017

Nahversorgung

Der Kaufmann ist mehr als nur Nahversorger

Das Vorhandensein eines Kaufmanns im Ort spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden. Das zeigte sich bei der Präsentation des „Dorfleben-Report“, der vom Lebensmittelhändler ADEG und dem Österreichischen Gemeindebund herausgegeben wurde.

In Gemeinden, in denen es einen ADEG-Markt gibt, sagen nur 21 Prozent der Befragten, dass ihnen ein Dorfkern fehlt. In Gemeinden ohne ADEG sind es fast um die Hälfte mehr. Noch größer ist dieser Unterschied, wenn gefragt wird, ob der Dorfkern das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens einer Gemeinde ist. Bei ADEG-Gemeinden stimmen dieser Frage 61 Prozent zu. Bei Nicht-ADEG Gemeinden 42 Prozent.

Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl betont, dass die Gemeinden in dieser Hinsicht aus den letzten 20 Jahren gelernt haben: „Die Stärkung der Ortskerne und der wohnortnahen Versorgung sind extrem wichtig, auch wenn die Errichtung von Versorgung auf der grünen Wiese in der Umsetzung einfacher war.“

Auch beim Zugehörigkeitsgefühl gibt es Unterschiede

In Kaufmannsgemeinden fühlen sich 69 Prozent der Gemeinde zugehörig, in Gemeinden ohne Kaufmann nur 57 Prozent.

„Die Zahlen zeigen, dass das Zusammenleben gerade in Dörfern viele Facetten aufweist und der selbstständige Kaufmann, neben der reinen Lebensmittelnahversorgungsfunktion, hier positiv Einfluss nimmt. Selbständige Kaufleute fördert folglich nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern sie stärken das soziale Zusammenleben im Dorf. Experten betonen deshalb nicht zu Unrecht, dass mit dem Wegfall von Nahversorgern in ländlichen Gebieten weit mehr verloren geht, als nur die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs. Besonders trifft dies ältere und weniger mobile Menschen“, erläutert ADEG-Vorstandsvorsitzende Alexandra Draxler-Zima.

Die drei Kilometer Grenze

Natürlich beantwortet der Dorfleben-Report auch die Frage, wie man Nahversorgung richtig definiert: 27 Prozent geben an, dass ein Nahversorger die Grundversorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs abdeckt, verbunden mit einem Sortimentsanspruch – großes Angebot, gut sortiert, aber eben auch regionale Lebensmittel.

Für 19 Prozent  muss der Nahversorger in der Nähe liegen, für zehn Prozent  zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. Für die Mehrheit (76 Prozent) darf die Entfernung zum Nahversorger nicht mehr als drei Kilometer betragen, für 32 Prozent gar nur einen Kilometer. Und trotzdem fahren 73 Prozent mit dem Auto zum Nahversorger und nur 42 Prozent gehen zu Fuß. Für 17 Prozent der befragten Dorfbewohner ist es „nicht einfach“ einen Nahversorger zu erreichen.

Gemeinschaft als Vorteil für das Leben im Dorf

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Besondere Bedeutung von Ehrenamt und Vereinen

Der Dorfleben-Report zeigt auch deutlich, dass Vereine und ehrenamtliches Engagement wesentliche Bestandteile des Dorflebens in Österreich sind: Fast 50 Prozent der Dorfbewohner sind Mitglied in einem Verein und 36 Prozent engagieren sich aktiv im Ehrenamt.

Gemeindebund-Chef Alfred Riedl, ADEG-Vorstandsvorsitzende Alexandra Draxler-Zima und Politologe Peter Filzmaier präsentierten den „Dorfleben-Report“. Foto: ADEG/APA-Fotoservice/Tanzer

Gemeindebund-Chef Alfred Riedl, ADEG-Vorstandsvorsitzende Alexandra Draxler-Zima und Politologe Peter Filzmaier präsentierten den „Dorfleben-Report“. Foto: ADEG/APA-Fotoservice/Tanzer

Der Dorfleben-Report zum Herunterladen

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