Die Österreicherinnen und Österreicher gehen mit Leitungswasser zu bedenkenlos um. Foto: www.BilderBox.com


20. Juni 2017

Gesundheit

60 Prozent halten Trinkwasser für nicht verderblich

Zwei Drittel des in Österreich getrunkenen Wassers kommen aus der Leitung. So das Ergebnis einer Umfrage, die Marketagent im Auftrag des FORUMs Wasserhygiene durchgeführt hat. „Die Menschen realisieren aber nicht, dass auch Wasser ein Ablaufdatum hat und dass sie für die Trinkwasserqualität im Gebäude – d. h. ab der Anlieferung des Wassers beim Wasserzähler bis zur Entnahmestelle am Zapfhahn – selbst verantwortlich sind“, erläutert Herbert Wimberger, Präsident des FORUM Wasserhygiene. So ergab die Umfrage weiter, dass knapp 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher nicht wissen, dass Wasser wie jedes Lebensmittel verderben kann.

„Im Wasser können sich manche Bakterien unter bestimmten Bedingungen sehr schnell vermehren und Krankheiten auslösen“, erklärt Alexander Blacky, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie.

Im Jahr 2014 erkrankten laut der Nationalen Referenzzentrale für Legionella-Infektionen (AGES) zufolge 133 Menschen in Österreich an der Legionärskrankheit, etwa jeder zehnte stirbt an den Folgen dieser schweren, durch Legionellen hervorgerufene Lungenentzündung. Diese Süßwasser-Bakterien können sich im warmen Wasser (ca. 25° – 50°C) vermehren, und das Einatmen von legionellenbelasteten Aerosolen (feinsten Wassertröpfchen) kann zu dieser schweren Lungenentzündung führen. Das Trinken von legionellenbelastetem Wasser stellt kein gesundheitliches Risiko dar. Die Dunkelziffer an Erkrankungen ist laut Experten sowie belegten Legionellen-Ausbrüchen in Deutschland sogar deutlich höher, denn im ambulanten Versorgungsbereich erfolgt nur selten eine mikrobiologische Abklärung.

Ein erhöhtes Risiko haben Personen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Lungenerkrankungen sowie Raucher. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Wenig Wissen zum Erhalt der Trinkwasserqualität

„Wir Wasserversorger unterliegen strengen Kontrollen und agieren nach den Wassersicherheitsplänen der Weltgesundheitsorganisation, damit wir bestes Trinkwasser anliefern können. Diese Qualitätssicherung muss sich im Gebäude fortsetzen, sonst ist die Qualität des Trinkwassers auf den letzten Metern gefährdet“, betont Franz Dinhobl, Vizepräsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) und technischer Geschäftsführer der EVN Wasser.

Wie die Studie bestätigt, gibt es in Österreich kaum ein Bewusstsein dafür, dass bestens angeliefertes Trinkwasser durch unachtsamen Umgang im Gebäude verderben kann. Noch weniger Österreicher wissen, was sie selbst zur Trinkwasserqualität beitragen können. Schlechte Trinkwasserqualität wird von 62,5 Prozent mit veralteten Leitungen begründet. Dass jedoch das Nutzerverhalten – allem voran eine zu geringe Wasserentnahme, unregelmäßige Wartung und falsche Wassertemperaturen ausschlaggebend sind, ist nur einem Bruchteil der Österreicher bewusst.

Trinkwasserinstallationen kaum gewartet

Ist das jährliche Serviceintervall beim Auto selbstverständlich, zeigt sich bei der Trinkwasserinstallation ein ganz anderes Bild: Nur ca. 15 Prozent gaben an, ihre Trinkwasserinstallation jährlich zu warten, über 85 Prozent warten die Trinkwasserinstallation nur unregelmäßig oder gar nicht. Und das, obwohl knapp 60 Prozent der Hauseigentümer ihrer Verantwortung bezüglich einer regelmäßigen Wartung der Trinkwasserinstallation kennen. „Hier muss das Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken durch schlecht gewartete Trinkwasserinstallationen massiv steigen“, betont Wimberger.

Bei den Mietern ist das Umfrageergebnis noch bedenklicher: Gut 90 Prozent gaben an, die Verantwortung für gute Trinkwasserqualität liege bei der Hausverwaltung, beim Hauseigentümer oder bei der Gemeinde, nur gut 5 Prozent wissen um ihre Eigenverantwortung als Mieter und Nutzer der Trinkwasserinstallation. „Dieses Ergebnis ist alarmierend. Die Mietverträge müssen dringend angepasst werden, um den Mieter auf seine Pflichten aufmerksam zu machen!“, warnt Wimberger eindringlich.

Was man zur Trinkwasserqualität beitragen kann

Um die Wasserqualität im Haus zu erhalten, empfiehlt das FORUM Wasserhygiene:

  1. Regelmäßige Wasserentnahme bzw. Freispülen der Leitungen nach 24 Stunden Abwesenheit,
  2. Auf die richtige Temperatur achten: Kaltwasser darf maximal 20 Grad, Warmwasser muss mindestens 55 Grad Celsius haben,
  3. Die Trinkwasserinstallation im Haus regelmäßig warten und reinigen (lassen) z. B. Brauseköpfe und Schläuche tauschen usw.

„Jeder Österreicher kann selbst mit einfachen Maßnahmen zu einer guten Trinkwasserqualität zuhause beitragen“, bestätigt Herbert Wimberger und ergänzt „leider sind wir bei der Wartung unserer Trinkwasseranlagen noch nachlässig, obwohl eine nicht hygienegerechte Trinkwasserinstallation und eine daraus resultierende schlechte Trinkwasserqualität unsere Gesundheit stark gefährden kann“.

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