Pilotprojekt „Alexa im Bürgerservice“ in Kremsmünster gestartet: Roxana Neuböck, Amtsleiter Reinhard Haider, Nora Haider, Iris Pöchtrager, Bürgermeister Gerhard Obernberger


30. November 2017

IT

„Alexa, wo bekomme ich einen gelben Sack?“

„Woher bekomme ich einen Meldezettel?“ „Welche Dokumente benötige ich für eine Hochzeit?“ Kremsmünster hat keine neue Mitarbeiterin namens Alexa, sondern ist die erste Gemeinde in Österreich, in der man per Sprachassistent eine Antwort auf solche Fragen erhält.

Wo bekomme ich einen Meldezettel? Welche Dokumente benötige ich für eine Hochzeit? Stellen Sie sich vor, Sie bekommen Ihre Fragen, unabhängig von den Öffnungszeiten und dem aktuellen Andrang, beantwortet.

In Kremsmünster können Bürger diese Fragen künftig auch an „Alexa“ richten. „Alexa“ ist eine elektronische Sprachassistentin. Diese in Kombination mit „Echo“, einem neuen Internet-Gerät von Amazon, welches eigentlich auf die Unterstützung von Smart Home ausgerichtet ist, wird derzeit im Gemeindeamt als erste Anlaufstelle für Bürgerfragen aller Art
getestet.

Was kann Alexa?

Alexa ist zum Dialog fähig und gibt auf Nachfrage Auskunft zu allem, was sich im Internet finden lässt, spielt Musik, liest etwas vor und weiß, wie das Wetter wird. Im vernetzten Heim kann sie auf Befehl den Fernseher einschalten, Licht machen oder Rollläden runterlassen. Alexa wird bald auch in den Autos von BMW eingesetzt und Bestellungen im Internet nur durch Spracheingabe erledigen. Viele Branchen experimentieren mit der Spracheingabe, nun auch die Gemeinden.

Alles, was die Kremsmünsterer zur Aktivierung von Alexa tun müssen, ist, diese mit „Alexa, frag Gemeinde Kremsmünster …“ anzusprechen. Daraufhin kann Alexa Fragen rund um das Leben in Kremsmünster beantworten und Hilfestellung bei unterschiedlichsten Problemen leisten.

„Selbst mitgestalten, anstatt gestaltet zu werden“, ist das Motto von Amtsleiter Reinhard Haider, der seit 20 Jahren als Experte im kommunalen E-Government in Österreich gilt. Für seine Idee holte er drei Studentinnen ins Boot, die sich nun auch im Studium mit elektronischer Spracheingabe und -ausgabe beschäftigen. Eine Win-win-Situation für alle.

Drei Studentinnen programmierten „Alexa“

Die Kremsmünsterin Roxana Neuböck hatte im Rahmen ihres Ferialpraktikums am Gemeindeamt die Aufgabe, den Fragenkatalog zu erstellen. Sie studiert an der Fachhochschule Steyr Marketing und E-Business (Bachelor). Ihre Freundin Iris Pöchtrager aus Sierning studiert an der FH Hagenberg, schreibt ihre Bachelor-Arbeit über Alexa und übernahm die Programmierung. Die umfangreichen Praxistests und das Feintuning der Fragestellung übernahm Nora Haider. Sie ist ebenfalls aus Kremsmünster und studiert nach dem Bachelor an der FH Steyr nun an der FH St. Pölten Media- und Kommunikationsberatung. Alle drei konnten aus der Theorie heraus ein spannendes Projekt in die Praxis begleiten.

Noch einige offene Fragen

Mit dem Pilotprojekt wurde in Kremsmünster der erste Schritt zur Erprobung der Technologie gesetzt. Dennoch verschließt man auch dort nicht die Augen vor möglichen Gefahren.

Peter Parycek vom Department für E-Governance an der Donau-Uni Krems und seit Juli 2017 auch Leiter des deutschen Kompetenzzentrums „Öffentliche IT“ in Berlin sieht zunächst die Vorteile dieses Pilotprojekts: „Es ist ein gutes Experiment, um die Verwaltungsleistungen einfacher an die Bürger zu vermitteln und langfristig die oft unverständliche, rechtlich überladene Sprache der Verwaltung für die Bürger zu vereinfachen. Ich denke hier auch an Menschen mit Leseschwächen. Es muss aber unbedingt noch weiter daran gearbeitet werden, dass die Daten nicht auf amerikanischen Plattformen landen. Das passiert derzeit aber bei Alexa und ähnlichen Geräten. Auch beim Einsatz in den eigenen vier Wänden werden die Sprachnachrichten auf amerikanischen Plattformen gespeichert.“

Dieses Pilotprojekt zeigt die Möglichkeiten der vorhandenen Technologie auf. Die öffentlichen Verwaltungen lernen daraus und wollen die Grundprinzipien künftig in plattformfreie mobile Plattformen übertragen, um in keine Abhängigkeit von Amazon zu geraten.

Wie kommt der Kremsmünsterer Bürger an die Antworten von Alexa?

Wer bereits ein Amazon-Echo-Gerät zu Hause hat, braucht nur die Alexa-App downloaden und den „Marktgemeinde-Kremsmünster-Skill“ aktivieren. Ab dann beantwortet die eigene „Alexa“ die Fragen, die normalerweise ans Bürgerservice gestellt werden, sogar von zu Hause aus. Wer das Gerät im Gemeindeamt ausprobieren möchte, kann dies im Sekretariat der Gemeinde tun.

„Geplant ist auch, dass Alexa, eine Röhre mit einer Länge von rund 25 cm, fix beim Rathauseingang stationiert wird und so 24 Stunden am Tag zur Verfügung steht“, erzählt Reinhard Haider.

Alexa beantwortet derzeit 82 Fragen, die speziell auf Kremsmünster programmiert sind. Weitere sollen dazukommen. Bürgermeister Gerhard Obernberger, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat, betont: „Es geht nicht darum, Arbeitszeit einzusparen, sondern den Menschen in Kremsmünster noch besseren Bürgerservice zu bieten.“

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